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Die neueste Seit 1875 ist nun allgemein das Preisniveau im Engrosverkehre
Zeit. mehr und mehr herabgedrückt, mit anderen Worten, der Geldwert ist
gestiegen, und zwar in einem erheblichen Maße, so daß die Einwirkung
auf die ganze Volkswirtschaft eine bedeutende war. Die Unter-
suchung für eine Anzahl Waren in England ergab das Preisverhältnis
des Durchschnittes von 1867—77 gegenüber 1894—98: 100 zu 62;
nach den Hamburger Preisen von 1847—67 zu 1896—1900 wie 100 zu
etwa 80.
Ursachen der Worauf ist diese Veränderung des Geldwertes zurückzuführen ?
neuesten Zunächst war man der Ansicht, daß es sich um eine Verteuerung des
Geldverteue- Go]des handele. Und diese Auffassung hätte nach der Statistik zu-
“- nächst außerordentlich Vieles für sich, denn es ergab sich, daß gerade
in jener Zeit die jährliche Produktion an Gold nicht wie bisher zu-,
sondern abgenommen hatte. Von 1851—80 wurde dieselbe auf
187000 Kilo pro Jahr veranschlagt. Von 1881—90 auf nur 156 000,
während in derselben Zeit der Verbrauch für die Münze und für
industrielle Zwecke fortdauernd gestiegen war. Da zu gleicher Zeit
sich in den Banken Europas, namentlich in England und Deutschland,
ein Goldmangel herausstellte, der in häufigem Steigen des Diskonts
zum Ausdruck kam, durch den die Banken ihren Geldvorrat zu ver-
teidigen suchten, so lag die Schlußfolgerung nahe, daß eine allgemeine
Goldknappheit infolge der geringeren Produktion vorlag, die zu
einer Verteuerung des Goldes geführt habe, Freilich konnte dem
gegenüber sofort eingewendet werden, daß die erwähnte Preisstatistik
sich fast nur auf Rohmaterial und Engrospreise bezog, während die
Detailpreise nicht in dem gleichen Maße zurückgegangen waren, ja die
Löhne sogar in der gleichen Zeit einen nicht unerheblichen Aufschwung
genommen. hatten.
Die ganze Annahme ist aber durch die Erscheinung der späteren
Jahre nachdrücklichst widerlegt, weil seit jener Zeit die Goldproduktion
einen enornren Aufschwung genommen hat. Schon von 1891—-95 war
die Produktion auf circa 230000 Kilo gestiegen und erreichte bis 1898
eine Höhe von 430000 Kilo. Sie hatte sich also seit den achtziger
Jahren mehr als verdoppelt. Gleichwohl ist bis 1898 eine Steigerung
des Preisniveaus in kaum merkbarer Weise zu Tage getreten. Wenn
aber ein Anwachsen der Produktion in wenig Jahren um 200 000 Kilo
Gold in solcher Weise spurlos an dem Geldwerte vorüberging, während
in dieser kurzen Zeit erhebliche Veränderungen in der Nachfrage nach Gold
nicht eingetreten sein können, so liegt der Beweis vor, daß man über-
haupt den Einfluß der Edelmetallproduktion auf denselben überschätzt
hat, und ganz unmöglich der unbedeutende Rückgang der Produktion
um 30000 Kilo in den 80er Jahren einen so tiefgreifenden Einfluß
auf die Preisverhältnisse gehabt haben kann. Die Ursache ist vielmehr
nicht bei dem Gelde, sondern bei den Waren zu suchen, deren Pro-
duktionsverhältnisse seit Mitte der 70er Jahre durchgreifende Ver-
änderungen erfahren haben. Dieselben sind in folgenden Momenten zu
suchen.
Neuere Ver- In allen Ländern ist in dieser Zeit außerordentlich viel für die
‚Änderungen Verbesserung der Kommunikationsmittel geschehen. Das Kisenbahn-
U netz ist sowohl in Europa, wie in anderen Erdteilen in erheblichem
dingungen d. Maße ausgedehnt, und dadurch die Fracht verbilligt, die Produktion
Waren. erleichtert. Insbesondere konnten in den überseeischen Ländern die
Produkte billiger nach den Häfen gebracht werden, die dadurch erst