Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

1383 — 
zewinn zu ersetzen, nicht aber einen etwaigen Monopolgewinn. Sehr 
falsch aber wäre es schon bei einer vorübergehenden Kohlenteuerung 
den Moment der Verstaatlichung gekommen zu sehen, da dieselbe nur 
hervorgerufen ist durch eine vorübergehende besondere Ausdehnung des 
Bedarfs infolge eines exceptionellen industriellen Aufschwungs, mit dem 
die bergmännische Produktion nicht völlig Schritt halten konnte, 
während nach kurzer Zeit eine Verminderung der Nachfrage für indu- 
strielle Zwecke und damit ein Preisrückgang zu erwarten steht. Ge- 
rade die grösste Beweglichkeit des auf Erwerb gehenden Privatbeiriebes 
ermöglicht es in weit höherem Masse, den Bergbau den volkswirt- 
schaftlichen Bedürfnissen anzupassen, als das in der Hand des Staates 
möglich wäre. Erst wenn die Ausdehnung des Betriebes durch die 
Ausbeutung der vorhandenen Lager begrenzt ist, wird dieses Mo- 
ment in Fortfall kommen und die Verstaatlichung sich rechtfertigen 
(asssen. 
Die Regalisierung kann aber noch aus anderen Rücksichten rat- 
sam sein. Ein solcher Fall liegt vor, wenn der Staat bereits ausge- 
dehnten Bergbau selbst betreibt, der für die Staatskasse von hoher Be- 
deutung ist, und eine übermässige Konkurrenz durch zunehmenden, 
privatwirtschaftlichen Abbau die Rentabilität des Betriebes in Frage 
stellt, wie das bei unseren Kaliwerken der Fall gewesen ist. Hier 
war das uben erwähnte Vorgehen einer Anzahl Staaten vollständig ge- 
rechtfertigt, den Salzbergbau sich selbst vorzubehalten, und damit eine 
Ueberfüllung des Weltmarks mit dem Produkte zu verhindern; und es 
war nur zu beklagen, dass das Abgeordnetenhaus den gleichen Schritt 
für Preussen verhinderte. Deutschland besitzt in den Kalilagern ein 
Weltmonopol, das Ausland ist in der Hauptsache bei dem Bezuge von 
Kali auf Deutschland angewiesen. Das begründet einen Vorteil von 
hoher pekuniärer Bedeutung, so dass es wohl gerechtfertigt erscheinen 
kann, denselben entweder den einzelnen Staaten, oder dem Reiche spe- 
ziell zuzuwenden: 
Im deutschen Reiche yiebt es: 
Bergwerke auf Erze 
exkl. Eisenerzen . 191, in denen 48358 Personen beschäftigt sind 
Bergwerke auf Eisen- 
erze . 0.0.0.0. 214 „ x» 20 670 
Bergwerke auf Salz 23 „ » 73760 
Bergwerke auf Stein- 
kohlen . . . . 312 »„ 258380 
BergwerkeaufBraun- 
kohlen . 2... 395  » 26331 
[185 „7 861109
	        
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