Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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gang fällt in vorhistorische Zeit und ist, wie die Eigentümlichkeiten 
der Naturvölker der Gegenwart bisher nicht genügend untersucht. 
Es ist der Uebertritt in eine ganz neue Entwicklungsphase, 
wenn der Mensch beginnt, Gewächse selbst anzupflanzen, Saatkörneı 
auszustreuen, sie in den Boden zu senken und künstlich das Wachstum 
zu fördern. So bildete sich schon in vorhistorischer Zeit neben der 
Viehzucht der Ackerbau aus, und auf höherer Kulturstufe sind beide 
gewöhnlich vereinigt in der Landwirtschaft, wenn auch beide vereinzelt 
auch noch bei uns zu finden sind. 
Bedingt die Landwirtschaft auch keineswegs auf primitiver 
Kulturstufe Sesshaftigkeit, — denn es kommt vor, dass Völkerstämme 
den Ackerbau an einzelnen Orten nur wenige Jahre betreiben, um sie 
lann zu verlassen, wenn die Felder nicht mehr genügend ertragsfähig 
sind, und sich an einer anderen Stelle wieder nur vorübergehend an- 
zusiedeln, — so schliesst doch jede weitere Entwicklung der Landwirt- 
Schaft Sesshaftigkeit in sich, und durch diese wird erst die Grundlage 
für eine höhere Kultur überhaupt gewonnen. Jetzt erst ist eine feste 
Gemeindebildung möglich, wodurch die Vorbedingung für die staatliche 
Organisation gewonnen wird, bei der sich erst eine Volkswirtschaft 
entwickeln kann. 
Die Landwirtschaft hat die Aufgabe, durch Ackerbau und Vieh- 
zucht das Rohmaterial an tierischen und pflanzlichen Erzeugnissen zu 
liefern, welches das Volk für seine mannichfaltigen Bedürfnisse in 
erster Linie der Nahrung, dann aber auch der Bekleidung ete. gebraucht. 
Sie gehört damit zu den Gewerben der Rohproduktion mit der Forst- 
wirtschaft, der Fischerei und dem Bergbau. Eng an sie schliesst 
Sich die Gärtnerei, der Obst- und Weinbau. Der Uebergang zur 
Gärtnerei ist ein sehr allmählicher, gleichwohl lässt sich ein bestimmter 
Unterschied aufstellen. Wir sehen ihn nicht, wie es vielfach geschieht, 
in der Grösse des herangezogenen Landes, oder des Betriebes, sondern 
in der Art des Betriebes. In der Gärtnerei wird der einzelnen Pflanze 
besondere Sorgfalt zugewendet, worauf der landwirtschaftliche Betrieb 
sich nicht einlässt. Wo man bei dem Handelsgewächsbau auf einem 
Zrösseren Gute, z. B. bei der Samenzucht, auf dem bäuerlichen Grund- 
stück bei dem Tabak, den einzelnen Pflanzen besondere Fürsorge an- 
gedeihen lässt, nimmt die Landwirtschaft eben gärtnerischen Betrieb 
an. Wo der Gärtner die Blumenzucht, die Samenkultur in so grossem 
Massstabe durchführt, dass einfach das sorgsam präparierte Feld besäet 
wird und bis zur Ernte sich selbst überlassen bleibt, ist derselbe zum 
'andwirtschaftlichen Betriebe übergegangen. 
Durch die Lieferung der hauptsächlichen Lebensbedürfnisse, und Die Stellung 
weil diese zunächst nur zu einem verhältnismässig kleinen Teil einender Landwirt- 
weiten Transport vertragen, ist die Landwirtschaft mit. Recht als die Schaft in tn 
Hauptstütze der Volkswirtschaft angesehen, und weil sie das Roh-“*Wirtscha 
Material für eine grosse Zahl von Gewerben liefert, ist sie auch in 
ausgedehnterem Masse die Grundlage für die Industrie, abgesehen da- 
von, dass sie der in den übrigen Gewerben thätigen Bevölkerung die 
hauptsächlichste Nahrung zu liefern hat. Das Gedeihen der Landwirt- 
schaft wird daher stets von höchster Bedeutung für die Gesamtheit 
sein. Sie war in den meisten Staaten der Ausgangspunkt, der Kultur; 
auf ihr baute sich meistens erst Industrie und Handel auf. Kine 
Ackerbau, 
Wesen der 
Landwirtsch.
	        
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