Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Oesterreich, 
Entail. 
im ganzen 1975 Besitzteile, welche fast sämtlich ein Areal von mehr 
als 100 ha benutzter Fläche umfassen. Im ganzen giebt es nun auf 
unserem Territorium 17896 Betriebe mit mehr als 100 ha, von denen 
also die ersteren 11%, ausmachen. 
Die Bedeutung der Fideikommisse für die Latifundienbildung 
ergiebt sich daraus, dass 90 %, derselben mehr als 1900 ha umfassen, 
10%, der Fideikommissbesitzer vereinigten mehr als 5000 ha in ihren 
Händen und 53,3%, der gebundenen Fläche. Von 148 Besitzern, die 
in den östlichen Provinzen Preussens mehr als 5000 ha besassen, waren 
65 Fideikommissbesitzer. Von 44 Besitzern mit mehr als 10,000 ha 
waren 24 Fideikommissbesitzer. 
Nach der offiziellen Statistik befanden sich 1895 die 1045 Fidei- 
kommisse in den Händen von 939 Inhabern, so dass einzelne mehrere 
Fideikommisse besitzen. Unter den Fideikommissbesitzern befinden sich: 
23 Inh. a. regierenden Häusern mit . . . 204,077 ha 
41 „ » deutschen standesherrl. Häusernm. 326,844 ‚ 
20 „ „ sonst. fürstl. Häusern m. . . . 229,761 , 
240 „ » gräflichen Häusern m. . . . . 733,866 „ 
525 „ » dem sonstigen Adel m... . . . 589,043 ‚, 
90 „ » bürgerlichen Familien m. .. . 34821 
Wir glauben nach eingehender Untersuchung den Besitz des Adels 
auf 5,770,016 ha annehmen zu können, wovon landwirtschaftliche 
Kulturfläche 3,452,161 ha und 1,886,064 ha Wald. Nehmen wir diese 
Zahlen als richtig an, so läge davon in Fideikommissen 24,2 % der 
Gesamtfläche (1,394,819 ha), 18,9 %, der Aecker und Wiesen (655,164 ha), 
33,8 9% des Waldes (623,840 ha). 
Vor dem 19. Jahrhundert gab es in den sieben östlichen Provinzen 
Preussens bereits 153 Fideikommisse mit 568,421 ha, das ist fast ein 
Drittel des gegenwärtigen Umfanges, In den ersten 50 Jahren des 
letzten Jahrhunderts wurden 72 neu gegründet mit 263,966 ha, von 
L851—80 kamen hinzu 187 mit 395,573 ha. Von 1881—90 traten 
hinzu: 87 mit 110,290 ha; von 1891—95: 46 mit 102,225 ha; von 
L896-—99: 56 mit 63,172 ha. 
In Oesterreich-Cisleithanien giebt es 292 Fideikommisse 
an Grund und Boden mit 880 Gütern und 1,140,193 ha: 4,1 %, der 
Gesamtfläche, 2,16 %, der landwirtschaftlichen Fläche, 8,6 %, des 
Waldes. Am bedeutendsten ist die Ausdehnung derselben in Böhmen, 
mit 579,220 ha, in Mähren mit 177,539 ha. 
Eine etwas freiere Gestaltung als die betrachteten Fideikommisse 
hat das englische Entail schon bis zur neueren Umgestaltung gehabt 
und dann noch mehr gewonnen. Vorauszuschicken ist, dass nach der 
englischen Erbgesetzgebung im Intestaterbfalle das ganze unbewegliche 
Vermögen und zwar unverschuldet so weit thunlich dem ältesten Sohne 
zufällt, und das vorhandene bewegliche Vermögen erst zur Deckung 
etwaiger hypothekarischer Schulden verwendet werden muss, dann nach 
Abzug des Anteils der Witwe unter die Erben gleichmässig geteilt 
wird, so dass also der älteste Sohn nochmals einen Anteil beanspruchen 
kann. Dadurch ist also überhaupt durch die Gesetzgebung das weit- 
gehendste Anerbenrecht ausgesprochen. Dagegen steht dem Besitzer 
das freie Verfügungsrecht ohne die Beschränkung eines Pflichtteils zu. 
Auf diesem Boden und vielleicht gerade wegen des Mangels eines Pflieht-
	        
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