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gang fällt in vorhistorische Zeit und ist, wie die Eigentümlichkeiten
der Naturvölker der Gegenwart bisher nicht genügend untersucht.
Es ist der Uebertritt in eine ganz neue Entwicklungsphase,
wenn der Mensch beginnt, Gewächse selbst anzupflanzen, Saatkörneı
auszustreuen, sie in den Boden zu senken und künstlich das Wachstum
zu fördern. So bildete sich schon in vorhistorischer Zeit neben der
Viehzucht der Ackerbau aus, und auf höherer Kulturstufe sind beide
gewöhnlich vereinigt in der Landwirtschaft, wenn auch beide vereinzelt
auch noch bei uns zu finden sind.
Bedingt die Landwirtschaft auch keineswegs auf primitiver
Kulturstufe Sesshaftigkeit, — denn es kommt vor, dass Völkerstämme
den Ackerbau an einzelnen Orten nur wenige Jahre betreiben, um sie
lann zu verlassen, wenn die Felder nicht mehr genügend ertragsfähig
sind, und sich an einer anderen Stelle wieder nur vorübergehend an-
zusiedeln, — so schliesst doch jede weitere Entwicklung der Landwirt-
Schaft Sesshaftigkeit in sich, und durch diese wird erst die Grundlage
für eine höhere Kultur überhaupt gewonnen. Jetzt erst ist eine feste
Gemeindebildung möglich, wodurch die Vorbedingung für die staatliche
Organisation gewonnen wird, bei der sich erst eine Volkswirtschaft
entwickeln kann.
Die Landwirtschaft hat die Aufgabe, durch Ackerbau und Vieh-
zucht das Rohmaterial an tierischen und pflanzlichen Erzeugnissen zu
liefern, welches das Volk für seine mannichfaltigen Bedürfnisse in
erster Linie der Nahrung, dann aber auch der Bekleidung ete. gebraucht.
Sie gehört damit zu den Gewerben der Rohproduktion mit der Forst-
wirtschaft, der Fischerei und dem Bergbau. Eng an sie schliesst
Sich die Gärtnerei, der Obst- und Weinbau. Der Uebergang zur
Gärtnerei ist ein sehr allmählicher, gleichwohl lässt sich ein bestimmter
Unterschied aufstellen. Wir sehen ihn nicht, wie es vielfach geschieht,
in der Grösse des herangezogenen Landes, oder des Betriebes, sondern
in der Art des Betriebes. In der Gärtnerei wird der einzelnen Pflanze
besondere Sorgfalt zugewendet, worauf der landwirtschaftliche Betrieb
sich nicht einlässt. Wo man bei dem Handelsgewächsbau auf einem
Zrösseren Gute, z. B. bei der Samenzucht, auf dem bäuerlichen Grund-
stück bei dem Tabak, den einzelnen Pflanzen besondere Fürsorge an-
gedeihen lässt, nimmt die Landwirtschaft eben gärtnerischen Betrieb
an. Wo der Gärtner die Blumenzucht, die Samenkultur in so grossem
Massstabe durchführt, dass einfach das sorgsam präparierte Feld besäet
wird und bis zur Ernte sich selbst überlassen bleibt, ist derselbe zum
'andwirtschaftlichen Betriebe übergegangen.
Durch die Lieferung der hauptsächlichen Lebensbedürfnisse, und Die Stellung
weil diese zunächst nur zu einem verhältnismässig kleinen Teil einender Landwirt-
weiten Transport vertragen, ist die Landwirtschaft mit. Recht als die Schaft in tn
Hauptstütze der Volkswirtschaft angesehen, und weil sie das Roh-“*Wirtscha
Material für eine grosse Zahl von Gewerben liefert, ist sie auch in
ausgedehnterem Masse die Grundlage für die Industrie, abgesehen da-
von, dass sie der in den übrigen Gewerben thätigen Bevölkerung die
hauptsächlichste Nahrung zu liefern hat. Das Gedeihen der Landwirt-
schaft wird daher stets von höchster Bedeutung für die Gesamtheit
sein. Sie war in den meisten Staaten der Ausgangspunkt, der Kultur;
auf ihr baute sich meistens erst Industrie und Handel auf. Kine
Ackerbau,
Wesen der
Landwirtsch.