Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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als Zahlung in Kauf nimmt, und sich somit in diesem Falle das Gold 
unter den ungünstigsten Verhältnissen entziehen zu lassen. Auch in 
dem Innenlande würde die thatsächliche Entwertung des Silbers, damit 
eine kolossale Preissteigerung und dann eine allgemeine Zahlungs- 
stockung die Folge gewesen sein, sobald das zunächst künstlich im Preise 
gesteigerte Silber der Entwertung zu verfallen begonnen hätte. 
Würde Deutschland Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre 
dem Drängen der Bimetallisten gefolgt sein und versucht haben, die 
Doppelwährung nach dem Verhältnisse wie 1: 16 zu acceptieren, so 
würde die einfache Folge gewesen sein, daß man ihm in der kürzesten 
Frist seine 2 Milliarden Gold entzogen hätte, indem man ihm eine 
Milliarde Silber dafür gegeben hätte, Als Entschädigung würde dem 
deutschen Michel ein überreiches Maß wohlverdienten Spottes von 
allen Seiten zu teil geworden sein. 
Ein einzelnes Land kann nach dem .Gesagten heutigen Tages un- 
möglich ein von den thatsächlichen Weltpreisen abweichendes Wert- 
verhältnis mit der Doppelwährung acceptieren und die Silberprägung 
freigeben, ohne sich selbst im höchsten Maße zu schädigen und für 
die Gesamtheit doch nichts zu erreichen. 
Von welcher Wirkung wäre aber die Vereinigung einer größeren 
Zahl von Ländern, resp. der sämtlichen Kulturländer zu einer Währungs- 
konvention? Es ist dieses ein einfaches Rechenexempel. Der Ge- 
samtwert an Gold, welcher als Münze und in Barren in der civilisierten 
Welt augenblicklich zirkuliert, wird auf etwa 19 Milliarden veranschlagt. 
Die Silberproduktion betrug in den letzten Jahren etwa eine Milliarde 
Mark, ziehen wir davon 250 Millionen für den jährlichen Bedarf für 
die Industrie und als Ergänzung des Verlustes an der umlaufenden Münze 
sowie 200 Millionen für den Abfluß nach dem Orient ete. in Abrech- 
nung, so bleiben rund 500 Mill. Mk. an Silber übrig, welche zur Ver- 
mehrung der Silberzirkulation verwendet werden können. In 50—60 
Jahren könnte damit das Gold sicher verdrängt sein. Wird aber 
das Wertverhältnis auf 1: 16 fixiert, damit also der Wert des Silbers 
verdoppelt, so würde wohl schon in der halben Zeit, sagen wir in 40 
Jahren die Uebersättigung an Silber eingetreten sein, die Aufnahme- 
kraft an Silber durch die Münze hörte auf, und bei der weiteren 
Fortsetzung der Produktion im selben Verhältnis müßte eine rapide 
Senkung des Silberwertes wiederum auf den gegenwärtigen Stand die 
Folge sein. Nach 40, 50 Jahren — was ist aber ein halbes 
Jahrhundert für die Volkswirtschaft für eine kurze Frist! — 
würde also das Silber auf dem Weltmarkte nur den halben Wert 
haben, als die Silbermünze, die aus ihm geprägt ist. Man hätte allge- 
mein nur Kreditgeld in der Hand, ein Zustand, der schwerlich lange 
Zeit aufrecht zu erhalten wäre. Die Staaten müßten sich entschließen, 
wieder mit einer völligen Münzreform vorzugehen, die wiederum eine 
vollständige Preisrevolution in sich schließen würde. Unter den gegen- 
wärtigen Verhältnissen erscheint daher die Durchführung des Bime- 
tallismus auf der Grundlage des Verhältnisses wie 1:16 einfach un- 
möglich. 
Durchführbar wäre dagegen der Bimetallismus gegenwärtig durch 
eine Vereinigung der civilisierten Staaten unter. Acceptierung des Wert- 
verhältnisses, etwa wie 1:34, wie es dem gegenwärtigen Weltmarkt Wert- 
ungefähr entspricht. Ein jeder Ueberschuß an dem einen oder anderen verhältnis 
Metall, welcher das Verhältnis zu modifizieren droht, würde nun in 1:34, 
Nonrad, Grundrifs der polit. Oekonomie. I. Teil. 4 Aufl. 
Währungs- 
konvention 
nach 1:16.
	        
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