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and Bildungszwecke abzugeben. Der Rest wurde nach der Beteiligung
am Umsatz verteilt. Der Verkehr war und ist noch jetzt nicht auf
die Mitglieder beschränkt. Allmählig wuchs die Zahl der Mitglieder, die
schon 1850 die Zahl von 600 erreichte, 1887 auf 11152, 1897 auf 12775.
Bald wurden in verschiedenen Teilen der Stadt ähnliche Läden
eröffnet; darauf ging man dazu über, einen Teil der zum Verkauf
vestellten Waren selbst herzustellen, durch die Errichtung von Bäckereien,
Fleischereien, Mühlen, Schuhfabriken ete., wodurch der Umsatz enorm
stieg und auch ein bedeutender Gewinn erzielt wurde: 1897 wurden
für gegen 6 Millionen Mk. Waren verkauft, und der Gesammtgewinn
belief sich auf gegen 800 000 Mk. Bemerkenswert ist dabei, dass die
in den Mühlen und Fabriken etc. beschäftigten Personen ursprünglich
einen entsprechenden Anteil am Geschäftsgewinn erhielten, und als
Genossenschaftsmitglieder behandelt wurden. Allmählich aber bildete
sich auch dort das übliche Unternehmertum mit kapitalistischen Interessen
bei den Arbeitern heraus,‘ so dass schon in den sechziger Jahren der
Geschäftsgewinn nur an die Einleger und nach der Einlage verteil!
wurde,
Dieses Beispiel ist typisch für die Entwicklung der englischen Gegenwärtige:
Konsumvereine, die einen kolossalen Umfang gewonnen haben, In Stand der
Folge der Zusammenschliessung einer Anzahl Vereine zu Zentralvereinen Konsum-
bilden sie eine wachsende Kapitalmacht mit ausgedehntestem Gross- Verelende.
betriebe. Man zählt gegenwärtig 1487 Konsumvereine in dem britischen
Reiche mit anderthalb Millionen Mitgliedern, einem Umsatz von über
einer Milliarde Mark und 130 Millionen Mark Geschäftsgewinn. Das
Geschäftsguthaben beläuft sich auf gegen 350 Millionen Mark, der Ver-
kaufserlös auf 831 Mill. (H. W. B. d. St.) Aus den bedeutenden Ueber-
schüssen wird nicht nur fortdauerd der Grossbetrieb erweitert, ein eigener
Dampfschiffverkehr erhalten, werden Fabriken gegründet, sondern es wird
viel für Bildungszwecke verwendet. Man berechnet einen Aufwand von
11/, Millionen Mark für gemeinnützige Zwecke. Auch der Rochedaler
Verein hat eine ganze Anzahl Lesehallen eingerichtet und disponiert
äber eine grosse Bibliothek. Aber auch Fachschulen in mannigfaltiger
Art, Vortragskurse etc. sind aus den Mitteln der Konsumvereine ein-
gerichtet, die damit eine hervorragende soziale Bedeutung gewonnen haben.
In Frankreich zählt man gegen 1450 Konsumvereine, von
denen der grösste Teil sich die Aufgabe der Beschaffung von
Lebensmitteln gestellt hat. Es sind darunter allein 600 Bäckereige-
nossenschaften. Gerade in den letzten Jahren ist eine erhebliche Zu-
nahme zu konstatieren, weil die sozialdemokratische Partei ihnen jetzt
ihr Interesse zugewendet hat.
In Oesterreich zählt man gegenwärtig 740 Konsumvereine mit
212000 Mitgliedern, zwei Millionen Gulden Geschäftsguthaben, 34
Millionen Gulden Verkaufserlös und 2!/, Millionen Gulden Reingewinn.
In Deutschland haben dieselben, wie erwähnt, erst seit 1850
festen Fuss gefasst. Sie wurden von Schulze-Delitzsch durchaus auf dem
Prinzip der Solidarhaft aufgebaut, was auch in England sehr allgemein
der Fall ist, aber nicht in den übrigen Ländern. Sie acceptierten zugleich
das Prinzip des ausschliesslichen Verkehrs mit Mitgliedern, welches
allerdings mitunter durchbrochen wurde, bis durch Gesetz vom 1. Mai
[889 und Novelle vom 12. August 1896 der Verkauf an Nichtmit-
Deutschland.