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visherige Quantum an Kohlen von England zu beziehen. Sie fürchten
vielmehr, dass dieses nur zu einer Steigerung der Kohlenförderung in
Deutschland, Frankreich und den anderen in betracht kommenden
Staaten führen dürfte. Natürlich werden die grossen Hafenorte des
Kontinentes nach wie vor ihren Vorteil darin finden, englische Kohlen
auf dem billigen Wasserwege zu beziehen, aber eine weitere Hineinsendung
in das Binnenland wird durch eine Preissteigerung erschwert. Schon
eine geringe Verminderung des Absatzes würde aber einen Preisrück-
schlag in England und eine entsprechende Reduktion der englischen
Kohlenförderung bewirken. Bei einer rückläufigen Bewegung des Be-
larfs wird das Letztere unzweifelhaft zu Tage treten, bei einem all-
gemeinen Aufschwung der Industrie und Zunahme des Gesamtbedarfs
das erstere. Im Momente scheint die Furcht vor der Massregel hei
den deutschen Importeuren geringer zu sein als bei den englischen
Bergwerksbesitzern und Kohlenarbeitern. Die Wissenschaft kann für
dieses Experiment nur in hohem Masse dankbar sein, sie wird aus der
genauen Verfolgung der Wirkung der Zölle auf die Preise entschieden
zu lernen Gelegenheit haben.
Dass auch heutigen Tages Ausfuhrzölle als Kampfmassregeln
ihre Bedeutung haben können und ihre Wirkung nicht verfehlen, ist
aus einzelnen Beispielen ersichtlich. Die Vereinigten Staaten be-
zogen aus Canada bedeutende Quantitäten von rohem Holz, um es in
Bretter zu sägen und zu Bauten zu verwenden. Als man in Canada
dann anfing, die Bäume an Ort und Stelle zu zersägen und Bretter
über die Grenze zu schicken statt der Bäume, legte die Union einen
bedeutenden Zoll auf Bretter. Canada antwortete mit einem Ausfuhr-
zoll auf Bäume und Balken und paralysierte dadurch die Wirkung jener
Massregel. Ebenso bezog Deutschland eine lange Zeit Fournierhölzer
aus Russland, namentlich aus dem Kaukasus und zersägte sie für die
heimische Tischlerei. Mit Erfolg legte dann Russland einen Ausfuhr-
zoll auf das Rohmaterial, und die Folge war, dass ausländische Firmen
im Kaukasıs Sägemühlen ‚anlegten, um fertiges Fournierholz mit weit
zrösserem Vorteile als bisher das Rohholz zu exportieren. Es wäre
deshalb einseitiger Doctrinarismus, die Ausfuhrzölle als für unsere Zeit
unbedingt verwerflich hinzustellen.
Wirkung des Kine Eingangsabgabe als Schutzzoll soll den betreffenden Ge-
“ingangszolls. werben im grossen Ganzen höhere Preise sichern, als sie bei freier
Konkurrenz des Auslandes zu erwarten wären. Es ist dieses die Vor-
aussetzung der Massregel, und nur um einen falschen Schein zu er-
wecken, wird diese Wirkung geleugnet und verschleiert. Aber natür-
lich können auch hier ebenso wie bei dem Ausfuhrzoll Eventualitäten
eintreten, welche die Wirkung des Schutzzolles abschwächen und selbst
aufheben. Fürst Bismarck führte in einer seiner berühmten Reden
im Jahre 1879 aus, ihm würde fortdauernd der Beweis geliefert, dass das
Ausland den Zoll trage, denn so bald ein anderes Land eine Erhöhung
des Zolles eingeführt hätte, werde er von den deutschen Fabrikanten
bestürmt, seinen Einfluss geltend zu machen, um diese sie schädigende
Massregel zu inhibieren. Er führte das Beispiel an, dass bei Erhöhung
des Zolles auf Leder in Spanien die deutschen Gerber erklärt hätten,
dass die deutsche Gerberei dadurch in hohem Masse geschädigt würde.
Dieselben Klagen ertönten von den Brauereien, sobald in irgend einem