Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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and Bildungszwecke abzugeben. Der Rest wurde nach der Beteiligung 
am Umsatz verteilt. Der Verkehr war und ist noch jetzt nicht auf 
die Mitglieder beschränkt. Allmählig wuchs die Zahl der Mitglieder, die 
schon 1850 die Zahl von 600 erreichte, 1887 auf 11152, 1897 auf 12775. 
Bald wurden in verschiedenen Teilen der Stadt ähnliche Läden 
eröffnet; darauf ging man dazu über, einen Teil der zum Verkauf 
vestellten Waren selbst herzustellen, durch die Errichtung von Bäckereien, 
Fleischereien, Mühlen, Schuhfabriken ete., wodurch der Umsatz enorm 
stieg und auch ein bedeutender Gewinn erzielt wurde: 1897 wurden 
für gegen 6 Millionen Mk. Waren verkauft, und der Gesammtgewinn 
belief sich auf gegen 800 000 Mk. Bemerkenswert ist dabei, dass die 
in den Mühlen und Fabriken etc. beschäftigten Personen ursprünglich 
einen entsprechenden Anteil am Geschäftsgewinn erhielten, und als 
Genossenschaftsmitglieder behandelt wurden. Allmählich aber bildete 
sich auch dort das übliche Unternehmertum mit kapitalistischen Interessen 
bei den Arbeitern heraus,‘ so dass schon in den sechziger Jahren der 
Geschäftsgewinn nur an die Einleger und nach der Einlage verteil! 
wurde, 
Dieses Beispiel ist typisch für die Entwicklung der englischen Gegenwärtige: 
Konsumvereine, die einen kolossalen Umfang gewonnen haben, In Stand der 
Folge der Zusammenschliessung einer Anzahl Vereine zu Zentralvereinen Konsum- 
bilden sie eine wachsende Kapitalmacht mit ausgedehntestem Gross- Verelende. 
betriebe. Man zählt gegenwärtig 1487 Konsumvereine in dem britischen 
Reiche mit anderthalb Millionen Mitgliedern, einem Umsatz von über 
einer Milliarde Mark und 130 Millionen Mark Geschäftsgewinn. Das 
Geschäftsguthaben beläuft sich auf gegen 350 Millionen Mark, der Ver- 
kaufserlös auf 831 Mill. (H. W. B. d. St.) Aus den bedeutenden Ueber- 
schüssen wird nicht nur fortdauerd der Grossbetrieb erweitert, ein eigener 
Dampfschiffverkehr erhalten, werden Fabriken gegründet, sondern es wird 
viel für Bildungszwecke verwendet. Man berechnet einen Aufwand von 
11/, Millionen Mark für gemeinnützige Zwecke. Auch der Rochedaler 
Verein hat eine ganze Anzahl Lesehallen eingerichtet und disponiert 
äber eine grosse Bibliothek. Aber auch Fachschulen in mannigfaltiger 
Art, Vortragskurse etc. sind aus den Mitteln der Konsumvereine ein- 
gerichtet, die damit eine hervorragende soziale Bedeutung gewonnen haben. 
In Frankreich zählt man gegen 1450 Konsumvereine, von 
denen der grösste Teil sich die Aufgabe der Beschaffung von 
Lebensmitteln gestellt hat. Es sind darunter allein 600 Bäckereige- 
nossenschaften. Gerade in den letzten Jahren ist eine erhebliche Zu- 
nahme zu konstatieren, weil die sozialdemokratische Partei ihnen jetzt 
ihr Interesse zugewendet hat. 
In Oesterreich zählt man gegenwärtig 740 Konsumvereine mit 
212000 Mitgliedern, zwei Millionen Gulden Geschäftsguthaben, 34 
Millionen Gulden Verkaufserlös und 2!/, Millionen Gulden Reingewinn. 
In Deutschland haben dieselben, wie erwähnt, erst seit 1850 
festen Fuss gefasst. Sie wurden von Schulze-Delitzsch durchaus auf dem 
Prinzip der Solidarhaft aufgebaut, was auch in England sehr allgemein 
der Fall ist, aber nicht in den übrigen Ländern. Sie acceptierten zugleich 
das Prinzip des ausschliesslichen Verkehrs mit Mitgliedern, welches 
allerdings mitunter durchbrochen wurde, bis durch Gesetz vom 1. Mai 
[889 und Novelle vom 12. August 1896 der Verkauf an Nichtmit- 
Deutschland.
	        
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