Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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yewalt, wie das in Russland, in Baden, vorübergehend in Schlesien auf 
dem Lande geschehen und viel Nutzen gestiftet hat. 
3. Auf Grund der verbesserten Kommunikationsmittel, unterstützt Folgen der 
durch die Massenfabrikation, entwickelte sich, wie erwähnt, immer mehr internationalen 
die internationale Arbeitsteilung. Ein wachsender Prozentsatz des Arbeitsteilung. 
heimischen Bedarfs wird nicht an Ort und Stelle produziert, sondern 
in ganz entlegenen Gegenden, während dagegen ein wachsender "Teil 
der heimischen Produktion für das Ausland bestimmt ist, wodurch die 
Abhängigkeit von den Verhältnissen des Auslandes eine ausserordent- 
lich grosse geworden ist, und damit Schwankungen der Konjunkturen 
herbeigeführt sind, die man in dem Masse in früheren Zeiten nicht 
xannte. Irgend ein Krieg in einem überseeischen Gebiete, welches für 
ans einen Absatzmarkt bildet, macht einen Teil unserer Produkte unver- 
gäuflich und bringt den Betrieb des betreffenden Fabrikationszweiges 
ins Stocken. Freilich haben schon früher Schwankungen der Kauf- 
kraft der heimischen Bevölkerung den Absatz beeinflusst, und das ist 
natürlich noch in der Gegenwart der Fall, wie nach Missernten, während 
ausserdem die Mode oder neue Erfindungen die Produktion unabhängig 
von den Verhältnissen des Auslandes beeinflussen. Aber jenes Moment 
ist wesentlich verschärfend hinzugetreten. Ausserdem ermöglicht es 
der Grossbetrieb mit Maschinen in kürzester Frist eine bedeutende Er- 
weiterung der Produktion herbeizuführen, sobald die Preise günstige 
sind; wodurch dauernd in vielen Industriezweigen die Gefahr einer 
Ueberproduktion vorliegt, weil mit Hülfe der Maschinen in ihnen mehr 
produziert werden kann, als auch im günstigsten Falle konsumiert zt 
werden vermag, wie vor Allem in der Textil- und Maschinen-Branche. 
Die Folgen davon sind die häufigen volkswirtschaftlichen Krisen, welche 
in dem ersten Teile des Grundrisses 88 75 uud 76 ausführlicher behandelt 
sind, auf die aber hier hingewiesen werden musste, weil sie zur Beurtei- 
lung unserer ganzen volkswirtschaftlichen Verhältnisse notwendig im Auge 
behalten werden müssen. Denn die Folgen dieser Schwankungen in den 
Konjunkturen fallen ganz besonders auf die Arbeiterklasse zurück. Bald 
werden von der aufblühenden Industrie Arbeitskräfte von allen Seiten, be- 
sonders vom Lande herangezogen, um nach einiger Zeit zum grossen Teile 
wieder entlassen zu werden, wenn die Konjunkturen ihre Beschäftigung 
nicht mehr lohnend erscheinen lassen, Der entlassene Arbeiter findet 
nur schwer einen Ersatz und gerät in kurzer Zeit mit seiner Familie 
in ernstliche Not, während der Unternehmer durch die Einschränkung 
der Produktion seine Verluste wesentlich zu reduzieren vermag und 
von aufsteigender Konjunktur Ersatz erwarten darf, Gerade diese zeit- 
weise Arbeitslosigkeit bildet einen Hauptgrund der Unzufriedenheit der 
Arbeiterbevölkerung mit unseren ganzen wirtschaftlichen und politischen 
Zuständen, und jeder objektiv Urteilende muss zugestehen, dass es nichts 
Härteres für einen tüchtigen und fleissigen Mann, der gerne arbeiten 
möchte, giebt, als seine Familie hungern zu sehen, weil er keine Ge- 
legenheit findet, seine Arbeitskraft zu verwerten und seinen guten Willen 
zu bethätigen. Hieraus haben sich tiefe Gegensätze zwischen der 
besitzenden und besitzlosen Klasse herausgebildet, die einen Teil 
der später zu erörternden sozialen Frage ausmachen, und eine 
traurige Eigentümlichkeit unserer Zeitverhältnisse sind. Es geht daraus 
zleichfalls hervor, dass der moderne Grossbetrieb Staat und Gesell- 
Konrad. Grundriss d. volit. Oekonomie. 11. Teil. 8, Aufl. 
Krisen.
	        
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