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Kreuzer zahlen und hatte nicht das nötige Kupfer zur Hand, so zerriß
man das Zehnerl in zwei Hälften und machte daraus zwei Fünfer.
In der nordamerikanischen. Union hatte man dagegen Anfang der
sechziger Jahre ein neues Hilfsmittel in den Postmarken, welche als
Scheidemünze fungierten, Je größer der Ueberschuß des ausgegebenen
Papiergeldes ist, um so mehr tritt zu der Wirkung des zu großen
Vorrats noch die Diskreditierung der Staatsgewalt und die Furcht, daß
der Staat nicht imstande sein wird, die ausgegebene Menge zum vollen
Werte wieder einzulösen, und daß deshalb die Inhaber desselben Verlusten
entgegen gehen, Politische oder wirtschaftliche Konjunkturen,
welche ev. neue Anforderungen an die Staatskasse stellen können,
üben einen erheblichen Druck auf den Kurs des Papiergeldes aus;
und je mehr der Kredit des Staates sinkt, um so mehr verliert auch
das Papier an Wert. KEin extremes Beispiel hierfür bietet bekanntlich
lie französische Revolution mit der Assignatenwirtschaft. Jene Scheine,
die mit Zwangskurs ausgegeben wurden, waren trotz aller Strafbestimmungen,
die bis zur Todesstrafe gegen denjenigen vorgingen, der
sich weigerte, die Assignate. zu dem darauf verzeichneten Werte zu
acceptieren, nicht vor der extremsten Entwertung zu bewahren, so
daß die zuletzt ausgegebenen 20 Milliarden nur noch einen Wert von
einigen Millionen repräsentierten. Man konnte den Kaufmann nicht
zwingen, die Waren zu dem gewöhnlichen Preise abzugeben, wenn man
sie mit Assignaten bezahlen wollte, sondern die Preise stiegen in das
Unermeßliche, so daß man für ein Pfund Butter ein paar hundert
Livres, für ein Paar Stiefel 1000 Livres in Assignaten zahlte. Zuletzt
benutzte man sie, um Zimmer damit zu tapezieren, weil man sie in
anderer Weise nicht verwerten konnte. Auch das von den amerikanischen
Südstaaten ausgegebene Papiergeld sank schließlich auf ein
Zehntel des ursprünglichen Wertes herab.
Aber auch wenn die Ausgabe nicht so in das Extrem geht, sondern
im Durchschnitte etwa dem Bedarfe entspricht, sind Schwankungen
im Kurse nicht zu vermeiden. Denn dadurch unterscheidet sich das
Papiergeld von der Note, daß die letztere durch ihre Einlösbarkeit,
wie wir sahen, sich dem Bedarf an Zirkulationsmitteln anpaßt, und
bald mehr, bald weniger Noten im Umlaufe sind, indem der Ueberschuß
von selbst in die Banken zurückströmt, während bei dem Papiergeld
eine bestimmte Summe ausgegeben und dauernd in Zirkulation
erhalten wird. Je mehr bei einem regen wirtschaftlichen Leben
Zahlungsmittel gebraucht werden, um so mehr verschwindet ein vorher
empfundener Ueberfluß, und der Kurs der Papiere steigt durch die
erweiterte Nachfrage. Eine Erschlaffung der wirtschaftlichen Thätigkeit
läßt dagegen den Bedarf an Umlaufsmitteln sinken, und der Vorrat
an Papiergeld erscheint zu groß, die Folge davon ist ein Sinken des
Kurses, So waren noch in den letzten Jahren in Rußland wie in
Oesterreich, als man sich der Aufnahme der Barzahlung mehr und
mehr näherte und die Ueberschüsse an Papier eingezogen waren, fortdauernd
Kursschwankungen zu beobachten, die nicht auf politische
Momente zurückzuführen waren. Umgekehrt kann man die Thatsache,
daß in Oesterreich Anfang der neunziger Jahre die Noten höher im
Werte standen als das Silber, auf welches sie: lauteten, mit Karl
Menger nur darauf zurückführen, daß sich ein Mangel an Noten
herausgestellt hatte, und ihr Wert dadurch besonders erhöht war.
Jonrad, Grundrifs der volit. Oekonomie. I. Teil. 4. Aufl. >
Kursschwankungen.