Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

Einleitung.

S 1.

Das Wesen der Volkswirtschaft und der
Volkswirtschaftslehre.

Als erste Aufgabe liegt uns ob, über die Natur des Gegenstandes
 zu orientieren, welcher uns hier beschäftigen soll. Das ist
die Volkswirtschaft. Und doch wird es der eingehenden KErörterung
 der ganzen Schrift bedürfen, um darüber eine genaue Aufklärung
 zu bieten. Wir müssen deshalb hier im Eingange den Versuch
machen, durch ein Beispiel aus dem praktischen Leben kurz das
Wesentliche zur Anschauung zu bringen.
Das Wesen der Volkswirtschaft gegenüber der Privatwirtschaft
vergegenwärtigt man sich am besten, wenn man festzustellen versucht,
von wo eine Arbeiterfamilie unter unseren Verhältnissen ihren Hausbedarf
 bezieht, Zur Kleidung lieferten die Vereinigten Staaten Amerikas
 die Baumwolle, das Kap oder Australien die Wolle, Rußland
das Lein, Brasilien das Sohlenleder. Alle Weltteile steuerten das
Rohmaterial für die Kleidung bei. Ebenso lieferten zur Nahrung
Argentinien Weizen, Indien Reis und Gewürze, Java Kaffee, Norwegen
Heringe. Die Baumwolle wurde eventuell in England versponnen, in
der Schweiz verwebt, in Eilenburg bedruckt, um noch durch die Hände
verschiedener Zwischenhändler zu gehen, bevor der fertige Stoff in den
Haushalt des Arbeiters gelangt. Jeder, durch dessen Hand derselbe
ging, heftete Arbeit daran, erhöhte den Wert und erhielt von dem
folgenden die Bezahlung. Die Verwertung fiel schließlich in unserem
Beispiel dem einfachen Arbeiter zu, der heutigen Tages mitten im
Weltgetriebe steht und in jedem Momente genießt, was Tausende in
den verschiedenen Himmelsgegenden für ihn geschafft haben.
Weit komplizierter wird das Bild, wenn wir in Betracht ziehen,
was sonst zur Kleidung gehört, Nadeln, Knöpfe, Haken und Oesen,
die aus vielen verschiedenen Fabrikationszweigen hervorgingen, und
was sonst jetzt in dem Haushalt des Arbeiters allgemein zu finden ist,
Möbel, Betten, Töpfe, Gläser, Messer, Gabeln, Löffel, Lampe, Feder,
Tinte, Uhr u. s. w. Hunderte von Fabriken arbeiteten, um seine
Häuslichkeit auszustatten, während der Neger, was er gewöhnlich
braucht, sich selbst beschafft, nur ausnahmsweise etwas von auswärts
erhält. Er steht daher nicht in der Volkswirtschaft, sondern in einer
Einzelwirtschaft, wie dies auf unserem heimischen Boden noch vor
zwei Jahrtausenden bei den Germanen ebenso der Fall war.
Conrad, Grundrifs der valit. Oekonomie. TI. Teil. 4. Aufl.

Volks- und
Privatwirtschaft.

            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.