158 —
Produktion in Die Produktion war nicht nur eine wesentlich ausgedehntere, sondern
Massen für dieguch erheblich billigere. Dadurch wurde auch die untere Klasse der
Massen. Bevölkerung immer mehr in den Stand gesetzt, ihren Konsum auszu-
dehnen und auf Industrieprodukte zu erstrecken, begünstigt durch die
zunehmende Kaufkraft derselben infolge einer allgemeinen Erhöhung des
Lohnes. Dieses gab rückwirkend der Entwicklung des Fabrikwesens
eine neue Anregung und erhebliche Erweiterung. Nicht nur, dass bis-
her von dem Handwerk produzierte Gegenstände nun in grossen
Massen von den Fabriken hergestellt wurden, sondern, und das ist ge-
wöhnlich nicht genügend beachtet, eine Menge Artikel des täglichen
Hausbedarfs, welche bisher im Hause selbst angefertigt wurden, also
nicht das Handwerk beschäftigten, wurden nun unter Ausbildung der
Arbeitsteilung den Gewerben überantwortet, oder bisher von der
unteren Klasse überhaupt nicht gebraucht. Man denke nur an die
Strickwaren. Strümpfe und gestrickte Jacken, Unterjacken ete. wurden
von den einfachen Arbeitern noch vor 50 Jahren so gut wie garnicht
bei uns gebraucht, etwas Stroh oder ein alter Lappen in dem Stiefel
ersetzte die Strümpfe; während sie in den mittleren Klassen von den
weiblichen Familienangehörigen, dann von den Schäfern u. s. w. ge-
strickt, und Jacken aus den verschiedensten Zeugen im Hause selbst
zusammengesezt wurden. Heutigen Tages sind eine grosse Zahl von
Fabriken mit einer Unzahl Maschinen und Arbeitern in Thätigkeit, um
diese Gegenstände so billig herzustellen, dass die Arbeiter den allge-
meinsten Gebrauch davon machen. Dasselbe ist von dicken Wollen-
und Baumwollenzeugen und daraus hergestellten Kleidungsstücken,
namentlich der Männer zu sagen, welche bis dahin aus an Ort und
Stelle gesponnenem und gewebtem Leinen von den Familienangehörigen
hergestellt wurden. Die Vergrösserung des Fabrikbetriebes hat hier
mithin nicht das Handwerk verdrängt, wohl aber die häusliche Arbeit,
Aber weit darüber hinaus ist die Bevölkerung jetzt in einer Weise mit
Bekleidungsgegenständen versorgt, wie in früheren Zeiten auch nicht
annähernd daran gedacht werden konnte. Man muss fortdauernd die
Entwicklung der Lebensansprüche im Auge behalten, welche haupt-
sächlich dem Grossbetriebe Nahrung verschaffte, um nicht die Be-
nachteiligung des Handwerks. wie es so allgemein geschieht, zu über-
schätzen. Man vergegenwärtige sich ferner die Entwicklung der heimischen
Zuckerindustrie. Zucker ist niemals von einem Handwerker hergestellt,
der Konsum war auf die Wohlhabenden beschränkt nnd blieb für die
untere Klasse ein aussergewöhnlicher Luxus, oder er wurde sehr
widerwillig aus der Apotheke bezogen; während heutigen Tages, seit
der Mitte des letzten Jahrhunderts der Verbrauch pro Kopf sich ver-
dreifacht hat und grosse Industrien, die für das In- und Ausland ar-
beiten, aufgetaucht sind,
Verringerung 2, Diese charakterisierte Entwicklung musste natürlich einen tief-
ler häuslichen „„p;fenden Einfluss auf die häusliche Thätigkeit ausüben, welcher ein
Thätigkeit. Pan x «
grosser Teil der bisherigen Aufgaben entzogen war.
Wir haben noch selbst in den fünfziger Jahren des letzten Jahr-
hunderts in der Niederlausitz auf dem Lande zu beobachten Gelegen-
heit gehabt, wie das Spinnen des Leinen, hie und da auch der Wolle,
in den Dörfern die weibliche Jugend im Winter vollauf in Anspruch