Full text : Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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schützt werden muss wie materielles Eigentum, weil ein Missbrauch
sonst nicht verhütet werden kann. ;
Es ist eine weitverbreitete Auffassung, dass eine Erfindung ohne
Mühe und Opfer gewonnen wird und infolgedessen auch keiner Entschädigung
 bedarf, Dies ist ein grosser Irrtum. Wohl kommt dem
Erfinder mitunter eine Idee plötzlich, er wird zufällig auf einen Zusammenhang
 aufmerksam, der bis dahin nicht beachtet war. Aber die
Uebertragung der Idee in die Wirklichkeit, die Durchführung, so dass
sie praktisch verwertbar ist, erfordert im allgemeinen unendliche Arbeit
und grosse Geldopfer. Mannesmann hatte die Idee der Röhrenfabrikation
 aus einem Stück zwei Dezennien mit sich herumgetragen und
dahingehende Versuche gemacht, erst seinen Söhnen gelang es wirklich,
Röhren nach seiner Idee herzustellen und im Grossen zu verwerten,
Der Erfinder der Nähmaschine, Howe, hat sein halbes Leben dazu verwenden
 müssen, um den Gedanken zu realisieren. Der Erfinder der
Schreibmaschine Remington machte Bankrott, und erst seine Nachfolger
haben von seiner Erfindung einen Vorteil gehabt. Schon in den siebziger
 Jahren wurde von Baeyer künstlich Indigo hergestellt, aber erst
Ende der neunziger Jahre, nachdem in einer grossen Zahl von Fabriken
beständig nach der gleichen Richtung experimentiert worden war, ist es
gelungen, den Indigo künstlich im Grossen so billig herzustellen, dass er
die Konkurrenz mit dem natürlichen aufzunehmen vermag. Eine Unzahl
 Menschen geht fortdauernd daran zu Grunde, dass sie sich vergebens
 bemühen, einen neuen, richtigen und bedeutsamen Gedanken zu
einer praktischen Erfindung auszubauen; und fortdauernd werden sehr
bedeutende Kapitalien demselben Streben geopfert. Diese Bestrebungen
zu unterstützen, dem Gelingen den Lohn zu garantieren, ist die Aufgabe
 der Patentierung. Sie ist nötig, weil ohne einen besonderen
Schutz das Eigentum und damit jener Lohn dem Erfinder entzogen
werden kann.
Eine neu erfundene Maschine kann von jedem Fachmann ohne Leichtigkeit
Schwierigkeit nachgebaut werden, wenn sie dem Publikum übergeben der Entist,
 und dieser kann sich mit dem ortsüblichen Gewinne begnügen Ziehung des
: s . we . L rfinderlohns.
und die Maschine dann zu einem mässigen Preise absetzen, der ihm
die Herstellungskosten plus dem gewöhnlichen Gewinne liefert. Niemand
 hat ein Interesse, dann die Maschine zu einem höheren Preise
von dem Erfinder selbst zu beziehen, der dadurch gezwungen wird,
sich mit demselben Gewinn zu begnügen, wie seine Nachahmer. Ein
darüber hinausgehender Preis, der ihn für die Mühe und Arbeit entschädigt,
 die er aufwendete um seine Erfindung zur Durchführung zu
bringen, ein Erfinderlohn wird ihm dann nicht gewährt. Und doch
handelt es sich um ein geistiges Produkt, an dem ihm ein Kigentumsrecht
 zusteht. Die Bessemersche Methode der Stahlerzeugung hat der
ganzen Kulturwelt einen sehr bedeutenden, nachhaltigen Nutzen gebracht.
 Auch sie ist das Ergebnis jahrelanger Studien und Experimente
yewesen, aber in allen grossen Maschinenbauanstalten hätte man nach
Bekanntwerden derselben danach Stahl hergestellt ohne den Erfinder
irgend zu berücksichtigen, wäre nicht durch Patentierung für eine
Reihe von Jahren ihm allein diese Anwendung der Methode vorbehalten
worden. So konnte er selbst den von ihm hergestellten Stahl zunächst
zu einem höheren Preise verkaufen, als er seinen Herstellungskosten
            
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