1592
England,
Oesterreich
zemacht, indem das Bäcker- und Fleischergewerbe und die Druckerei
konzessionspflichtig wurden, und erstere sich polizeiliche Preistaxen
zefallen lassen mussten, die erst im Jahre 1863 im Fortfall kamen.
Seit Ende des 18, Jahrhunderts hatte also in Frankreich das Gewerbe
im Grossen und Ganzen die Möglichkeit, seine Kräfte frei zu entfalten
and eine selbständige Entwickelung zu gewinnen,
Noch weit früher hat das Zunftwesen seine Bedeutung in Eng-
land verloren. Wir sahen bereits, dass dasselbe dort stets mehr dem
schädlichen Einflusse entzogen und direkt von der Staatsgewalt ab-
aängig gemacht wurde, Sobald die Zeitverhältnisse eine Lockerung
des Zwanges erforderlich erscheinen liessen, wurde denn auch von seiten
des Staates darauf hingewirkt, dass der ausgeartete Zunftzwang sich
in England niemals entwickeln konnte. Schon im 17. Jahrhundert, wo
sich in Deutschland der Zwang verschärfte, verloren die Zünfte in
England den praktischen Einfluss, indem sich immer allgemeiner neben
ihnen freie Gewerbetreibende niederliessen. Und ohne dass die gesetz-
ichen Bestimmungen geändert wurden, ist doch das Zunftwesen in
lem 17. und 18. Jahrhundert in gewerblicher Hinsicht eingeschlafen,
3s blieben in der Hauptsache nur die alten zünftlerischen Hülfskassen,
zesellige Zusammenkünfte, der Usus eines bestimmten Lehrganges u. s. w.
jestehen. Erst durch die Gesetze von 1814 und 1835 sind auch jene
Satzungen aus der Welt geschafft, In Oesterreich suchte Karl VI.
in den dreissiger Jahren des 18. Jahrhunderts durch Erweiterung des
Staatseinflusses den hauptsächlichsten Missbräuchen der Zünfte ent-
zegenzuwirken, und eine grössere Gleichmässigkeit der Bestimmungen
zu erzielen. Maria Theresia, wie Josef II. wirkten in derselben Rich-
tung durch Befreiung einer Anzahl Gewerbe vom Zunftzwange und durch
Milderung der Beschränkungen. Indessen blieb in der Hauptsache bis
zum Jahre 1859 die Zunftverfassung bestehen, wurde dann gemildert,
1883 aber wieder verschärft.
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Die neueste Entwickelungsphase des Gewerbes.
Erfindungen.
Die gewaltigen Erfindungen der neueren Zeit haben eine tief-
zreifende Umgestaltung des gewerblichen Betriebes selbst, dann der
zanzen Volkswirtschaft, durch den Uebergang zur Kredit- und inter-
aationalen Weltwirtschaft herbeigeführt. In England vollzog sich diese
Umwandlung allmählich schon seit Mitte des 18. Jahrhundert, in Frank-
reich seit dem Beginne, in Deutschland und Oesterreich erst seit
der Mitte des letzten Jahrhunderts. Es ist demnach ganz natürlich,
lass sie in Deutschland, welches erst verspätet in die moderne Zeit-
strömung einlenkte und sich energisch bemühte, das Versäumte in
kurzer Zeit nachzuholen, die Einwirkung auf den Gewerbestand und
das ganze soziale Leben weit tiefgreifender war, als in den erstge-
nannten Ländern; dass sich hier Gegensätze bildeten, Härten empfunden
wurden, welche dort auch nicht annähernd in der Schärfe zu Tage traten.
Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, in die Details der
neuen Erfindungen einzutreten, wir können uns vielmehr mit einigen
allgemeinen Andeutungen begnügen, da die Thatsachen allgemein be-
gannt und jedem Gebildeten geläufig sind. Man weiss, wie zuerst die