Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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1846 zustande, in dem, und hierin liegt seine prinzipielle Bedeutung, 
alle spezifischen Zölle durch Wertzölle ersetzt wurden; Rohmaterialien 
und gewöhnliche Konsumtibilien wurden in erheblicher Ausdehnung 
mit 5%, geschützt, Halbfabrikate mit 10—20°%,, fertige Waren mit 
25 und 30, Gewürze, Cigarren, Wein mit 40%, Branntweine mit 100%. 
Im Durchschnitt meinte Walker mit einem Zoll von 20%, die höch- 
sten Einnahmen erzielen zu können. Besonderes Gewicht legte er 
darauf, die verschiedenen Landesteile in gleicher Weise zu belasten, 
um die Unzufriedenheit in den Südstaaten zu mildern. Dieser Tarif 
blieb bis 1857 bestehen, wo er in freihändlerischer Richtung erheblich 
modifiziert wurde. Die Folge davon war ein bedeutendes Defizit und 
wachsende Unzufriedenheit in den Fabrikdistrikten, so dass man ihn 
noch kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges durch den sogenannten 
Morriltarif ersetzte, welcher den Fabrikanten, namentlich von 
Eisen- und Wollwaren die Preise erheblich erhöhte. Sowohl das 
finanzielle Bedürfnis infolge des Bürgerkrieges wie protektionistische 
Bestrebungen führten zu weiteren Erhöhungen, wenn auch innerhalb 
des Rahmens des Morriltarifes. Der Tarif war jetzt ungleich kompli- 
zierter, als die früheren, er umfasste nicht weniger als 766 verschiedene 
Zollsätze, davon 238 spezifische und 528 Wertzölle, über die Hälfte 
der letzteren zu 25 bis 30%, ein Viertel zu 20%, des Wertes, und 
auch diese erfuhren während der sechziger Jahre noch eine weitere 
Erhöhung. Erst im Jahre 1870 und 72 fanden eine Anzahl Befreiungen 
und Herabsetzungen statt, wodurch die Zolleinnahmen um 30 Millionen 
Dollars vermindert wurden. Die eigentlichen Schutzzölle aber er- 
langten mit wenig Ausnahmen die alte Höhe. 
In der folgenden Zeit, besonders durch den Tarif von 1883, 
erfuhren die Schutzzölle weitere Erhöhungen. Eine gewisse Berühmt- 
heit hat der Mac Kinleytarif vom 1. Oktober 1890 gewonnen, der 
ausgesprochen protektionistischen Charakter hatte. Eine Anzahl Finanz- 
zölle wurden aufgehoben oder herabgesetzt, ebenso Schutzzölle auch 
für solche Industriezweige, die als gesichert angesehen wurden, wie die 
Eisenindustrie, Die übrigen, namentlich die Zölle für die Textilindustrie 
und für die Landwirtschaft, erlangten Erhöhungen, besonders diejenigen 
auf Wolle und andere Rohstoffe. Als dann die demokratische Partei in 
dem Präsidenten Cleveland zur Herrschaft gelangte, versuchte sie 
namentlich die Rohstoffzölle zu beseitigen und einige extreme Industrie- 
zölle zu ermässigen. Wenn sie auch bei dem Senate auf grossen Wider- 
stand stiess, so wurde doch 1894 vor allem der Wollzoll beseitigt und eine 
gewisse Milderung erzielt. Dafür wurden aber die 1890 abgeschafften 
Zuckerzölle wieder in erheblicher Höhe eingeführt. Nach dem aber- 
maligen Präsidentenwechsel, der Mac Kinley auf den Stuhl hob, wurde 
am 24. Juni 1897 der sogenannte Dingleytarif ins Leben gerufen, 
der noch eine Verschärfung des Tarifs von 1890 in sich schloss. Wieder 
wurde die Wolle mit 11 und 12 Cents pro Pfund besteuert und Woll- 
waren erheblich höher angesetzt. Dagegen blieben die Zollermässigungen 
von 1894 für Eisen und Stahl bestehen. Die Zuckerzölle wurden etwas 
modifiziert und durch erweiterte Zuschläge für diejenigen Länder mit 
Ausfuhrprämien ergänzt. Bedeutsam ist, dass man versuchte, die sehr 
gesunkene amerikanische Schifffahrt künstlich zu heben, indem alle 
Waren, die nicht auf Schiffen der Ver. Staaten einveführt werden, 
Mac Kinley- 
tarıf 
)ingleytarif.
	        
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