Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

14°

L. von Halle, Die Hamburger Girobank und ihr Ausgang. Berlin 1891.
E. von Philippovich, Die Bank von England im Dienste der Finanzverwaltung.
Wien 1885.
Sievcking, Die Casa di S, Giorgio. Freiburg 1899.

Die modernen Banken sind Kreditinstitute, welche die Aufgabe
haben, den Geldumlauf zu regulieren, durch Kreditoperationen das Geld
aufzunehmen, welches in dem laufenden Betriebe keine Verwendung
finden kann, und es dorthin zu leiten, wo Bedarf daran vorliegt. Wenn
auch, wie wir sehen werden, noch eine Menge andere Thätigkeiten
sich daran anschließen und in der ursprünglichen Entwickelung die
Aufgaben sich vielfach anders gestalten, so ist damit doch für die
Gegenwart der Kernpunkt ihrer Thätigkeit gekennzeichnet. Man hat
sie nicht mit Unrecht mit dem Herzen in dem tierischen Organismus
verglichen, welches die Aufgabe hat, das Blut in alle Teile des Körpers
zu führen und neues Leben hinein zu bringen, um das verbrauchte
wieder zurückzuziehen und zur Umwandlung und Ausscheidung zu
bringen. So wird durch die Banken die Kapitalskraft in Umlauf gesetzt
 und überall zu angemessener Verwendung gebracht. ;
Der Name der Banken rührt von den Tischen her, auf welchen
die Geldwechsler in Italien ihre Geldschüsseln aufgestellt hatten,
Schon im Altertum ist eine Bankthätigkeit nachweisbar; besonders
für Babylon, Griechenland und Rom, und zwar in der Form des Geldwechselgeschäftes,
 dann zur Aufnahme von Geldern zur Aufbewahrung
und zur Uebernahme von Darleihgeschäften. Mit der Völkerwanderung
ging indessen diese Thätigkeit verloren und ist erst gegen Ende des
Mittelalters allmählich wieder zur Ausbildung gekommen. Ihre Vertreter
 waren zunächst Geldwechsler, welche die verschiedenen Münzsorten
 und die Münzen der verschiedenen Länder vorrätig hielten, sie
auf ihren Wert prüften und für den Verkehr zur Verfügung stellten.
Jedes Land und Ländchen, ja vielfach jede größere Stadt besaß eigene
Münze, die nur innerhalb ihres Territoriums Umlaufsfähigkeit hatte,
und so viel wie möglich innerhalb derselben zurückgehalten, wie jede
andere von demselben fern gehalten wurde. So bedurfte man solcher
Vermitfelungsinstanz, um dem Kaufmann, dem Reisenden , wie dem
Fürsten und sonstigen großen Herren die Münze zur Verfügung zu
stellen, die sie für ihre Zahlungen im Auslande brauchten, und um
etwa mitgebrachte ausländische Münzen in die heimische zu übertragen.
Hiermit verbanden die Wechsler auch häufig und allmählich in immer
ausgedehnterem Maße die Thätigkeit des Geldausleihens. Ursprünglich
 im Mittelalter waren die berufsmäßigen Geldleiher hauptsächlich
Juden, dann übernahmen die Italiener dasselbe Geschäft, besonders im
großen Verkehre, nicht nur in ihrer eigenen Heimat, sondern allmählich
auch in dem übrigen Europa. Anfangs stammten sie hauptsächlich
aus der Lombardei, dann aus Toscana. Die vielen italienischen technischen
 Ausdrücke im Bankverkehre sind darauf zurückzuführen, wie
außerdem der Name Lombardstreet in der city von London, welche
noch heutigen Tages der Hauptsitz der großen Bankinstitute Englands
ist. In Genua wurden die Geldwechsler schon im 12. Jahrhundert
Bancherli genannt, und im 13. und 14. Jahrhundert sind die Italiener
bereits in vielen Hauptorten Europas als Vertreter der Bankthätigkeit
ansässig. In den folgenden Jahrhunderten finden sich die Campsores
öfters zu besonderen Zünften neben den Kaufleuten, den Mercatores,
vereinigt, als eine Hauptstütze des Handels. Je mehr der Verkehr

Wesen der
Banken.

Altertum.

Yittelalter.

Wechsler
            
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