Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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absetzt, oder die Frauen der ländlichen Arbeiter um London herum 
Wäsche nähen, Stroh flechten ete., anstatt mit auf dem Felde thätig 
Zu sein. 
_ Differen- Auch in der Tierwelt sind die primitivsten Entwickelungsstadien 
Se nung Inder nur durch wenige Arten gekennzeichnet. Mit der größeren Vervoll- 
*"” kommnung zerlegen sie sich in eine immer größere Zahl von Unter- 
arten, die sich durch die abweichende Ausbildung einzelner Eigentüm- 
lichkeiten ergeben. Die tieferstehenden organischen Wesen verwerten 
dieselben Organe für die verschiedensten Funktionen. Zunächst sind 
sie kaum etwas anderes als ein großer Magensack, während auf höherer 
Stufe sich neben dem Magen Leber, Niere, Milz etc. an der Assimi- 
lierung der Stoffe beteiligen, und sich für die verschiedensten Funktionen 
eine größere Zahl von Sinnesorganen schließlich feinster Art heraus- 
bilden. 
Ganz ähnlich sehen wir mit Hinzuziehung des Kapitals, der An- 
wendung von Maschinen und der Entwickelung des Großbetriebes 
innerhalb der einzelnen Gewerbsarten sich eine immer größere Diffe- 
venzierung der Gewerbe herausbilden, als natürlicher Entwickelungs- 
zang infolge der größeren Vervollkommnung des Betriebes selbst. 
Während noch vor 50 Jahren eine Maschinenbauanstalt in Deutsch- 
and die verschiedenartigsten Maschinen anfertigte; je nach Bedarf, 
Dampfmaschinen, landwirtschaftliche Maschinen und solche fürs Haus, 
selbst Nähmaschinen, giebt es jetzt großartige Fabriken, die sich nur mit 
ler Herstellung von Dampfmaschinen beschäftigen, andere, die nur land- 
wirtschaftliche Maschinen herstellen, endlich solche, die sich hauptsäch- 
lich auf die Herstellung von Pflügen oder Mähmaschinen, Drillmaschinen 
beschränken. In England und den Vereinigten Staaten von 
Nord-Amerika ist die Arbeitsteilung noch weiter ausgeführt, indem 
gewisse Fabriken sich nur mit der Herstellung einzelner Maschinen- 
teile für Nähmaschinen, Uhren, z. B. Uhrgehäuse, begnügen. Die 
Spezialisierung in anderer Weise läßt sich bei den Juwelierarbeiten, 
z. B. in Pforzheim, Offenbach verfolgen, wo besondere Fabriken zu 
Önden sind, die nur Ringe herstellen, andere die sich auf Broschen 
and Armspangen konzentrieren, wieder andere, die goldene Ketten an- 
fertigen. Silberarbeiter haben sich mitunter völlig von Goldarbeitern 
geschieden. Es giebt besondere Fabriken, um gewöhnliches Silber- 
gerät, wie Löffel, Messer und Gabeln anzufertigen, wiederum andere, 
in denen Kannen, Töpfe etc. gefertigt werden. Die ursprünglichen 
Glasfabriken, in denen alle Arten der Gläser hergestellt wurden, zer- 
fallen jetzt in eine große Zahl gesonderter Fabriken, die sich sogar in 
England in verschiedenen Städten besonders gruppiert haben. In 
St. Hellens überwiegen die Flaschenfabriken, in Glasgow werden haupt- 
sächlich die großen Spiegel und sonstigen großen Glasscheiben herge- 
stellt und geschliffen, in Birmingham in einer ganzen Anzahl von 
Fabriken Glasgeräte für die Tafel, in anderen fertigt man nur Glas- 
zehänge für Kronleuchter u. s, w. an. Die feine Glasschleiferei hat 
viederum in bestimmten Fabriken eine besondere Ausbildung erfahren. 
Arbeitstei- Innerhalb der einzelnen gewerblichen Betriebe tritt die Arbeits- 
‚ung in den teilung nun in einer ganz anderen Form auf, indem sich teils besondere 
nn Be- Abteilungen herausbilden, in denen einzelne Teile des zu produzierenden 
Be Gegenstandes angefertigt werden, oder dieselben verschiedene Stadien 
der Bearbeitung durchmachen, indem die Arbeit selbst in verschie- 
Jene Thätigkeiten zerlegt ist, die sich gegenseitig ergänzen. In einer
	        
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