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dann zum Stillstand gelangt, so gleichen sich im Laufe der Zeit die
Verhältnisse wieder aus und die Wirtschaftsverhältnisse gehen in
cuhigem Geleise weiter.
Kine Verteuerung des Geldes oder, was dasselbe ist, eine allge-
meine Preisreduktion hat naturgemäß die entgegengesetzte Wirkung.
Es leidet darunter der selbst wirtschaftende Landwirt, der Pächter wie der
Grundbesitzer. Sie haben die gleiche Pacht zu geben, resp. die gleiche
Verzinsung der Hypotheken zu bewirken, dieselben Löhne zu zahlen,
während sie für ihre Produkte geringere Einnahmen haben. Es ist die
Zeit der wirtschaftlichen Depression, die den Landwirt am härtesten
trifft, wie das seit Mitte der siebziger Jahre in ganz Europa zu be-
obachten ist. Kine große Zahl der Landwirte ist nicht imstande, ihren
Verpflichtungen nachzukommen, sie verfallen der Subhastation, der
Grundwert geht zurück, worunter auch die Hypothekengläubiger leiden
können. Auch in Handel und Industrie erschlafft der Unternehmungs-
geist, denn Niemand wagt aus Furcht vor dem weiteren Sinken der
Preise, Ware auf Vorrat zu kaufen und auf Vorrat zu arbeiten. Jeder
muß sich dabei mit einem geringeren Verdienst begnügen, alle Ge-
schäfte haben einen schleppenden Gang. Die ganze Volkswirtschaft
befindet sich in gedrückter Lage. Dagegen hat der Rentier und der
Beamte einen Vorteil davon. Die feststehenden Einnahmen ermög-
lichen ihm ein besseres Leben, Auch der Arbeiterstand kann zunächst
dabei gewinnen. Doch liegt für viele die Gefahr vor, daß bei dem
Rückgang der Geschäfte, bei ausgebrochenen Bankrotten viele Arbeiter
beschäftigungslos werden und dadurch in Not geraten. Eine Erhöhung
des Geldwertes wird deshalb im allgemeinen der Entwickelung der
wirtschaftlichen Kultur nicht günstig sein.
Nachdrücklich ist aber zu betonen, daß nur die Veränderungen
im Geldwerte die erwähnte Wirkung haben, während ein Stillstand des
Geldwertes allmählich eine Ausgleichung zur Folge hat und es dann
ganz gleichgültig ist, ob die Preise hoch oder niedrig sind; es ist das
aur ein rein rechnerischer Unterschied, aber kein wirtschaftlicher.
Haben sich die Löhne den veränderten Preisen erst angepaßt, hat jeder
eine klare Uebersicht über die zu erwartenden Einnahmen, so wird das
ganze wirtschaftliche Leben sich danach eingerichtet haben. Und ob
jetzt mit Thalern bezahlt wird, was früher nur Mark kostete, ist dabei
ganz gleichgültig. Davon ging, wie wir sahen, auch John Stuart
Mill aus, als er sagte, eine Verdoppelung des Geldvorrates würde
keine andere Wirkung haben als eine Verdoppelung aller Preise und
Löhne, er übersah nur, daß dies sich erst durch eine wirtschaftliche
Revolution vollziehen kann, weil, wie oben angeführt, die Nachfrage
nach den verschiedenen Gegenständen sich sehr ungleich gestalten
würde, mit allen sich daraus ergebenden Folgen.
$ 30.
Die Geschichte der Wertschwankungen der Edelmetalle.
Helferich, Ueber die periodischen Schwankungen der Werte der edlen Me-
;alle. Nürnberg 1843.
Ders., Die Geldentwertung im 16. u. 17. Jahrh, Z. f. Staatsw., Bd. XIV.
Die historische Entwickelung des Geldwertes Jäßt sich nicht mit
Genauigkeit verfolgen, wie oben festgestellt wurde. Die Schwankungen
sind indessen so bedeutend in den verschiedenen großen Perioden der
Folgen einer
Verteuerung
des Geldes.
Altertum.