Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Jer. Volkswirtschaft anzusehen. Die Anfeindung des Vorgehens der 
Konsumvereine ist ebenso verkehrt, wie es ein Verbot wäre, im 
eigenen Hause selbst Handwerksarbeit zu verrichten, um dieselbe der 
Zunft der Handwerker vorzubehalten, und jene Thätigkeit wiederspricht 
ebensowenig gesunder Arbeitsteilung, wie diese, 
Die Vorteile der Konsumvereine liegen aber noch wesentlich nach 
einer anderen Richtung. Sie erziehen die Bevölkerung zur Barzahlung, 
und darin liegt gerade bei uns in Deutschland ein wesentlicher Vorzug, 
wo der Missbrauch des Konsumtionskredites so ausserordentlich ver- 
breitet ist, und dadurch die Arbeiterklasse sich den Händlern zu 
wucherischer Ausbeutung preisgiebt. | Wo die betreffenden Kreise den 
Verein selbst leiten, lernen sie sich ferner wirtschaftlich selbst bethätigen. 
Sie gewinnen einen tieferen Einblick in die volkswirtschaftlichen Vor- 
gänge, sie lernen gemeinnützige Thätigkeit üben und sich gegenseitig 
vertrauen. Besonders wird das der Fall bei Solidarhaft sein, wo Jeder 
für Alle, Alle für einen mit Hab und Gut einstehen. Dies pädagogische 
Moment ist nicht hoch genug zu veranschlagen. 
Dagegen ist es vollständig zuzugestehen, dass die Gründung der Grenzen der 
Konsumvereine über das richtige Mass hinausgehen kann, und ebenLeistungsfähig 
nur unter bestimmten Bedingungen berechtigt ist. Das wird der Fall BE dr Be 
sein, wo der Zwischenhandel zu hohen Profit bezieht (Schreiber dieses 
hat durch Gründung eines Kousumvereins auf dem Lande in West- 
preussen Arbeitern Baumwollenstoff die Elle zu 38 Silbergroschen 
3 Pfennig verschafft, für welche sie bis dahin in der kleinen benachbarten 
Stadt 6 Silbergroschen zahlen mussten, ein Preis, der infolge der Gründung 
sofort auf 5 Silbergroschen herabgesetzt wurde). Der Konsumverein 
wird ferner nur da am Platze sein, wo zur Leitung des Vereins ge- 
signete Persönlichkeiten vorhanden sind, welche die nötige Sach- 
kenntnis: und Umsicht besitzen, um den Vertrieb mit wirklichem Er- 
folge durchzuführen, was durchaus nicht überall der Fall ist. In Folge 
dieser natürlichen Grenzen haben die Konsumvereine nicht die Erfolge 
gehabt, die Schulze-Delitzsch sich davon versprach, und werden sie 
niemals haben. Sie sollen nur eine Ergänzung, eventuell ein Kampf- 
mittel zur Erzielung einer angemessenen Konkurrenz bilden, nicht aber 
überhaupt den Kleinhandel ersetzen. 
Die ganze Wirkung der Konsumvereine wird ausserdem vielfach 
sehr überschätzt. Die Ersparnisse werden meistens dadurch erzielt, 
dass die Vereine sich auf den Umsatz der gebräuchlichsten Artikel, mit 
denen das geringste Risiko verbunden ist, beschränken, da auf deren 
gleichmässigen Absatz zu rechnen ist; wie Kaffee, Zucker, sonstige 
Kolonialwaren, Reis, Häringe, Kohlen, Backwaren, dann die gangbarsten 
Zeuge etc. Gerade bei diesen pflegen aber auch die Kaufleute nur 
einen geringen Verdienst zu nehmen, gleichwohl bringen sie durch die 
Grösse des Umsatzes viel ein. Werden nun diese Artikel den Kauf- 
leuten genommen, welche die übrigen Bedarfsgegenstände halten, die 
für die Deckung des Bedarfs unentbehrlich sind, so müssen sie 
bei diesen grössere Zuschläge machen, die aus den Ersparnissen der 
Konsumvereine gedeckt werden. Es zeigt sich auch in der That, dass 
Jiejenigen Konsumvereine, die sich darauf legen, alle laufenden Be- 
Jarfsartikel der Arbeiter zu führen. verhältnismässig geringe Uebher-
	        
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