Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

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Üarey

Bastiat.

kraft als alleinigen Werterzeuger hinstellten. Hiernach kennt die sozialistische
 Schule nur den Kostenwert und versteht unter Kosten
nicht Geld, sondern Arbeit.
Schon der Amerikaner Carey trat den Ausführungen Ricardo’s
 entgegen, indem er sagte: Nicht die zur Produktion, sondern zur
Reproduktion nötige Arbeit bestimme den Wert. Wie viel Arbeit aufzewendet
 ist, um den Gegenstand anzufertigen, bleibt gleichgültig;
wenn man durch einen Fortschritt, z. B. eine Erfindung, in den Stand
zesetzt wird, sich den Gegenstand mit viel weniger Arbeit neu herzustellen,
 so wird man für ihn nicht mehr geben, als die Neuherstellung
erfordert. ‚Jeder industrielle Fortschritt führt daher unter sonst
zleichen Verhältnissen zu einer Verminderung des Wertes der be-;reffeuden
 Gegenstände. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Auf-'assung
 richtig ist, doch wird sie nur für solche Verhältnisse eine
wesentliche Bedeutung haben, wo der Fortschritt und. die Ermäßigung
ler Herstellungskosten schnell vor sich gehen, während das Ergebnis
on den meisten Fällen mit der Ricardoschen Definition zusammenfallen
wird.
Der Careyschen Auffassung sehr nahe liegt die von Frederic
Bastiat, der den Wert bemißt nach dem durch das Gut ersparten
Dienste. Hat ein Fuhrmann, sagt er, in einem Fasse Trinkwasser
nach der Stadt gefahren, so wird das Wasser nicht nach den Kosten
bewertet, welche dem Fuhrmann daraus entsprangen, sondern der Wert
des Wassers wird in der Stadt so hoch geschätzt werden, und der
Fuhrmann wird den Preis des Wassers so weit über seine eigenen
Kosten zu steigern vermögen, als die Städter ihre Mühe veranschlagen,
um sich das Wasser selbst zu holen, was im allgemeinen höher sein
wird als die Mühe des Fuhrmanns. Auch diese Art der Schätzung
kommt in der Volkswirtschaft gewiß häufig vor, und die Darlegung
trägt zur Erläuterung des volkswirtschaftlichen Vorganges wesentlich
bei, unrichtig ist es aber sicher, überall diese eine Form der Schätzung
als maßgebend anzunehmen. — Auch hier kommt die Seltenheit des
Gutes nicht zur Geltung, so wenig wie bei Marx. Nicht nur bei Edelsteinen,
 Kunstwerken etc, ist sie als entscheidend anzusehen, sondern
vor allem bei dem Grund und Boden, besonders in den Städten, wo
ein Bauplatz, auf den noch gar keine Arbeit verwendet ist, doch thatsächlich
 bei starker Bevölkerung einen hohen Wert haben kann. Da
wir es hier aber zunächst allein mit der Klärung der volkswirtschaftlichen
 Thatsachen zu thun haben, so ist die Ricardo-Marxsche
Auffassung schon auf Grund dieser Thatsachen als falsch zu bezeichnen.
In der Volkswirtschaft ist nur bei verhältnismäßig wenig Gütern
die Neubeschaffung in jedem Augenblicke leicht erreichbar. Vielmehr
haben wir es ganz allgemein mit Seltenheitsmomenten zu thun. Kohle,
Kupfer, Eisen, Getreide schwanken im Preise von einem Jahre zum
anderen, auch wenn die Herstellungskosten dieselben geblieben waren.
Jeder Produzent, der sich einen besonderen Ruf in einem weiten Kundenkreise
 erworben hat, — sei es durch die absolute Zuverlässigkeit in seinen
Lieferungen, z. B. von einem Handelsgärtner, daß er nur keimfähigen
Samen liefert, oder indem sich das Fabrikat durch besondere Güte auszeichnet,
 z. B. Mähmaschinen, Fahrräder in bestimmten Maschinenbauanstalten,
 — ist in der Lage, höhere Preise für seine Ware zu nehmen,
als seine Konkurrenten, höhere, als seinen Produktionskosten entspricht.
Seine Waren erlangen einen Seltenheitswert. Auch der Kaufmann, der
            
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