Diese Momente sind mithin die eigentlich bestimmenden für den
Wechselkurs. Doch treten noch andere hinzu, die einen Einfluß auf
ihn haben. Selbstverständlich hängt der Wert des Wechsels ab von
der Valuta, auf welche er lautet, also welche in dem Fälligkeitslande
maßgebend ist. Die Schwankungen des Wertes der Währung haben
deshalb auf ihn den größten Einfluß. Lautet der Wechsel auf ein
Land mit Papierwährung, so wird der Kurs des Papieres bisher z. B.
der österreichische Gulden, der russische Rubel. bestimmend für den
Preis des Wechsels sein. Für einen Wechsel von 1000 Rubel wurden
demnach bald 2000 Mk., bald 2200, bald nur 1800 gezahlt, und es
war deshalb mit dem Ankauf eines solchen Wechsels ein erhebliches
Risiko verbunden, welches überhaupt den Wechselkurs entsprechend
herabdrücken mußte.
In dritter Linie kommt die Sicherheit des Wechsels in Betracht. Sicherheit
Ist eine Weltfirma dafür haftbar, so kann der Wechsel ganz andere des Wechsels.
Verwendung finden als ein solcher mit Unterschriften unbekannter
Männer, Auch eine größere Zahl von Unterschriften, wodurch die
Sicherheit gesteigert ist, kann den Preis erhöhen. Viertens ist die Dauer
des Wechsels bis zur Verfallzeit von Wichtigkeit, und da immerhin die
Möglichkeit eines Konkurses in Betracht gezogen werden muß, und
eine längere Frist Gefahren in sich schließen kann, so pflegt der Kurs
kurzsichtiger Wechsel ein höherer zu sein, als der mit langer Frist.
Die Kursschwankungen sind nun nach oben und unten begrenzt. Grenzen der
Die obere Grenze liegt da, wo es vorteilhafter wird, statt mit einem Xursschwan-Wechsel
zu zahlen, bar Geld zu schicken, wo der Aufwand der Trans- “ungen.
portkosten geringer ist, als der Aufschlag auf die gewöhnlichen Preise
des Wechsels nach dem Münzwerte. Diese Grenze wird auch der
Gold- oder Metallpunkt genannt, wo eben das Metall an die Stelle des
Wechsels tritt. Indessen kommt es selten zu solchen Barsendungen
auf Veranlassung des hohen Kurses. Denn die Bankiers halten es
dann für vorteilhafter, entsprechende Wechsel zu schaffen, indem sie
solche auf ihre Geschäftsfreunde im Bestimmungslande ziehen, oder es
gelingt, von anderen Börsenplätzen entsprechende Wechsel heranzuziehen.
Nach Heiligenstadt wurde in London bei Wechseln für Berlin
der Goldpunkt in den Jahren von 1886—91 von 610 Notierungen
5mal erreicht, 95mal überschritten; in Berlin für London von 929
Notierungen 2mal: erreicht, 13mal überschritten. Die Goldeinfuhr
Deutschlands aus England betrug in diesen Jahren 12,8 Mill, Mk., die
Einfuhr Englands aus Deutschland nur 1,1 Mill. Mk.
Ein ziemlich ausgedehntes Geschäft der Börsenmänner ist, die
Wechsel überall aufzukaufen, wo sie billig sind, und dahin zu dirigieren,
wo sie teuer sind, um an der Differenz zu profitieren. Dieses
Geschäft ist das Arbitragegeschäft, wodurch zugleich eine Ausgleichung
der Kurse erreicht wird,
Die untere Grenze, unter welche der Kurs nicht nachhaltig sinken
kann, liegt da, wo es vorteilhaft wird, umgekehrt, Metall nach dem
Inlande zu ziehen.
Der Kurs, welcher genau dem Münzwerte entspricht, heißt die
Münzparität und bildet natürlich den Ausgangspunkt und die Grundlage
für den Wechselkurs, wobei der Feingehalt der Münze berücksichtigt
wird. Die Münze mit einem niedrigen Schlagschatz oder, wo
überhaupt gar keiner in Anrechnung gebracht wird, wie in England,
Münzparität.