Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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Hilfe einer Nähmaschine das Doppelte an Näharbeit fertig bringt als 
bisher ohne diese, schreibt vielleicht das Verdienst sich selbst zu, wie 
Rodbertus es ihm allein vindiziert, während es wohl richtiger ist, anzu- 
erkennen, daß die Mehrleistung der Maschine zu verdanken ist, wenn 
auch die Thätigkeit des Schneiders eine andere geworden ist. Man 
wird dadurch den Einfluß des Kapitals in der Volkswirtschaft richtiger 
zur Darstellung bringen und sich von extremer und einseitiger Ueber- 
schätzung der Arbeit ferne halten, der die beiden Autoren verfallen 
3ind. Daß aber der Arbeitsaufwand allein nicht, wie jene behaupten, 
den Wert in unserer Volkswirtschaft bestimmt, suchten wir oben in $ 6 
nachzuweisen, Daß ferner das Kapital mehr Werte erzeugt, als es 
sei der Produktion einbüßt, wird später bei Erörterung des Kapital- 
zinses nachzuweisen sein. 
Die Produktion tritt bekanntlich in drei Gewerbskategorien auf: 
L. den Gewerben der Rohproduktion (Land-, Forstwirtschaft und Berg- 
bau); 2. den Stoff veredelnden Gewerben (Handwerk und Fabrikbetrieb, 
d. 1. industrieller Thätigkeit); 3. den Gewerben des Handels und Verkehrs. 
Alle drei stehen auf dem gleichen Boden und haben dieselbe Aufgabe 
der Werterzeugung. Es besteht zwischen ihnen wirtschaftlich kein 
prinzipieller Unterschied, wie es in früheren Zeiten angenommen wurde, 
Auch der Handel übernimmt einen Teil der Produktion, er ist ihr 
nicht gegenüberzustellen, wie man das früher gethan hat, sondern er 
ist als die Fortsetzung der produktiven Thätigkeit der Landwirtschaft 
and der Industrie anzusehen. 
Physio- Die Physiokraten in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nahmen 
Era feohe an, daß nur die Landwirtschaft den Volkswohlstand zu erhöhen ver- 
HSCMMUNS- möge, Sie erkannten wohl, daß auch das Handwerk Werte erzeuge, 
aber sie meinten, daß es nur soviel Werterhöhung bewirke, als bei 
der Arbeit an Rohmaterial, menschlicher Nahrung u. s. w. verbraucht 
werde, während in der Landwirtschaft die Natur in besonderer Weise 
Werte schaffe und einen Ueberschuß über die bei der Produktion ver- 
brauchten Werte liefere. Ein solcher Unterschied existiert thatsäch- 
lich nicht. Auch in der Industrie sind überall die Naturkräfte mit 
thätig, gleichviel ob der Schmied mit Hilfe des Kohlenfeuers das Kisen 
weich und bearbeitungsfähig macht, oder in der chemischen Industrie 
aus der Steinkohle Anilinfarben hergestellt werden, und in den großen 
Fabriken die Dampfkraft Alles in Bewegung setzt. Auch der Land- 
wirt wandelt nur die vorhandenen Stoffe um, die er in der Erde findet 
oder ihr durch Dünger einverleibt, wenn er durch die Saat eine Ernte 
erzielen will, oder das Futter durch die Kuh in Milch und Fleisch um- 
wandelt u. s. w., wie der Industrielle, der aus dem Steinkohlenteer 
die einzelnen Stoffe extrahiert und sie für die Zwecke der Färberei 
and Parfümerie durch chemische Umwandlung brauchbar macht. Bei 
jedem Produktionsprozesse aber ist die Voraussetzung, daß ein Ueber- 
schuß aus den verbrauchten Werten erzielt wird, und überall kann 
Jieser Ueberschuß über den Aufwand hinausgehen und damit zur Er- 
nöhung des Volkswohlstandes dienen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß 
lieses in der Industrie im allgemeinen in höherem Maße geschieht als 
in der Landwirtschaft. 
In der gleichen Weise erhöht der Handel den Wert der Gegen- 
stände, wenn er sie auch unverändert läßt. Das Gewerbe des Ver- 
kehrs bringt die erzeugten Gegenstände, z. B. die Kohlen, das Getreide 
ron dem Produktionsorte, wo sie im Ueherflusse vorhanden sind und 
(jewerbe.
	        
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