Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Statistik. 
ungeahnter Weise verwandte und vielfach noch sehr entlegene Gewerbe. 
Ein Strike der Hafenarbeiter, der das Löschen angekommener und 
zur Abfahrt bereiter Schiffe unmöglich macht, legt den Handel 
der betreffenden Seestadt lahm und wird in dem Hinterlande nach 
allen Richtungen hin mit empfunden, wie das seiner Zeit in Ham- 
burg, neuerdings in Marseille weithin verspürt wurde. Ein Strike der 
Lokomotivführer in Amerika brachte für einige Zeit den gesamten 
Verkehr eines grossen Landes zum Stillstand, und was das besagen 
will, kann sich Jeder leicht vergegenwärtigen. Stellen gar die Kohlen- 
bergwerke ihre Thätigkeit ein, wie es 1889 in Westfalen, in den neunziger 
Jahren in Schottland, und dann in Pennsylvanien geschah, so hört auch sehr 
bald die Arbeit in den umliegenden Hochöfen wie Fabriken auf, und die 
Städte kommen in Gefahr, nicht mehr das nötige Material zur Heizung 
und Beleuchtung zu erhalten. Den unmittelbarsten Verlust haben na- 
bürlich die Arbeiter selbst, die den bisher bezogenen Lohn einbüssen, 
zunächst ihre Ersparnisse aufzehren, ihre Sachen versetzen, dann von 
anderen Vereinen Unterstützung erlangen, wobei natürlich stets der 
laufende Konsum mehr und mehr eingeschränkt wird und sonstige Bezüge 
überhaupt unterbleiben. Dadurch werden wieder die umwohnenden Kauf- 
leute, Fabrikanten, wie auch entfernte Lieferanten geschädigt. Als 
Schreiber dieses im Herbst 1875 in England war, fand ein grosser Strike 
bei den Bergarbeitern in Wales statt, infolge dessen war in London der 
Viehmarkt in aussergewöhnlicher Weise reduziert, wie die Zufuhr von 
Mastvieh aus Schleswig-Holstein und überhaupt aus Deutschland, weil 
38 an dem gewohnten Absatz an Fleisch nach Wales fehlte. Bei dem 
Durrhamer, Bergarbeiterstrike berechnete man den Verlust der Gruben- 
zesitzer auf 15 Millionen Mk., den der Arbeiter auf 26 Millionen. 
Der grosse Hafenarbeiterstrike von 1896/97 betraf circa 16700 
Arbeiter, welche über 1613000 Mark dabei geopfert haben. Der 
Strike der Maschinenbauer in England im Jahre 1897 betraf 31000 
Maschinenbauer, 7000 Mitglieder anderer Gewerbe und 5000 Hand- 
werker. Die Maschinenbauer verbrauchten 6 Millionen Mk., die sich 
in ihren Gewerkschaftskassen befanden. 14 Millionen Mk. sind von ver- 
schiedenen anderen Seiten ihnen als Hülfsgelder zugeflossen. Der 
Lohnverlust wurde auf 40 Millionen Mk. berechnet. 
In England rechnete man in der offiziellen Strikestatistik 1890, dass 
233000 Arbeiter die Arbeit eingestellt hatten, wodurch etwa 10 Millionen 
Arbeitstage verloren gegangen waren. 1893 feierten dagegen 636000 
Männer, die 31 Millionen Tage einbüssten. 1896 waren die Ziffern 
verhältnismässig niedrig, 198000 Personen und 3,7 Millionen Tage, 
dabei war die Zahl der Strikes mit 1021 gross, da in dem schlimmeren 
Jahr 1893 nur 782 Strikes gezählt wurden. Im Juhre 1896 kamen 
205 Einstellungen mit 33000 Ausständigen im Baugewerbe, 54 mit 
1000 im Bekleidungsgewerbe, 281 mit 48000 bei der Metallbereitung und 
dem Schiffsbau, 172 mit der grössten Zahl Arbeiter, 67 200, im Bergbau, 
163 in der Textilindustrie mit 33 000 Arbeitern vor. 
Für Deutschland führt der Vorsitzende der gewerkschaftlichen 
Generalkommission in Hamburg, Legien, eine Statistik der Arbeitsein- 
stellungen, der wir die folgenden Zahlen (H.W.B.) verdanken; sie macht 
auf Genauigkeit keinen Anspruch. Viele kleine Strikes kommen nicht 
zur Verzeichnung. Ks handelt sich nur um ein ungefähres Bild.
	        
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