Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

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Konsumtionskraft, die kaum in Frage kommt, oder doch nur eine
solche, die bei weitem nicht imstande ist, die geschaffenen Werte zu
absorbieren. Daher sieht sich der Kapitalist genötigt (Flürscheim),
einen erheblichen Teil des gewonnenen Wertes zu kapitalisieren und
wiederum zur Produktion zu verwenden, wodurch die Ueberproduktion
noch immer mehr verschärft wird.
Es ist nun ohne Weiteres zuzugestehen, daß es kein besseres Maßregeln
Mittel giebt, jede Ueberproduktion zu vermindern, als die Steigerung gegenKrisen.
der Kaufkraft der Bevölkerung, aber nicht nur der einfachen
Arbeiterbevölkerung , sondern der verschiedenen Klassen des Volkes.
Nicht genügend berücksichtigt wird aber, daß auch der Kapitalist
durch seine Ersparnisse eine erweiterte Nachfrage nach den mannigfaltigsten
 Produkten herbeiführt, wenn er neue Fabrikunternehmungen
unterstützt, Gelder für neue Kommunikationswege beiträgt und dergl.
mehr. Denn nicht nur die Konsumtion, auch die Produktion absorbiert
Güter aller Art. Wenn aber diese Neuanlage nur zu einer weiteren
Ueberproduktion führte, so müßte dieselbe in Permanenz geschehen,
was durchaus nicht der Fall ist. Sie tritt vielmehr nur zeitweise ein,
als Uebergang. Man kann auch nicht sagen, daß eine fortdauernde
Steigerung der Ueberproduktion zu beobachten ist, vielmehr tritt eine
Krise doch nur infolge von Ueberspekulation und Ueberschreitung des
gewöhnlichen Maßes ein, nicht schon bei regulärer Produktion, wo
natürlich auch Schwankungen in den Konjunkturen eintreten, aber ohne
akuten Charakter.
Auf die Einseitigkeit der sozialistischen Auffassung hat schon
Lexis in Schönbergs Handbuch aufmerksam gemacht, denn eine Lohnerhöhung,
 durch welche die Kaufkraft des Arbeiters gesteigert wird,
erweitert nicht die Nachfrage nach allen Produkten gleichmäßig,
vielmehr nur einseitig, nach bestimmten Bedarfsartikeln gerade des
Arbeiters; und auch bei diesem durchaus nicht bei allen Artikeln.
Die Nachfrage nach Kartoffeln wird sich vermindern, dagegen nach
Fleisch vermehren, ebenso nach groben Zeugen weniger zunehmen als
nach feineren. Hat in der Seidenindustrie eine zu starke Produktion
stattgefunden, so wird sie auch der besser situierte Arbeiter nicht mindern.
 Sind mehr Schienen gemacht, ist überhaupt mehr Eisen aus den
Hochöfen hervorgegangen, als momentan verwendet werden kann, und
das kann außerordentlich leicht geschehen, so ist auch die allgemeinste
Lohnerhöhung dagegen keine Abhilfe, also auch dann nicht, wenn, wie
bei Proudhon, jeder thätige Mensch unter die Arbeiterklasse gerechnet
wird. Der gesunde Kern, der in jener Grundanschauung liegt, ist durch
die Verschiebung ins Extrem zu einem krankhaften Zerrbild geworden.
Alle Maßregeln, welche einer Ueberspekulation entgegenwirken,
eine Gründung und Erweiterung von Aktiengesellschaften allein zu
Spekulationszwecken verhindern, werden in angemessener Weise den
Krisen entgegenwirken. Jede Einrichtung, welche über die Veränderungen
 der Produktions- und Bedarfsverhältnisse orientiert, z. B. genaue
Berichte der Konsulate, wie sie in England und den Vereinigten Staaten
geliefert werden, aber leider viel zu wenig in Deutschland, werden
dazu beitragen, Ueberproduktionen zu verhindern. Besonders wichtig
ist es, die Folgen der Krisen in höherem Maße von der Arbeiterklasse
abzulenken, denn es bleibt eine übermäßige Härte und Ungerechtigkeit,
daß der Fabrikant, der aus den hohen Preisen mit Hilfe einer großen
Zahl von ihm aus anderen Thätigkeiten herangezogener Arbeiter Gewinn
            
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