128 —
samtinteressen der Land- und Forstwirtschaft ihres Bezirks wahrzunehmen
bestimmt sind. Sie sollen insbesondere bei den staatlichen
Behörden Anträge zur Förderung der Landwirtschaft stellen. Dafür
haben sie das Recht, Beiträge von den Landwirten zu erheben und erlangen
dadurch eine feste pekuniäre Fundierung, welche den Vereinen
fehlte.
In Frankreich sind solche den Handelskammern nachgebildete
landwirtschaftliche Behörden schon seit Anfang der fünfziger Jahre in
jedem Departement oder Arrondissement organisiert und haben sich
auch dort bewährt. Sie sind das Vorbild für die preussischen Oryanisationen
gewesen, die wieder, wie es scheint, in den übrigen deutschen
Staaten Nachbildungen finden sollen.
Kapitel V.
Die Forstwirtschaft.
Heyer, Lehrbuch der forstlichen Bodenkunde und Klimatologie. Erlangen
1862,
Otto von Hagen, fortges. von Donner, Die forstlichen Verhältnisse Preussens.
Berlin 1882.
Bernhard, Geschichte des Waldeigentums. Berlin 1884.
Jos. Albert, Lehrbuch der Forstverwaltung. München 1883.
8 27.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wälder.
Die Forstwirtschaft tritt als Ergänzung zur Landwirtschaft bei
der Verwertung des Grund und Bodens ein. Der Betrieb ist bei ihr
ain extensiverer, denn auf dieselbe Fläche wird im Durchschnitt
weniger Arbeit und Kapital verwendet; die Natur bleibt bei ihrem
Schaffen mehr sich selbst überlassen. Der Betrieb ist in der Forstwirtschaft
im allgemeinen nur auf grösseren Flächen rationell durchzuführen.
Die Bewirtschaftung ist eine mehr gleichmässige und einfache,
laher auch die Oberaufsicht leichter durchzuführen, so dass die
Forstwirtschaft sich erfahrungsgemäss für Staat, Gemeinde und Korporationen
eignet, und daher der Forstbesitz sich bei diesen eine
grössere Bedentung bewahrt hat, als der Besitz von landwirtschaftlich
benutzter Fläche. Fast in allen Ländern ist das Forstland von erheblicher
Ausdehnung, und somit auch die wirtschaftliche Bedeutung desselben.
Hat man in früheren Zeiten allgemein die Wälder eingeschränkt,
um mehr Boden für die Landwirtschaft zu erlangen oder
auch in Verkennung der Bedeutung der Forsten und aus Nachlässigkeit
dieselben in extremer Weise devastiert, so hat man in den alten
Kulturländern neuerdings den Forsten eine besondere Aufmerksamkeit
gewidmet und dieselben möglichst zu konservieren gesucht, so dass
zum Beispiel in Deutschland im Laufe des 19. Jahrhunderts die Wald-Jäche
unverändert geblieben sein dürfte. Nur dass man mehr und mehr
der Forstkultur die Flächen entzog, welche in dem landwirtschaftlichen
Betriebe eine höhere Nutzung versprachen, und bisheriges Oedeland,
dann Weideflächen, Bergabhänge der Forstkultur überwiesen wurden,
Die Ausdehnung der Wälder in den verschiedenen Staaten Europas
eroiebt sich aus der folyenden Tabelle.
Forstwirt
schaft.