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sprechend selbst zu bezahlen, d. h. zu kaufen, um es dann bei passender
Gelegenheit zu möglichst hohen Preisen wieder zu verkaufen. Damit sind
diese Genossenschaften einfache Handelsgesellschaften geworden, die einen
yanz anderen Charakter haben, als ursprünglich beabsichtigt war, weil sie zu
einer selbständigen Spekulation genöti gt sind. Mit dem Getreidehandel ist
aber ein sehr erhebliches‘ Risiko zerknüpft. Es liegt deshalb die Gefahr
vor, dass die Landwirte dabei erhebliche Verluste erleiden. Das Ge-
deihen derselben hängt ganz davon ab, ob es gelingt wirklich tüchtige
Kaufleute an die Spitze zu stellen. Mehrere derartige Unternehmungen
haben sich bereits zu einer Erweiterung ihrer Geschäftsthätigkeit auf
andere landwirtschaftliche Produkte, die nicht von Mitgliedern produ-
ziert werden, veranlasst gesehen, was zu erheblichen Bedenken Anlass
yegehen hat, da dieser Handels- und Spekulationsbetrieb‘ mit Staats-
unterstützung geschieht. Und so wenig sich gegen ein derartiges
rein privatwirtschaftliches Vorgehen einwenden lässt, so unthunlich er-
scheint es Staatsmittel zu Spekulationszwecken zu benutzen und den
Privatunternehmern dadurch aussergewöhnliche Konkurrenz zu machen.
Es wird deshalb die weitere Entwicklung dieser Genossenschaften, die
sich bisher leidlich günstig vollzog, abgewartet werden müssen, bevor
man ein abschliessendes Urteil darüber gewinnen kann.
Um den Unzuträglichkeiten des bisherigen Viehhandels, nament-
lich einer Ringbildung der Zwischenhändler entgegen zu treten, ist
1899 eine Viehverkaufsgenossenschaft für Deutschland in Berlin
aingerichtet, welche alle Zweige des Viehhandels zu betreiben sucht
Ausserdem existieren eine Anzahl Spezialgenossenschaften für die Ver-
wertung einzelner Viehgattungen z. B. von Zuchtvieh, Mastvieh oder
Zugtieren. In der gleichen Weise haben sich in einzelnen Gegenden
Organisationen zur gemeinsamen Verwertung von Butter gebildet z. B.
die Zentralverwertungsgenossenschaft der Molkereigenossenschaften in
Ost- und Westpreussen, auch in anderen preussischen Provinzen, ferner in
Oldenburg, Niederbayern. 1898 ist von den preussischen Landwirtschafts-
kammern eine Zentralstelle für Viehverwertung errichtet, welche die
folgenden Aufgaben hat: 1. Die Organisation von Einrichtungen der
Selbsthülfe auf dem Gebiete des einheimischen Viehhandels, 2. Die Be-
obachtung und Kontrolle aller Vorgänge hinsichtlich des in- und aus-
ländischen Vich- und Fleischhandels. °
Schliesslich sind noch Versicherungsvereine, namentlich die
sogenannten Kuhkassen zu erwähnen, welche den Zweck haben, den
kleinen Mann bei Viehsterben an gewöhnlichen Krankheiten oder durch
Unfälle zu entschädigen, und eine unendliche Wohlthat sein können. Denn
die grossen Viehversicherungsgesellschaften können wohl gegen Seuchen
ınd gewisse leicht erkennbare Unfälle die Versicherung übernehmen
ınd ausreichende Kontrolle durchführen, nicht aber gegen die gewöhn-
lichen Krankheiten ete., da sie nicht festzustellen vermögen, wie weit
Jen Viehbesitzer hierbei eine Schuld trifft, und daher Unredlichkeit
unterstützt, Prozesse in grosser Zahl angeregt werden, während in kleinen
Vereinen die Ueberwachung ohne grosse Kosten und Schwierigkeiten
durch die Nachbaren selbst ausreichend erzielt werden kann.
Alle diese erwähnten Genossenschaften haben eine so hohe Be-
deutung für die Entwicklung der ganzen Landwirtschaft und insbe-
Tiehverkaufs-
genossen-
schaften.
Zuhkassen.