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gewonnen; ich empfand wohl, daß er mich liebgewonnen hatte. Trotzig
genug von Natur und Gottes Gnaden war ich auch geboren, als daß
ich mich leicht hätte verblüffen lassen. Stein ist gegen mich wie gegen
andre zuweilen heftig gewesen, aber nur ein einziges Mal — und das
war in Reichenbach — grob geworden. Ich kam eines Morgens früh
um 6 Uhr — er stand sehr früh auf — mit einem Papier in der
Hand, fand seinen Wagen mit zwei Pferden und einem Postillion vor
dem Tor halten, und ging ohne Umstände wie gewöhnlich die Treppe
hinauf und reichte ihm das Papier. Und da: „Was kommen Sie mich
so früh zu stören? Ich habe keine Zeit, gehen Sie, der Quark kann
warten.“ Und ich ging, antwortend: „E. Exc. hatten den Quark ge—
schwind fertig befohlen. Sie sprachen: machen Sie geschwind! geschwind!“
So ging ich die Treppe hinunter; Niebuhr, den ich bei ihm fand, folgte
mir sogleich mit rotesten Wangen, mich mit den Worten tröoͤstend: „Er
ist auch gegen mich grob gewesen.“
Stein aber war den Morgen nach Gitschin gefahren; als ich ihn
nach einigen Tagen wiedersah, verlangte er jenen Quark, mit welchem
er mich etwas schnöde abgewiesen hatte, sprechend: „Sie kennen mich, ich
war vorgestern vom Podagra und von dem übel geplagt, woran wir
alle jetzt leiden. Ich sollte Kaiser und Könige und Hardenberg und
Metternich sehen.“ Dabei strich er mir freundlich über die Wangen.
Das war so seine Art Liebkosung, wann die allerfreundlichste Freundlich⸗
keit aus seinem Herzen quoll. kühte er einem den Kopf herüberholend.
auf die Stirn. — —
Nach geschlossenem Frieden im Jahre 1814 machte ich eine Lustreise
— ich hatte sie durch heiße Sommerarbeit wohl verdient — nach Köln
und Düsseldorf, von dort wieder nach Nassau, welches ich mir im ver—
flossenen Jahre zuerst besehen hatte.
Ich ward dort im Schlosse von dem Minister und den Seinigen
auf das allerfreundlichste empfangen. Er war außerordentlich heiter und
munter und lief mit mir und seinen beiden Töchtern, von welchen Hen—
riette schon erwachsen, Therese ein kleiner, mutwilliger Aufschößling war,
gleich die ersten Tage auf allen Wegen und Stegen durch Wald und Feld
und über Berg und Tal herum. Da mußte ich das schöne, mutwillige
Thereschen, welches immer Übersprünge machen wollte, und über dessen
unschuldige Wildheit der Papa sich herzlich freute, denn oft über kleine
Bäche und Gräben auf meinen Armen mit mir fortschnellen, wobei es
sich wohl begab, daß sie ihre eigenfüßige Macht zeigen wollte und zu
Vavas Ergötzung ein Stiefelchen im Schlamm stecken ließ.
Im Sommer des Jahres 1815 kam Stein nicht lange vor seiner
zweiten Fahrt nach Paris in Köln an, wo ich damals saß. Er schickte
einen Bedienten, ich möge nach dem Dom kommen, wo ich ihn finden
werde. Da kam auch sein Adiutant Eichhorn eben frisch aus Berlin