brach sich daher die Auffassung Bahn, dass hier eine höhere AutoritätDie Auffassung
eintreten müsse, um dem Schwächeren Schutz zu gewähren, uud dass der ver-
dieses nur die Staatsgewalt sein könne. Man erkannte, dass es für die a
Kulturentwickelung nicht nur darauf ankomme, die Produktion zu Schule,
fördern, sondern dass die Verteilung des Nationalertrages für dieselbe
von höchster Wichtigkeit sei und eine besondere Beachtung von Staat
und Gesellschaft erheische Aber wie es in der menschlichen Natur
liegt, ist_man in der Reaktion gegen das Freihandelssystem sofort in
das andere Extrem verfallen. Die neuere Generation hat die Schatten-
zeiten des Polizeistaates nicht kennen gelernt und ist geneigt, sie zu
unterschätzen, daher zur Beseitigung der zu Tage tretenden Uebel
überall sein Eingreifen zu verlangen, ohne die Nachteile zu beachten,
welche die entsprechende Beschränkung der individuellen Freiheit in
sich schliesst. Was vor zwei Jahrhunderten noch am Platze war, wo
die Masse der Bevölkerung in Lethargie verharrte, und es ihr an Unter-
nehmungsgeist und den nötigen Mitteln fehlte, selbst die Initiative zu
argreifen, kann heutigen Tages bei dem erwachten Selbstbewusstsein,
lem Unabhängigkeitstrieb jedes Einzelnen bis in die untersten Klassen
herunter, der Intelligenz Aller unmöglich richtig sein. Die Kompli-
ziertheit des wirtschaftlichen Organismus zieht der Staatseinwirkung
bestimmte Grenzen. Man überschätzt die Macht des Staates privatwirt-
schaftlich zu helfen und macht ihn für das Wohl und Weheder Einzelnen ver-
antwortlich, führt dadurch zur Erschlaffung der Selbstthätigkeit und
Abschwächung des Gefühls der Selbstverantwortlichkeit, während
zugleich dadurch die Unzufriedenheit mit den Staatseinrichtungen .un-
degründeter Weise geschürt wird. Sache der Wissenschaft ist es, hier
den rechten Weg ausfindig zu machen, um die Extreme zu vermeiden.
Es gilt das Problem zu lösen, unter Wahrung der individuellen Frei-
heit und Selbstverantwortlichkeit der Einzelnen, doch den Schwächeren
im wirtschaftlichen Kampfe zu schützen; ferner in erster Linie die
zesamte Kultur zu fördern und bei jedem Gegensatze zwischen Ge-
3amtwohl und Einzelinteresse unbedingt das Letztere dem Erstern
ünterzuordnen. Die Auffassung des Staates ist damit wieder eine
höhere, idealere geworden; sie nähert sich mehr der altklassischen;
doch sieht sie den Staat nicht als Selbstzweck, sondern nur als Mittel
an. Wie die Staatsgewalt dabei vorgehen muss, haben wir in allge-
meinen Zügen in dem folgenden Paragraphen, im Einzelnen in der
ganzen Schrift zu verfolgen.
8 38.
Die Grundprinzipien für die moderne Volkswirtschafts-
politik.
Um seine höheren Kulturzwecke zu verfolgen, hat der Staat die
wirtschaftliche Thätigkeit, wo sich die Notwendigkeit dazu ergeben
hat, in folgender Weise zu beeinflussen:
1. Durch die Gesetzgebung, um allgemeine Normen zu schaffen, Massregeln
nach denen sich ein Jeder bei seiner wirtschaftlichen Thätigkeit zu des Staates
"ichten hat, um .die Schädigung Anderer zu verhüten und damit zu-70r Wirtschaft)
zleich die Geschäftssphäre jedes Einzelnen zu schützen. Ein Beispiel 5