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Verschie-
dene Arten
der Krisen.
Ursachen.
8 76.
b) Volkswirtschaftliche Bedeutung der Krisen.
Der von uns gegebene historische Ueberblick über die Krisen
der Jetzten beiden Jahrhunderte hat eine große Verschiedenartigkeit
der Ursachen wie des Verlaufes derselben gezeigt, und man wird
danach die im Eingange aufgestellten verschiedenen Kategorien zu
unterscheiden vermögen. In erster Linie sahen wir Krisen entstehen
Jurch gewaltige Spekulationen an der Börse, enorme Kurssteigerung,
der die reale Unterlage fehlte, und auf die ein Rückschlag eintreten
mußte, da eine Seifenblase sich dauernd nicht erhalten kann. Die
Folge davon ist überall während des Aufschwunges übermäßiger Luxus
bei den plötzlich reich gewordenen Personen, wodurch verschiedene
Industriezweige begünstigt, eventuell neu groß gezogen werden, während
sie nach einiger Zeit bei Rückgang der Kaufkraft jener Kreise in sich
zusammenfallen und einem erheblichen Teile der Bevölkerung sehr
bedeutende Verluste bringen. In der Hauptsache spielt sich der Vor-
gang an der Börse ab, und von ihr übertragen sich die Folgen auf
weitere Kreise, so daß daraus sich eine allgemeinere Kreditkrisis ent-
wickeln kann, wenn die Kapitalsverluste sehr bedeutende Dimensionen
angenommen haben. Solche Krediterschütterungen können aber auch
auf andere Weise herbeigeführt werden, wie durch Münzverschlechterung,
übermäßige Papiergeldausgabe, zu ausgedehnte Notenemissionen durch
Privatbanken etc. Diesen erwähnten Krisen stehen, wie ausgeführt,
2, die Handelskrisen gegenüber, die in Stockungen des Warenver-
kehrs bestehen, die daher auch Absatzkrisen genannt werden, weil
ein Teil der produzierten Ware keine Abnehmer zu finden vermag.
Diese können von seiten der Konsumenten ausgehen, deren Kaufkraft
durch Kriege, durch Mißernten oder sonstige wirtschaftliche Verluste
in besonderer Weise gelitten hat, oder auch von Seiten der Produzenten
infolge einer zu ausgedehnten Produktion, welche den Bedarf überschritt.
Diese Erscheinung ist mehrfach verschärft, durch einen ausgedehnten
Gründungsschwindel, der nur an der Gründung von Aktiengesellschaften
gewinnen wollte damit eine Ueberproduktion förderte und zugleich
massenhaft unsichere Papiere auf den Markt warf, wodurch wiederum
lie Ueberspekulation an der Börse gefördert und so von verschiedenen
Seiten auf eine Krisis hingearbeitet wurde. Die Folge war dann
sowohl eine Absatz- wie Börsenkrisis.
Die Ursachen dieser Erscheinungen sind damit in der Hauptsache
jereits angegeben. Allgemein eigentümlich ist denselben ein plötzlicher
Rückgang der Preise und Kurse, nachdem vorher eine außergewöhn-
‚iche Erhöhung derselben stattgefunden hatte. Die Ursachen wiederum
dieser Preis- und Kursschwankungen sind, wie sich ergab, sehr ver-
schiedenartig. In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts stehen sie
unzweifelhaft in engem Zusammenhange mit den Ernteverhältnissen.
Die Landwirtschaft überwog mit ihrem Einfluß auf das ganze wirt-
schaftliche Leben, wenigstens auf dem europäischen Kontinent, gegen-
über Handel und Industrie, Hatte der Bauer Geld, so hatte es die
ganze Welt. Reichliche Ernten erhöhten die Kaufkraft der Bevölkerung,
animierten Handel und Industrie, nachdem durch die erweiterte Nach.
frage die Warenpreise gestiegen waren. Dies führte zu einer Ueber-
produktion, worauf ein Rückschlag unvermeidlich wurde. Umgekehrt
verminderten Mißernten die Kaufkraft, brachten deshalb den Absatz