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Der Betrieb des ganzen Handwerks war in der damaligen Zeit
noch ein ausserordentlich einfacher und wenig Veränderungen unter-
worfen. Der Handwerker selbst war in der Hauptsache ein Arbeiter
ohne wesentliches Kapital, der grösste Teil verrichtete seine Thätigkeit
im Hause des Kunden, der ihm das Rohmaterial lieferte, während der
Handwerker nur sein Werkzeug mitbrachte. Es war überwiegend, wie
es Bücher mit Recht bezeichnet, die Zeit des Lohnwerks. Daneben
aber gab es selbstverständlich eine Anzahl Gewerbebetriebe, die schon
damals selbständig im Hause des Handwerkers betrieben wurden, wenn
dazu grössere Kinrichtungen erforderlich waren, wie zum Beispiel eine
Schmiede, Backöfen, wo aber wiederum das Material meist von den
Kunden selbst geliefert wurde. So war das Gewerbe damals im wah-
ren Sinne des Wortes Handwerk gegen Lohn.
z. Phase.
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Die Blütezeit der Zünfte.
H. Hegel, Städte und Gilden. 2 Bde. Leipzig 1891.
Die zweite Phase war die der Blütezeit der deutschen Zünfte
während des 14. und 15, Jahrhunderts, zum Teil noch Anfang des 16.
ınd zwar in West- und Süddeutschland früher als im Osten. Es war
die Zeit, wo sich der Handwerkerstand zu einer ausserordentlichen Höhe
der Leistungsfähigkeit und des Wohlstandes wenigstens in den grösseren
Städten emporgearbeitet hatte; wo die Musterwerke deutschen Gewerbe-
Jeisses geschaffen wurden, die in unserer Zeit in den Gewerbemuseen
zlänzen und noch unerreicht dastehen, und auch die Arbeit für das
Ausland und den grossen Marktverkehr war es, welche dem Hand-
werker hohen Verdienst verschaffte und den Spruch von dem goldenen
Boden des Handwerks zeitigen half. Ein wachsender Teil des Gewerbe-
yetriebes wurde nun in das Haus des Gewerbetreibenden selbst verlegt,
der in grösseren und kleineren eigenen Werkstätten die Arbeit verrich-
tete und hauptsächlich auf Grund von Aufträgen von Kunden arbeitete,
sei es von den umwohnenden Bürgern, sei es von Kaufleuten, welche die
Waare exportieren wollten. Aber es wäre doch verfehlt, anzunehmen,
dass damals nicht auch auf Lager gearbeitet worden wäre. Vielmehr sind
sicher gerade die grösseren und erlesensten kunstgewerblichen Sachen aus
der Initiative .des Meisters selbst erwachsen und haben dann Liebhaber
zefunden, wie ja ebenso der Marktverkehr mit benachbarten Städten eine
gewisse Rolle spielte, indem die Handwerker, wie Schuhmacher, Weber
etc. ihre Waaren auf den Märkten des eigenen Wohnortes oder in an-
deren Städten an bestimmten Markttagen feil hielten, also nicht erst
die Bestellung abgewartet haben. Auf der anderen Seite wurde das
auf Arbeit- oder Stör- gehen, wie wir es oben schilderten, und wie
es in der ersten Phase das Gewöhnliche war, in vielen Handwerks-
branchen bekanntlich bis in die Gegenwart hinein fortgesetzt.
Wie sehr der Wohlstand des Handwerkers sich entwickelt hatte,
geht auch aus den mannigfaltigen Luxusverboten hervor, welche sich
yerade gegen die Gewerbetreibenden richteten und verhindern sollten,
dass sie ihren Wohlstand äusserlich in Kleidung u. s. w. zur Schau
irügen und es dem Adel gleich thäten. Man hat sich dadurch vielfach