Durreneyschool.
Gefahren der
Noten-2mission.
und ihre Dauer wesentlich abgekürzt. Es giebt bis jetzt kein anderes
Mittel, die zerstörende Wirkung wirtschaftlicher Krisen zu mildern, als
die Ausgabe ungedeckter Noten. Es ist aber klar, daß gerade die
Emission über den Barvorrat hinaus allein diese Wirkung haben kann,
und es heißt deshalb der Waffe die Spitze abbrechen, resp. der Hilfsmaschine
das bedeutsamste Zahnrad rauben, wenn man die Notenausgabe
auf den Barvorrat beschränken will, wodurch gerade die Beweglichkeit
und Elastizität des Geldumlaufs verloren geht. Und doch
verlangte die sogen. Currency-School (im Beginne des Jahrhunderts
David Ricardo, Mitte der vierziger Jahre Samuel Jones Loyd
in England, in den 50er und 60er Jahren Faucher, Prince
Smith, dann Knies und W.Endemann in Deutschland), wegen
der damit verbundenen Gefahr die Beseitigung ungedeckter Noten.
Die Gefahr der Ausgabe ungedeckter Noten liegt für die Banken
selbst natürlich darin, daß, sobald der Kredit erschüttert wird, ihnen
die Noten massenhaft zur Einlösung präsentiert werden, die nicht
wieder in Zahlung genommen werden, wodurch die Banken zur Einstellung
ihrer Zahlungen gezwungen werden können, wenn die Ausgabe
von Noten zu große Dimensionen angenommen hatte. Ist die Notenzirkulation
im ganzen Lande eine große und maßgebende, so wird im
Falle der Krisis eine allgemeine Zahlungsstockung eintreten, indem
Niemand die Noten nehmen will, und die übrigen Umlaufsmittel für
den Verkehr nicht ausreichen, so daß durch diese Zahlungsstockungen
sich eine allgemeine wirtschaftliche Krisis entwickeln kann. Ende der
30er Jahre war dies im ausgedehntesten Maße in den Ver. Staaten
Nordamerikas der Fall, wo eine übergroße Zahl von Banken von der
freigegebenen Notenemission Gebrauch gemacht hatte und sie sich be
dem KEintritt ungünstiger Konjunkturen nicht zu halten vermochten.
Infolgedessen trat eine allgemeine Diskreditierung der zirkulierenden
Noten ein, und Jahre waren notwendig, um erst wieder normale Verhältnisse
herzustellen.
Aber auch abgesehen von solchem Extrem liegt die Gefahr eines
Mißbrauchs der Notenemission von seiten der Banken vor, wenn
ihnen nicht besondere Schranken gezogen sind; denn wir sahen, daß
jede Notenausgabe für sie die Erlangung eines unverzinslichen Dar-Jehens
in sich schließt. Es liegt deshalb in der Natar der Sache,
daß jede mit dem Privilegium versehene Privatbank danach streben
wird, möglichst viel Noten in Umlauf zu halten, um dieses Darlehen
uszunutzen. Dieses kann durch Gewährung unberechtigter Darlehen
und Animierung gewagter Unternehmungen geschehen, um dadurch
größere Summen zur geschäftlichen Anlage zu bringen, als Bedarf
dafür vorliegt. Die Folge davon ist: Ueberproduktion und Ueberspekulation,
damit Untergrabung der Solidität der wirtschaftlichen Verhältnisse.
Außerdem können die Banken durch mancherlei Manipulationen,
namentlich durch die Ausgabe von Noten mit geringem Wert,
dieselben in die unteren Klassen bringen, welche die Rücklieferung an
die Banken nicht so leicht zu bewirken vermögen und dadurch mehr
Noten in Umlauf erhalten, als Bedarf dafür vorliegt. Wir werden zu
untersuchen haben, auf welche Weise diese Gefahren gemildert, wo
nicht beseitigt werden können, ohne darum die Vorteile aufzugeben.
Zunächst aber wollen wir noch die Eigentümlichkeiten des Papiergeldes
untersuchen, um durch die Vergleichung mit der Note deren Eigenschaften
um so besser charakterisieren zu können.