Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

jenigen sind, bei welchen man sich weitaushebende und zeitraubende
Produktionsumwege gestatten kann“, wodurch die gegenwärtigen Güter
sine höhere Bedeutung in der Produktion als die künftigen, die noch
nicht als Hilfsmittel verwendet werden können, haben. Wir vermögen
lie Argumentation nicht zu acceptieren. Der Rentier wünscht vielfach
die Rückzahlung eines sicher angelegten Kapitals gar nicht und bedingt
 sich eventuell aus, daß die Hypothek ihm vor zehn Jahren nicht
zurückgezahlt werden darf, verlangt aber doch und mit Recht einen
Zins. Das Getreide ist bekanntlich bald nach der Ernte billiger als
am Schluß des Erntejahres, und Aehnliches findet sich sehr häufig in
der Volkswirtschaft. Jene Erklärung des Zinses erscheint aber auch
in den zutreffenden Fällen sehr gekünstelt, während sie sich nach Anarkennung
 der Produktivität des Kapitals von selbst ergiebt.
Wenn der Schneider, der bei unserem Beispiele sich eine Nähmaschine
 borgt, damit in der halben Zeit einen Anzug fertig stellt,
als bisher mit der Hand, so ist ein Wertüberschuß thatsächlich vorhanden,
 denn er ist in der Lage, sich für die Herstellung des Anzuges
denselben Preis zahlen zu lassen als bisher, und thatsächlich ist zunächst
 dieser Verdienst höher, als die Abnutzung der Maschine beträgt.
 Wenn nun allmählich die Nähmaschinen allgemeiner zur Anwendung
 gelangen, so wird dieser Ueberschuß durch die Konkurrenz
allmählich mehr und mehr herabgedrückt, und thatsächlich kommt es
vor, daß er schließlich verschwindet, ja unter die Herstellungskosten fällt,
aber dies kann nur vorübergehend sein, denn dann hört die Benutzung
der Maschine auf, wie das eine Zeit lang bei den Maschinen in der Schuhfabrikation
 in Deutschland der Fall war, gegen welche die Handarbeit
aine lange Zeit die Konkurrenz erfolgreich durchführte. Dann hört
patürlich auch entsprechend die Herstellung von solchen Maschinen auf,
denn sie erfolgt nur, wenn sie mit Vorteil, d. h. unter Erzeugung
eines Wertüberschusses bewirkt werden kann, so lange irgend ein Produktionszweig
 existiert, in dem das Kapital einen Ueberschuß erzeugt;
las wird aber in jeder aufblühenden Volkswirtschaft der Fall sein.
Ueberall liegt die Möglichkeit vor, durch Unterstützung der Arbeitskraft
 durch Kapital die Leistung zu erhöhen, sei es in der Landwirtschaft
 durch Meliorationen, Erweiterung oder Verbesserung des Viehstandes
 etc., in der Fabrikation durch Beschaffung besserer Maschinen,
durch Vergrößerung des Betriebes, in dem Handel durch erweiterten
Einkauf im Großen etec., so daß überall eine größere Nachfrage nach
Kapitalien vorliegt, als Vorrat an denselben vorhanden ist. Infolgedessen
 hat der Inhaber von Kapital stets einen Vorzug vor demjenigen,
welchem dasselbe nicht zur Seite steht, und da das Kapital durch die
Uebertragbarkeit in Geld fungiblen Charakter annimmt, und leicht aus
ainer Anlage in eine andere übergehen kann, so zieht es sich dort
zurück, wo es keinen Ueberschuß erlangt, und wendet sich dort hin,
wo ein solcher zu erzielen ist, und findet nur da eine Anwendung,
Im großen Ganzen können daher die Preise der Produkte so hoch gehalten
 werden, daß sie nicht nur die Unkosten decken, d. h. den
Arbeitslohn und den Ersatz für das aufgewendete Kapital, sondern
auch noch einen Ueberschuß liefern, das ist die Kapitalsrente, Die
Hauptursache also ist in der werterzeugenden Kraft des Kapitals zu
sehen, die sowohl in den Maschinen, wie in den Fabrikgebäuden ete.,
auf der anderen Seite in der Nutzbarkeit der Gegenstände liegt wie
in Wohngebäuden ete., welche natürlich in dieser Hinsicht völlige den
            
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