Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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teilung von einen Verleger im grösseren Stile Bestellungen über- 
nehmen zu können. Vielfach halten die Verleger nur ein grösseres 
Warenlager, sind also ausschliesslich Kaufleute, wie das zum Beispiel 
meistens in Sonneberg in der Spielwarenbranche der Fall ist, während 
häufig Fabrik und Hausindustrie mit einander verbunden sind, z. B. in 
der Wirkwarenbranche in Apolda, Chemnitz u. 8. W., WO ein Teil der Waren in 
der Fabrik mit besonderen grossen und teueren Maschinen und Dampf- 
kraft angefertigt wird, ein anderer Teil dagegen, welcher kömpliziertere 
Handarbeit erfordert, in der Umgegend an Familien abgegeben wird. 
Vielfach wird in der Fabrik ein Teil der Arbeit ausgeführt; haupt- 
sächlich Vorarbeit, während die Ergänzung der Hausindustrie über- 
lassen bleibt, wie das z. B. in der Schuhmacher-, der Konfektions- 
branche ete. der Fall ist. In der Fabrik wird das Leder resp. das 
Tuch mit Maschinen nach dem Muster zerschnitten, die einzelnen 
Teile gehen dann den Heimarbeitern zu, die sie zusammen fügen, um 
entweder das ganze Stück fertig zu stellen, oder auch nur eine teil- 
weise Ausführung zu bewirken. Man findet mitunter auch, dass der- 
selbe Betrieb, bald fabrikmässig, bald in Hausindustrie durchgeführt 
wird. Die Messerschmiede waren in Solingen und Remscheid bis in 
die neuste Zeit hin ausschliesslich Hausindustrielle, während in 
Sheffield die Arbeiter schon seit lange in einer Fabrik vereinigt. 
thätig waren, wenn auch die Manipulation eine handwerksmässige blieb- 
[n der neueren Zeit haben sich auch in Solingen grössere Fabriken auf- 
vethan, welche die bisherigen Heimarbeiter in die Fabriken hinein- 
ziehen. Dasselbe Verfahren bildet sich gegenwärtig in Lüttich heraus, 
wo bis in die achtziger Jahre hinein die Büchsen- und Revolver- 
fabrikation eine rein hausindustrielle war, dann aber auch dem Fabrik- 
betrieb einen Platz einräumen musste. 
Mit den Hausindustriellen sind nicht die selbständigen Heim- 
arbeiter zu verwechseln, welche auf ihre eigene Hand den Vertrieb 
ihrer Waren bewirken. So ist es schon in alter Zeit vorgekommen, 
dass Bauernfrauen den Ueberschuss an gesponnenem Garn, an Lein- 
wand zum Verkauf gestellt und zwar nicht an einen Verleger, sondern 
an das Publikum, wie sie auch ihre Gemüse, Eier, Butter selbst feil- 
bieten. Noch jetzt geschieht dieses von kleinen Leinwebern im Hes- 
sischen, von den kleinen Korbwarenarbeitern in Franken, den Spitzen- 
klöpplerinnen im Erzgebirge, und war früher bei den Solinger Messer- 
schmieden allgemein der Fall. Die Kolportage wird dann einzelnen Mit- 
zliedern der Gemeinde übertragen. Diese Arbeiter unterscheiden sich 
vom Handwerker, indem sie nicht auf Bestellung arbeiten, von Haus- 
industriellen, indem sie nicht für einen bestimmten Verleger sondern 
auf eiyenes Risiko thätig sind. 
8 36. 
Die Wirkung der Betriebsumgestaltung. 
Schriften des Ver. für Sozialpolitik, Bd. 62—71, Leipzig 1894—97. 
1. Die erste bedeutsame Folge der Entwicklung des Gross- und 
Maschinenbetriebes für die ganze Volkswirtschaft bestand nun, wie 
anyedeutet. darin, dass in Massen für die Massen gearbeitet wurde.
	        
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