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Bedeutung erlangt hat; bei weitem am meisten aber in Deutschland,
wo es von jeher fester organisiert wurde und sich weit länger in der
alten Form, dann in wesentlich verschärfter Einengung erhalten hat,
als in anderen Ländern, Der Einfluss des Zunftwesens ist daher für
das wirtschaftliche und soziale Leben Deutschlands ein weit grösserer
gewesen, als in den anderen Ländern, weshalb begreiflicher Weise die
deutsche Litteratur darüber die grösste Ausdehnung erlangt hat, und
die Tradition in keinem Lande so mächtig bis in die Gegenwart
hinein wirkt, als gerade hier.
Wie aus dem Ursprunge leicht erklärlich ist, hatten die Hand-
werker überall zunächst auch in den Städten nur eine niedere Stellung.
Auch die freien Handwerker gehörten einer unteren Arbeiterklasse an
und standen infolgedessen in einem Gegensatz zu den Patriziern, den
alten Grundbesitzern und Gründern der Städte oder ‚dem eingesessenen
Adel. Diese hatten allein die Herrschaft, d. i. die Stadtverwaltung in
der Hand, und die folgenden Jahrhunderte sind angefülll mit dem
Kampfe beider Klassen um die Herrschaft, Die Zunftorganisation war
das wesentlichste Mittel der Handwerker ihre Macht in diesem Kampfe
zu heben, allmählich Sitz und Stimme in dem Rate der Stadt zu er-
langen und diesen, wie das in Süddeutschland öfters der Fall war,
völlig in die Hand zu bekommen und ihn zu beherrschen.
Die Gründung der Zünfte in den Städten ging zwar, wie wir
sahen, in der Hauptsache von den freien Handwerkern selbständig aus,
und entwickelte sich aus dem Zustande der Gewerbefreiheit, aber sie
konnten sich nicht selbständig konstituieren, sondern die Aufstellung,
oder wenigstens die Genehmigung der Zunftrollen, das sind ihre Sta-
tuten, geschah durch den Rat der Stadt, oder auch, wie wir sahen,
durch den Grundberren; später namentlich unter Verleihung bestimmter
Privilegien durch den Fürsten, Zunächst war sie in Deutschland,
mit oben erwähnten Ausnahmen, eine rein städtische Angelegenheit,
In England dagegen behielten die Könige sich das Konzessionsrecht
selbst vor und hatten deshalb einen viel durchgreifenderen Einfluss
auf die Organisation, dann aber auf die ganze Handhabung der zünft-
lerischen Macht. Eben deshalb haben sie in England niemals so
ausarten können, wie das auf deutschem Boden der Fall gewesen ist.
Auch in Frankreich hat die Staatsgewalt weit früher unmittelbar in
diese Verhältnisse eingegriffen und dadurch die Ausbildung eines Zunft-
zwanges gemindert.
Die Zünfte haben auch im Laufe der Zeit, wenn wir jetzt Deutsch-
land ins Auge fassen, grosse Wandlungen erfahren. Man kann sie
daher nur verstehen, wenn man die historische Entwickelung verfolgt
and sie sich gegenwärtig hält. Die verschiedenen Urteile über die
Zünfte sind eben darauf zurückzuführen, dass ein Jeder ein anderes
Stadium im Auge hat, Die modernen Handwerker, welche sich nach
der Zunftorganisation zurücksehnen, denken dabei an die Blütezeit der
Zünfte Ende des Mittelalters. Alle diejenigen, welche das Zunftwesen
bekämpfen, haben den Zustand im Auge, der hier am Ende des acht-
zehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts vorhanden war.
Bei der historischen Verfolgung haben wir nun verschiedene Phasen
der Entwickelung festzustellen. Zuerst kommt die älteste Zeit in Be-
tracht, welche das zwölfte und dreizehnte Jahrhundert umfasst,