Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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zipiell wurde die Unterscheidung zwischen Rohstoffen, Halb- und Ganz- 
fabrikaten in freihändlerischer Richtung durchgeführt, wodurch eben 
der Schutz am wirksamsten erreicht werden konute. Im Tarif von 
1821 war endlich Einheitlichkeit der Zölle für das ganze Land erreicht. 
Zugleich wurde noch in stärkerem Masse als 1818 die Erhebung nach 
spezifischen Zöllen durchgeführt. Ausfuhrzölle waren vermindert und 
die Sätze um drei Viertel ermässigt, aber man war noch nicht in der 
Lage, sie fallen zu lassen. Namentlich ist ein Ausfuhrzoll auf Flachs 
Jlamals als unerlässlich anerkannt. 
Die Tarife von 1818 und 21 sind mit vollem Rechte als epoche- 
machende für die Entwicklung der deutschen Zollpolitik hingestellt. 
Ja der Schritt bat weit über die Grenzen des Landes hinaus gewirkt, 
Er machte um so tieferen Eindruck, weil er den F orderungen der 
damaligen Wissenschaft gerecht wurde, während alle Grosstaaten wie 
England und Frankreich sich dazu noch nicht emporschwingen konnten, 
sondern noch völlig in dem alten Prohibitivsystem befangen blieben. Jene 
Tarife sind entschieden als freihändlerische aufzufassen, wenn auch nicht 
im radikal Smithschen Sinne. Sie enthielten allerdings noch eine Anzahl 
hoher Tarifsätze und waren angethan, einen wirksamen Schutz für ver- 
schiedene Produktionszweige durchzuführen. Hat er sich für einzelne, 
z. B. die Leinenindustrie nicht als ausreichend erwiesen, so begünstigte 
ar doch überhaupt einen wesentlichen Aufschwung der gesamten In- 
dustrie. 
Zollvereinsbe- Das freihändlerische Vorgehen Preussens war natürlich von inten- 
strebungen. sivem Kinfluss auch auf die übrigen deutschen Staaten, die ja 
zum Teil von Preussen umschlossen waren. Da in denselben noch 
teils extreme Schutz- und Prohibitivzölle existierten, so sahen sie sich 
aus ihrer bisherigen Ruhe plötzlich aufgerüttelt, und man empfand 
dies als eine grosse Rücksichtslosigkeit, der man nach Kräften ent- 
gegen zu wirken trachtete. Das einzige Mittel hierzu war die Bil- 
dung von grösseren Zollterritorien, um damit Preussen einigermassen 
gleichberechtigt gegenüber zu stehen, und dann der stärkere Anschluss 
an Oesterreich, Da zu gleicher Zeit der wirtschaftliche Aufschwung 
immer intensiver die Hemmnisse durch die vielen Zollschranken her- 
vortreten liess, so wurden die Vereinigungsbestrebungen dadurch erheb- 
lich unterstützt. 1819 gründete Friedrich List den deutschen Handels- 
verein unter den deutschen Fabrikanten und Kaufleuten, um die Be- 
seitigung der Binnenzölle von 38 Zolllinien, die Deutschland durch- 
schnitten, durchzusetzen, welche, wie er sich ausdrückte, den Verkehr 
im Innern lähmen und ungefähr dieselbe Wirkung hervorbringen, wie 
wenn jedes Glied des menschlichen Körpers unterbunden wird, damit 
ja das Blut nicht in ein anderes überfliesse, Diese Bewegung arbeitete 
auch den preussischen Bestrebungen in die Hände, allmählich andere 
deutsche Länder zu einer Zollvereinigung zu gewinnen, und damit vor 
allem die eigenen Grenzen abzurunden und Zwischengrenzen zu be- 
seitigen. 1819 schloss sich Schwarzburg-Sondershausen bereits 
dem preussischen Zollgebiete an, 1828 Hessen-Darmstadt, dem 
grosse Zugeständnisse sowohl in betreff der Anteilnahme an dem Zoll- 
erträgnis, sowie in betreff des Einflusses auf Abänderung des Zolltarifs 
gemacht wurden. Gleichfalls in dem Jahre 1828 bildete sich der süd- 
deutsche Zollverein zwischen Bayern und Württemberg. Damit war
	        
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