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ainen Zuschlag von 10%, des tarifmässigen Zolles zu tragen haben,
wenn nicht den Staaten der Flagge ausdrücklich auf Grund eines Ver-
trages oder durch besondere Konzessionen die Gleichberechtigung mit
der amerikanischen zuerkannt ist. Die eigentliche Küstenschifffahrt ist
den Schiffen der Vereinigten Staaten, in erweitertem Masse durch Ge-
setz vom 27. Februar 1898, ausdrücklich vorbehalten, und denjenigen
Ländern, welche ihrerseits den Hafenverkehr beschränken, ist auch
amerikanischerseits nur der Import der eigenen Waren gestattet. KEin-
{uhr von Rindvieh ist im allgemeinen verboten, kann aber einzelnen
Ländern durch den Staatssekretär gestattet werden, wenn der Nachweis
geführt ist, dass eine Seuchengefahr nicht vorliegt,
Auch in den Vereinigten Staaten besteht das Streben nach einer
Ausdehnung des Zollterritoriums. Eine Erleichterung des wirtschaft-
lichen Verkehrs mit den übrigen amerikanischen Staaten ist aber bisher
aur in betreff Brasiliens erzielt.
Die Entwicklung der Zollpolitik Amerikas, die, wie wir sahen,
mit ganz unbedeutenden Schwankungen eine schutzzöllnerische gewesen
ist, hat, wie es scheint, in der neuesten Zeit den Gipfelpunkt erreicht
und steht im Begriff, ihn zu überschreiten. Trotz des starken Schutzes
hat es lange gedauert, bis die Industrie einen solchen Aufschwung nahm,
um den Bedarf in der Hauptsache selbst bestreiten zu können. Wie Ed-
mund J, James nachgewiesen hat, sind die Tarifschwankungen von einem
durchgreifenden Einfluss auf die Industrie nicht gewesen. Der neueste
gewaltige Aufschwung ist sicherlich nicht auf den gesteigerten Schutz
zurückzuführen, sondern auf die zunehmende Arbeitskraft der gestiegenen
Bevölkerung, der jetzt die eigenen grossen Kapitalien ausreichend zur
Verfügung stehen. Noch besteht der Gegensatz zwischen dem agrar-
ischen Süden mit mehr freihändlerischen Tendenzen und dem industri-
allen Nordosten, der die entschiedenste Vertretung des Schutzzolles
mit echt amerikanischer Rücksichtslosigkeit durchgeführt hat und noch
durchführt. Mag es auch zu weit gegangen sein, zu behaupten, dass dieser
[Interessengegensatz ausdrücklich zu dem Bürgerkriege geführt hat, so be-
stand und. besteht er doch in grosser Schärfe. Die Farmer des Westens
hatten gegen das bisherige System nichts Wesentliches einzuwenden,
denn sie empfanden keine Schädigung dadurch. Das würde sich schnell
ändern, wenn die Getreide importierenden Länder Europas, wenigstens
des Kontinents sich zu einer besonderen Belastung des amerikanischen
Getreides vereinigten, bis die Union sich dazu entschliesst, sich willig
die Bezahlung ihres Getreides mit europäischen Waren gefallen zu
lassen. Auch in den massgebenden Kreisen in Washington scheint die
Erkenntnis wach zu werden und Mac Kinley sprach dieses wenig Tage
vor seinem Tode ausdrücklich aus, dass auf die Dauer die jetzige
Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten nicht aufrecht zu erhalten ist,
und dass auf der anderen Seite die amerikanische Industrie genügend
erstarkt ist, nicht nur um dem heimischen Bedarf in der Haupt-
sache selbst zu genügen und den Konkurrenzkampf mit Europa im
Inlande aufnehmen zu können, sondern auch auf dem Weltmarkte
und in Europa selbst als Verkäufer aufzutreten, so dass die Zeit
nicht mehr ferne ist, wo der europäische Markt mehr eines Schutzes
vor amerikanischen Waren bedarf, als umgekehrt der amerikanische
vor dem europäischen. Der gesamten Bevölkerung wird aber all-