Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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Fall durch Erfindung und Entdeckung. Allein durch die Erkenntnis 
von neuen Eigenschaften in den Gegenständen, durch welche sie für 
den Menschen eine besondere Brauchbarkeit erhalten, gewinnen sie an 
Wert. Als man in dem Harz der Gummibäume die eigentümliche 
Elastizität entdeckte, die es jetzt in der Industrie so hoch bedeutsam 
macht. erlangten jene Bäume plötzlich eine bisher nicht geahnte wirt- 
schaftliche Bedeutung. Durch die Feststellung der Düngerkraft der 
Phosphorite wurden plötzlich Steinarten wertvoll, die man bis dahin 
nicht beachtet hatte. In der Aenderung des menschlichen Urteils liegt 
also gleichfalls eine produktive Kraft des Menschen. 
8 12. 
Das Wesen der Konsumtion. 
Lexis, in Schönbergs Handbuch, 4. Aufl, Bd. I, 1, S. 789. 
Patten, The consumption of wealth. Philadelphia 1889 
Der Wertentstehung steht die Wertvernichtung gegenüber, bei 
welcher die gleichen Fälle vorkommen können, nur in umgekehrter 
Weise. Die Natur selbst zerstört fortdauernd Werte durch den Tod, 
z. B. der Pferde eines Fuhrmanns oder Landwirts, wie schon durch 
Krankheit derselben. Ueberall sind Fäulniserreger vorhanden, um die 
Zersetzung organischer Substanzen herbeizuführen, wodurch beständig 
der Volkswirtschaft enorme Verluste bereitet werden. Auch die mine- 
ralischen Substanzen sind der Zersetzung unterworfen. Selbst der 
härteste Baustein verfällt dem Verwitterungsprozeß, und der Zahn der 
Zeit vermindert fortdauernd den Wert der Bauwerke aller Art. 
Die Veränderung des menschlichen Urteils spielt gleichfalls 
bei der Wertvernichtung eine erhebliche Rolle. Die Veränderung der 
Mode entwertet alljährlich bei jedem Wechsel der Saison Massen von 
Kleidungsgegenständen aller Art, welche ihre sonstigen Eigenschaften 
nicht verloren haben. Nur allein, weil das Muster, die Farbenzusammen- 
stellung, die Form dem momentanen Geschmack nicht mehr entsprechen, 
müssen die Gegenstände zu Schleuderpreisen abgegeben werden, wo- 
durch oft nicht mehr die Herstellungskosten gedeckt werden. 
Konsumtion. Der Produktion steht die Konsumtion gegenüber. Das ist Wertver- 
aichtung durch den menschlichen Gebrauch, wofür die deutsche Sprache 
den überaus bezeichnenden Ausdruck der Verwertung anwendet. Auch 
hier ist natürlich Stoffvernichtung ausgeschlossen, sondern nur Wert- 
verminderung durch Aenderung der Form, der Zusammensetzung u. 8. w. 
vorhanden, Wie bei der Produktion gewöhnlich Wertvernichtung statt- 
findet, so bei der Konsumtion sehr ausgedehnt Werterzeugung. In 
dem ersteren Falle aber wird ein Ueberschuß an Werten erzielt, in 
dem zweiten Falle liegt ein Defizit vor. Der Landwirt opfert das 
Saatgut, um eine Ernte, das Futter, um tierische Nahrungsmittel zu er- 
zielen. Auch das Luxuspferd liefert Dünger. Bei dem Verbrauche 
der Kleidungsstücke bleiben Lumpen für die Papierfabrikation zurück, 
Die Knochen als Rückstände der Speisen werden sorgsam gesammelt, 
am in verschiedenen Fabrikationszweigen Verwendung zu finden. Die 
Korke der ausgetrunkenen Flaschen werden zu Linoleum verarbeitet ete. 
Es ist ein wesentlicher Fortschritt unserer Zeit, daß man mit beson- 
derer Sorgfalt die Abfälle aller Art zu sammeln trachtet und sie in der 
Volkswirtschaft nutzbar macht.
	        
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