280 Neuntes Buch. vViertes Rapitel.
letzten Zielen nichts anderes gewesen, als die Begründung des
Absolutismus in Sizilien und die halb absolutistische Befestigung
seines Ansehens in Burgund: Mittel zur Stärkung der kaiser—
lichen Gewalt für den großen Plan universaler Herrschaft.
Nun er die drei Reiche in zwar sehr verschiedenartiger Weise
fich unterthan sah, doch so, daß fie ihm die Machtmittel zur
Begründung eines allgemeinen Kaisertums in Abwehr und An—
griff zu gewähren schienen: Italien und Burgund finanziell,
Deutschland militärisch: faßte er zur Krönung seiner Herrschaft
die Unterwerfung der noch seit den zwanziger Jahren nur halb
besiegten Lombarden ins Auge.
Die oberitalischen Städte ahnten schon früh mit der Hell—
sicht des Hasses, was ihnen bevorstand ; schon im Jahre 1231
weigerten sie den deutschen Fürsten, die der Kaiser zum Reichstag
nach Ravenna berufen hatte, die Fahrt über die Alpenpässe;
es war eine Handlung offener Feindschaft. Friedrich beant⸗
wortete sie durch den Erlaß der furchtbaren Ketzergesetze von
Navenna (März 1232); er wußte, daß deren Durchführung vor
aällem die von Ketzereien durchseuchten Lombardenstädte treffen
mußte, ohne daß der Papst im stande war, dem Bürgertum
zu helfen. Dann ging er im Sinne seines Großvaters vor;
er forderte die Regalien zurück, er untersagte den Städtebund.
Das hieß die Entscheidung in der Schärfe des Schwertes suchen.
Die Lombarden rüsteten; Friedrich zog ein furchtbares Heer von
Deutschen und sizilischen Sarazenen zusammen; am 27. November
1287 schlug er die Städte völlig bei Cortenuova; im Jahre 1238
war er Herr der Lombardei bis auf Alessandria, Mailand, Brescia
und Piacenza; längst schon hatte die Organisation der Lombardei
im Sinne des sizilischen Polizeistaates begonnen.
Und alsbald zeigte sich, daß mit der Lombardei Friedrich
auch Herr von Mittelitalien geworden war und sich nicht scheute,
als solcher aufzutreten. Er schob seine Vicare und Capitane
in die Rekuperationen vor; er verlieh seinem natürlichen Sohne
Enzio, dem schönen Jüngling, das stets von der Kurie bean—
spruchte Sardinien.
Mit jedei dieser Schritte wurde das Papsttum getroffen: