Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 
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und zum Teil auch von Privaten nahmen daher bald, rein quantitativ 
betrachtet, einen derartigen Umfang an, daß die Notenbank ein Spezial 
bureau für Wechseldiskontierungen einrichten mußte, um ohne Zeitver 
luste arbeiten zu können. Das Wechselportefeuille der Bank von Frank 
reich verdoppelte sich in der Zeit vom 27. Juli bis 1. August 1914, und 
nach 6 Tagen, vom 27. Juli ab gerechnet, stieg es von 1583 auf 3041 Mill. 
Pres. 1 ). In den Tagen der gespanntesten Krisenstimmung, in der Zeit 
vom 25. Juli bis zum 2. August schnellte der Bestand an diskontierten 
Wechseln beträchtlich von Tag zu Tag empor. Privatbanken und Private 
reichten die dicksten Bündel zum Rediskont ein. Über die Bewegung 
des Wechselbestandes in dieser interessantesten Periode geben die nach 
stehenden Zahlen * 2 ) recht beachtenswerten Aufschluß (in Mill. Frcs.): 
W e c h s e 1 e i n r e i c h u n g e n in der Krisenzeit vom 25. Juli 
bis zum 2. August 1914. 
Datum 
Wechselbestand 
Zu- oder Abnahme 
25- Juli .... 
1554,0° 
2 7- Juli .... 
1583,00 
+ 29,00 
28. Juli .... 
1682,00 
+ 99>oo 
29. Juli .... 
1937,00 
+ 255,oo 
30. Juli .... 
2444.00 
+ 507,00 
31. Juli .... 
2890,00 
+ 346,00 
1. August . . 
3041,00 
+ 151,00 
2. August . . 
3426,00 
+ 385,00 
Diese Aufstellung zeigt deutlich den starken Andrang. Es war zu 
befürchten, daß auf dem Wege über die Notenbank die Depositengläubiger 
’bre Banken von den Aktiven zu stark entblößen und auf der anderen 
beite die Notenbank zu stark belasten würden. Die Banken stellten 
daher ihre bankmäßigen Operationen ein, als die Bank von Frankreich 
die Rediskontierung weiterer Wechsel verweigerte. Es ist nicht zu ver 
werfen, daß die Notenbank ihre schützende Hand von den großen Kredit 
instituten zurückzog. Denn ein erheblicher Teil der von den Bankgläu 
bigern abgehobenen Summen blieb untätig in ihren Händen, statt sie 
wieder in denVerkehr zu gelangen und die nationale Arbeit zu befruchten. 
Üie Privat-Banken stellten schließlich überhaupt die Diskontierung von 
Wechseln ein und so wurden die gesamten Kreditoperationen an die 
Bank von Frankreich verwiesen, die nunmehr nach ihrem Gutdünken 
eine den jeweiligen Zeitlagen entsprechende Kreditpolitik treiben konnte. 
Handel- und Gewerbestände, Landwirtschaft und Industrie, sowie 
der Privatmann stellten jetzt ihre hohen Kreditwünsche direkt an die 
Notenbank. Der geschilderte erste starke Andrang hatte die Notenbank 
gezwungen, ihren Diskont von 3% % (seit dem 29. Januar 1914) am 
30. Juli 1914 auf 4 % und bereits am 1. August auf 6 % zu erhöhen. 
b Bank von Frankreich. Geschäftsbericht 1914, S. 7. 
2 ) Lachapelle, Georges, a. a. O. S. 234.
	        
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