Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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sondere für die Hebung des Bauernstandes, dass es vollständig gerecht- 
fertigt ist, wenn die Regierung ihrerseits zur Förderung derselben durch 
Anregung und Geldunterstützung eintritt. Das ist in Preussen nach 
Gesetz vom 31. Juli 1895 durch die Bildung der schon oben erwähnten 
Central-Genossenschaftskasse mit Staatsunterstützung geschehen, welche 
die Gründung von landwirtschaftlichen Genossenschaften durch billige 
Darlehen fördern soll. 
Landw. Verein, Eng an das Genossenschaftswesen schliesst sich das landwirt- 
schaftliche Vereinswesen, welches meist nur einen losen Zu- 
sammenhang hat und breitere Ziele verfolgt, Diese Vereine haben 
meistens nur gesellige Bestrebungen, um durch Vorträge und Diskus- 
sionen zur Belehrung der Mitglieder beizutragen, aber viele von 
ihnen sind in ihrer "Thätigkeit weit darüber hinausgegangen und haben 
sich auch höhere wirtschaftliche Aufgaben gestellt; besonders, wenn 
sich die Ortsvereine, wie das namentlich in Preussen meistens ge- 
schehen ist, zu Zentralvereinen für einzelne Provinzen oder Länder 
vereinigt haben, die dann mit grösseren Mitteln operieren, an deren 
Spitze intelligente Lente stehen und die dadurch einen grossen Einfluss 
auf die Landwirtschaft auszuüben vermochten. So ist es bezeichnend, 
dass von den 24 Versuchsstationen, welche in Preussen bestehen, 21 
Jurch landwirtschaftliche Vereine ins Leben gerufen sind, welche fort- 
dauernd von diesen unterstützt werden, sowohl durch Geldmittel, wie 
durch ergänzende praktische Versuche im Grossen. 
Die preussischen Zentralvereine haben ferner eine grosse Wirk- 
samkeit in der Ausbildung des Wanderlehrerwesens, der Bildung von 
Genossenschaften und dergleichen mehr entfaltet. Im Jahre 1872 
aaben sich die Zentralvereine Deutschlands eine Spitze in dem deut- 
schen Landwirtschaftsrat geschaffen, welcher in Berlin seinen 
Sitz hat, alljährlich eine Versammlung von Delegierten aller Zentral- 
stellen beruft, darin die Tagesfragen behandelt, in Resolutionen seine 
Wünsche zum Ausdruck bringt und in seinen Publikationen ein wert- 
volles, belehrendes Material bietet. In Preussen wurde 1842 das 
königliche Landesökonomieckollegium gegründet, welches eine 
Zentralstelle für die preussischen Zentralvereine sein sollte und eine 
offizielle beratende Instanz für Landwirtschaftssachen zu bilden be- 
stimmt war. Durch Bestimmungen von 1878 und 1899 ist cine Neu- 
organisation herbeigeführt. Der Landwirtschaftsminister ernennt neun 
Mitglieder, früher die Zentralvereine, jetzt die Landwirtschaftskammern sind 
durch je 1—2 Delegierte vertreten. Auch dieses Kollegium hat ein eigenes 
Organ. Bis zur Gründung der Landwirtschaftskammern zählte Preussen 
23 Zentralvereine, 2348 Vereine mit über 200000 Mitgliedern, In 
ganz ähnlicher Weise hat sich eine landwirtschaftliche Vertretung auch 
in den anderen deutschen Staaten gebildet. Ueber diese Vereinignngen 
hinaus wünschte man aber für ganz Deutschland einen zentralisierten 
Verband, der sich 1863 als Wanderversammlung deutscher Land- und 
Deutsch. Land-Forstwirte konstituirte, aber Anfang der siebziger Jahre einging. 1886 
wirtschaftsge- jst dann die deutsche Landwirtschaftsgesellschaft nach einem 
sellschaft. englischen Vorbilde gegründet, welche besonders das Ausstellungswesen 
Landwirt- Mit grossem Krfolg in die Hand genommen hat. | 
schafts- : In Preussen sind 1894 an Stelle der Provinzialvereine Land- 
kammern. wirtschaftskammern eingerichtet, welche fortan offiziell die Ge-
	        
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