Full text : Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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für Rohstoffe und Halbfabrikate ausgesprochen. Die Zölle wurden für
fertige Waren auf 10%, für Textilwaren auf 5%, ermässigt, und auch
diese fielen bereits im Jahre 1860. 18064 wurde von Getreide nur noch
eine statistische Gebühr von 3 d. pro Zentner erhoben, die am 1. Juni
1869 gleichfalls in Fortfall kam. Die Wirkung dieses Vorgehens war
eine unendliche Vereinfachung des Grenzverkehrs und der Zollerhebung,
die auf sehr wenige Artikel beschränkt war und einen Schutzzoll ausser
für alkoholische Getränke nicht in sich schloss. Wurde auch dadurch
nicht erreicht, was man gehofft hatte, dass auch die übrigen Länder
sich dadurch bewegen lassen würden zum Freihandel überzugehen, so
erlangte England doch durch Handelsverträge nach den verschiedensten
Richtungen ein Entgegenkommen und Krmässigung der Zollsätze für
die eigenen Produkte, wodurch der Aufschwung der Industrie in kurzer
Zeit die gewaltigsten Dimensionen annahm.
Der Uebergang zur Viehwirtschaft zeigte sich nur als der natürliche,
 den klimatischen und Bodenverhältnissen am meisten entsprechende
 Fortschritt, und erst als nicht nur die Preise des Getreides,
sondern auch der tierischen Produkte infolge der internationalen Konkurrenz
 in ausserordentlicher Weise reduziert wurden, gingen die Pachterträge
 in den achtziger und neunziger Jahren erheblich zurück, ohne
dass dadurch aber der landwirtschaftliche Betrieb als solcher gelitten
hätte. Der konsumierenden Bevölkerung ist die Ermässigung der
Lebensmittelpreise erheblich zu gute gekommen. Die Lage der Arbeiterklasse
 hat sich gewaltig gebessert.
Die wachsende Konkurrenz des Auslandes, namentlich Deutschlands
 und Amerikas hat in der neueren Zeit aber auch in England
Schutzzollbestrebungen wachgerufen. Sie äussern sich einmal in einer
Verschärfung der Markenschutzgesetzgebung und einer äusserst strengen
Handhabung derselben, wodurch man zu verhindern sucht, dass fremde
Ware als englische, event. durch englische Händler in das Ausland,
namentlich in die englischen Kolonien exportiert werden, um diesen
Export mehr der heimischen Fabrikation vorzubehalten. Sie äussern sich
ferner in sehr rigorosen Einfuhrverboten von Vieh aus Ländern, in denen
sich irgend welche Vichseuchen gezeigt haben, wobei mitunter schon ein
blosser Verdacht den Anlass zu einer strengen Abschliessung giebt.
Weit bedeutsamer ist die neuere Greaterbritainbewegung, welche
dahin geht, das britische Weltreich zu einem grossen Zollverein zusammen
 zu schliessen und mit einem Zollschutz zu umgeben, oder auch
nur vereinzelt in den verschiedenen Kolonien mit einer Begünstigung
des Mutterlandes durch einen Differenzialzoll vorzugehen. Der erste Anfang.
 ist 1898 in Canada gemacht, wo die Einfuhr aus anderen Ländern
mit einem Zuschlag von 5%, belegt ist, während durch die Handelsverträge
 von 1862 und 1865 Belgien und Deutschland das Recht erlangt
 hatten, ihre Produkte zu denselben Bedingungen wie das Mutterland
 in die britischen Kolonien einzuführen, Durch Kündigung der
Handelsverträge suchte England für die weitere Entwicklung freie
Hand zu erhalten, und es ‚bleibt abzuwarten, wie weit die Kolonien
selbst solche Differenzialtarife als ihren Interessen entsprechend anschen
 werden.
Wir werfen jetzt einen kurzen Blick auf die Entwicklung des
Tarifwesens der Vereinigten Staaten Nordamerikas. Am 6, April

Reaktionshestrebungen.


Vereinigte
Staaten.
            
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