Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Lande der Zoll auf Bier gesteigert würde. Daraus müsse er obigen 
Schluss ziehn. 
Die Thatsachen sind unzweifelhaft richtig, es fragt sich aber, ob 
es auch die Schlüsse sind, die darauf gebaut werden. Wir haben uns 
klar zu machen, welche Wirkungen von einem solchen Zoll zu erwarten 
stehen. Bei jenem Beispiel in Spanien werden die deutschen Gerber 
vor die Alternative gestellt, entweder den Zoll auf sich zu nehmen, um 
die Lieferungen wie bisher fortsetzen zu können, oder von den Spaniern 
die um den Zollbetrag erhöhten bisherigen Preise zu fordern und abzu- 
warten, ob ihnen diese gezahlt werden. Das erstere wird nur möglich 
sein, wenn der Gewinn der deutschen Gerber bei dem Export ein ausser- 
gewöhnlich hoher war, und er deshalb eine entsprechende Minderung 
ertrug, oder wenn der Zoll ein ausserordentlich niedriger war, so dass 
er nicht wesentlich ins Gewicht fiel. Bei einem hohen Zoll und bis- 
herigem mässigen Gewinn wird dagegen der zweite Fall eintreten, und 
hier liegt die Wahrscheinlichkeit vor, dass die spanischen Gerber sich 
nun aufraffen, um durch erweiterte Produktion den Bedarf selbst zu 
decken, angeregt durch die Preissteigerung des Leders um die Zollhöhe. 
Es ist nun klar, dass in beiden Fällen der deutsche Gerber eine Ein- 
busse erfährt, entweder im Preise, wenn er den Zoll auf sich nimmt, 
oder in der Verringerung des Absatzes, wenn er dieses nicht thut. 
Sehr begreiflich ist es daher, dass bei einer jeden solchen Zollerhöhung 
auch von den ausländischen Produzenten Klagen ertönen. Damit ist 
aber keineswegs gesagt, dass sie auch den Zoll auf sich nehmen, 
In Zeiten einer Ueberproduktion, wo es an entsprechendem Ab- 
satze fehlt, werden die Produzenten des .Auslandes, wenn es ihnen 
irgend möglich ist, um die Kundschaft nicht zu verlieren, die Preise 
nicht erhöhen und damit den Zoll tragen. Sie werden aber selbstver- 
ständlich fortdauernd bestrebt sein, sich einen Absatz wo anders hin 
zu suchen. Eine Anzahl der Produzenten, deren pekuniäre Lage schon 
eine unsichere war, werden Bankrott machen, andere werden die 
Produktion einschränken. Alles Beides wirkt darauf hin, das über- 
mässige Angebot einzuschränken und es in ein richtiges Verhältnis 
zum Bedarf zu setzen, ohne Rücksicht auf das bisherige Absatzgebiet 
mit dem erhöhten Zoll. Als in den siebziger Jahren in Deutschland 
der Zoll auf Wein erhöht wurde, hatte Frankreich grosse Vorräte, be- 
sonders an Rotwein. Die französischen Weinhändler schickten ihre 
Reisenden nach Deutschland und boten ihre Weine zu den alten Preisen 
an. Sie waren bereit, um sich den Absatz nach Deutschland zu sichern, 
den Zoll zunächst auf sich zu nehmen. Allmählich wurden die Vor- 
räte unter starker Mitwirkung der Phyloxera vermindert. Die fran- 
zösischen Weinreisenden wurden nicht mehr in Deutschland geschen, 
dagegen beteiligten sich die deutschen Weinhändler nach Bedarf an den 
Auktionen in Bordeaux und anderen Orten, wo sie natürlich vor den 
Bietern aus Frankreich selbst oder aus England und Amerika nichts ‚vor- 
aus hatten, und transportierten sie dann den Wein über die deutsche 
Grenze, so mussten sie auch den Zoll zahlen. Wer aber direkt noch aus 
alten Beziehungen dieselbe Marke zum selben Preise bezog, erhielt haupt- 
sächlich griechischen, portugiesischen, spanischen Wein minderer Qualität 
mit echtem Bordeaux verschnitten. Der Preis war derselbe, aber die 
Qualität eine andere. So fand allmählich eine Abwälzung des Zolles auf 
Neinzoll.
	        
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