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erst allmählich mit steigender Bevölkerung und Kultur intensiver, um
mit derselben Fläche mehr Menschen erhalten zu können. Es bildet
sich je nach den natürlichen und volkswirtschaftlichen Verhältnissen
ein anderes System des Betriebes aus, welches sich in bestimmten Zeit-
epochen als mehr oder weniger typisch erweist,
Diese Wirtschaftssysteme wollen wir in dem Folgenden des
Näheren charakterisieren.
Brandwirtsch. Die extensivsten Wirtschaftssysteme, welche die Landwirtschaft
bei ihrer ersten Entwicklung zeigt, sind die sogenannte Brand- und
Weidewirtschaft, Die erste Art besteht darin, dass nach roher
Abholzung des Waldes das Holz verbrannt, die Asche über den
Boden gestreut und zwischen den stehen gebliebenen Wurzeln der
Boden in dürftiger Weise mit dem Karst aufgerissen wird, um die
Saat aufzunehmen, die dann bis zur Ernte sich selbst überlassen bleibt.
Ein ähnliches Verfahren findet sich in Moor- und Steppengegenden,
wo die oberste Pflanzenschicht durch sogenannten Plaggenhieb los-
gelöst, auf Haufen gethan und angezündet wird, um gleichfalls die
Asche zur Düngung zu benutzen. Die erstere Methode ist in Süd-
sibirien und Amerika in den Urwäldern zur Anwendung gekommen
und weit verbreitet gewesen; die zweite Art sowohl in den Steppen-
gegenden Russlands, wie in der Lüneburger Haide, dann in der Hack-
und Haubergswirtschaft im Schwarz- und Odenwalde.
Die rohe Weidewirtschaft findet sich noch jetzt in den Prairien
Amerikas, und in den Steppengegenden KEuropas. Sie war noch in
der neueren Zeit in der römischen Campagna zu beobachten und findet
sich in Deutschland in den sogenannten Aussenländereien grösserer
Güter, die weit abgelegen vom Hofe, namentlich bei leichtem Boden
eine intensivere Behandlung nicht vertragen. Sie besteht darin, dass
nur ein kleiner Teil der vorhandenen Fläche in jedem Jahre zur Be-
ackerung herangezogen wird, das übrige als mehr oder weniger dürftige
Weide legen bleibt, kein anderer Dünger auf das Feld gelangt, als
der von dem weidenden Vieh dort zurückgelassene, und dass auch
bei der Bestellung die aufgewendete Arbeit auf ein Minimum beschränkt
ist. Naturgemäss ist auch der Ertrag bei allen erwähnten Wirtschafts-
systemen ein geringerer, und je nach der Güte vermag der Boden nur
mehr oder weniger Jahre hintereinander Erträge abzuliefern; daher wird
bald schon nach einem, bald nach mehreren Jahren der Boden verlassen
und ein anderes Stück in Angriff genommen, um es erst wieder nach einem
Dezennium oder noch später von Neuem zu bearbeiten. So findet
dieses Wirtschaftssystem da statt, wo nur wenig Menschen über grosse
Flächen verstreut sind und ihnen genügend Land zur Verfügung steht,
um diesen Wechsel durchführen zu können. So war auch sicher die
Bewirtschaftung des Landes zur Zeit des Tacitus durch die alten
Germanen, über welche er den bekannten Satz schrieb: „Arva per
annos mutant et super est ager“, Die alten Germanen hatten hiernach
noch nicht bestimmte Felder in feste Rotation genommen, sondern
wechselten mit den Ackerstücken und ansserdem blieben noch Weide-
flächen zu ihrer Verfügung.
Die Früchte, die bei diesem System gebaut werden, sind natürlich
nach Boden und Klima verschieden, Unter unseren Verhältnissen pflegen
dabei Hafer, Buchweizen, eventuell noch Roggen Verwendung zu finden.
Weidewirtsch.