Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

Noch heutigen Tages wird vielfach die politische Oekonomie als
Teil der Kameralwissenschaften oder sogar mit diesen identisch
aufgefaßt. Der Name indessen ist durchaus veraltet und, die Anwendung
desselben kann nur zur Verbreitung schiefer Auffassungen Anlaß geben,
Man faßte insbesondere im vorigen Jahrhundert unter Kameralwissenschaften
 alle die Disziplinen zusammen, deren Kenntnis man außer
der Jurisprudenz von den Finanzbeamten der landesherrlichen Kammer
verlangte, und daher stammt der Name. Dazu gehörten aber außer
der politischen Oekonomie die Polizeiwissenschaft und die technischen
Disziplinen oder Gewerbswissenschaften, wie die Land- und Forstwirtschaftslehre,
 welche für die Domänenbeamten wünschenswert waren,
außerdem die Technologie, Bergwerks- und Handelswissenschaften.
Die Gewerbswissenschaften beschäftigen sich aber ausschließlich mit
den technischen Vorgängen des Gewerbes, also der Betriebsweise, dem
Ackerbau, der Viehzucht, der Forstkultur etc. Die politische Oekonomie
 dagegen läßt diese außer acht, berücksichtigt vielmehr nur die
volkswirtschaftlichen Wirkungen des Betriebes und untersucht mithin
die Stellung der Gewerbe innerhalb der Volkswirtschaft und im Zusammenhange
 mit derselben. Es sind deshalb die Gewerbswissenschaften
 völlig von der politischen Oekonomie zu trennen, und die zusammenfassende
 Bezeichnung der Kameralwissenschaften sollte fallen
gelassen werden.

Kameralwissen-



S 4.
Die allgemeine Litteratur.

i. Handbuch der politischen Oekonomie, herausgegeben von Gustav Schönberg.
 4. Aufl. Tübingen 1896—097. 2. Adolph Wagner, Allgemeine oder theoretische
 Volkswirtschaftslehre. 1. H. Grundiegung. Leipzig 1892—94. 3. W. Roscher,
System der Volkswirtschaft, Die Grundlagen der Nationalökonomik. 20, Aufl. Stuttgart
 1894. 4. Gustav Schmoller, Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftsiehre, LT.
4, bis 6. Außl. Leipzig 1901, 5. G. Cohn, Grundlegung der Nationalökonomie. Stuttgart
 1885. 6. Kmies, Die politische Oekonomie vom geschichtlichen Standpunkt.
5. Aufl. Braunschweig 1883. 7. A. E. F. Schäffle, Das gesellschaftliche System
der menschlichen Wirtschaft. 3. Aufl. Tübingen 1873. 8. Adam Smith, Untersuchungen
 über die Natur und die Ursachen des Nationalreichtums, übers, v. Garve,
Breslau 1795, v. Asher, Hamburg 1861. 9. John Stuart Mill, Grundsätze der
politischen Oekonomie. Hamburg 1852 und Leipzig 1869. 10. EX. Sax, Grundlegung
 der theoretischen Staatswirtschaft, Wien 1887. 11. Carey, Handbuch der
Volkswirtschaft und. Sozialwissenschaft, München 1866. 12. v. Philippovich, Grundriß
 der politischen Oekonomie, Bd, X. 4, Aufl, Freiburg 1901. 18. A. Marshall,
Principles of economics, Vol. I, 1891. 14. Leroy-Beaulieu, Traite theorique et
pratique d’Economie politique, I, u. II. Paris 18%. 15. Zeitschrift für die gesamte
 Staatswissenschaft, herausgegeben von Schäffle u. a. Tübingen. 16. Jahrbücher
 für Nationalökonomie und Statistik, herausgegeben von Conrad, Loening
und Lexis. Jena, Gustav Fischer, 17. Jahrbuch für N rieiprebune, Verwaltung und
Volkswirtschaft im Deutschen Reiche, herausgegeben von Gustav Schmoller, Leipzig.
18. Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 2. Aufl, Jena, Gustav Fischer, 1899
19. Elster. Wörterbuch der Volkswirtschaft. Jena 1898.

8 5.
Grundbeeriffe.

Fr. J. Neumann, Beiträge zur Revision der Grundbegriffe der Volkswirtschaftslehre.
 "Tüb. Zeitschrift d. Staatsw., Jahrg. 1869 u. 1872.
Ders., Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. 1. Abt. "Tübingen 1889,
H. v. Mangoldt, Grundriß der Volkswirtschaftslehre. Stuttgart 1871.
Bastiat, Harmonies 6conomiques. Oeuvres compl., T. IV. Paris 1864,
». Hermann. Staatewirtschaftliche Untersuchungen. 2. Aufl. München 1874.
            
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