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Lande der Zoll auf Bier gesteigert würde. Daraus müsse er obigen
Schluss ziehn.
Die Thatsachen sind unzweifelhaft richtig, es fragt sich aber, ob
es auch die Schlüsse sind, die darauf gebaut werden. Wir haben uns
klar zu machen, welche Wirkungen von einem solchen Zoll zu erwarten
stehen. Bei jenem Beispiel in Spanien werden die deutschen Gerber
vor die Alternative gestellt, entweder den Zoll auf sich zu nehmen, um
die Lieferungen wie bisher fortsetzen zu können, oder von den Spaniern
die um den Zollbetrag erhöhten bisherigen Preise zu fordern und abzu-
warten, ob ihnen diese gezahlt werden. Das erstere wird nur möglich
sein, wenn der Gewinn der deutschen Gerber bei dem Export ein ausser-
gewöhnlich hoher war, und er deshalb eine entsprechende Minderung
ertrug, oder wenn der Zoll ein ausserordentlich niedriger war, so dass
er nicht wesentlich ins Gewicht fiel. Bei einem hohen Zoll und bis-
herigem mässigen Gewinn wird dagegen der zweite Fall eintreten, und
hier liegt die Wahrscheinlichkeit vor, dass die spanischen Gerber sich
nun aufraffen, um durch erweiterte Produktion den Bedarf selbst zu
decken, angeregt durch die Preissteigerung des Leders um die Zollhöhe.
Es ist nun klar, dass in beiden Fällen der deutsche Gerber eine Ein-
busse erfährt, entweder im Preise, wenn er den Zoll auf sich nimmt,
oder in der Verringerung des Absatzes, wenn er dieses nicht thut.
Sehr begreiflich ist es daher, dass bei einer jeden solchen Zollerhöhung
auch von den ausländischen Produzenten Klagen ertönen. Damit ist
aber keineswegs gesagt, dass sie auch den Zoll auf sich nehmen,
In Zeiten einer Ueberproduktion, wo es an entsprechendem Ab-
satze fehlt, werden die Produzenten des .Auslandes, wenn es ihnen
irgend möglich ist, um die Kundschaft nicht zu verlieren, die Preise
nicht erhöhen und damit den Zoll tragen. Sie werden aber selbstver-
ständlich fortdauernd bestrebt sein, sich einen Absatz wo anders hin
zu suchen. Eine Anzahl der Produzenten, deren pekuniäre Lage schon
eine unsichere war, werden Bankrott machen, andere werden die
Produktion einschränken. Alles Beides wirkt darauf hin, das über-
mässige Angebot einzuschränken und es in ein richtiges Verhältnis
zum Bedarf zu setzen, ohne Rücksicht auf das bisherige Absatzgebiet
mit dem erhöhten Zoll. Als in den siebziger Jahren in Deutschland
der Zoll auf Wein erhöht wurde, hatte Frankreich grosse Vorräte, be-
sonders an Rotwein. Die französischen Weinhändler schickten ihre
Reisenden nach Deutschland und boten ihre Weine zu den alten Preisen
an. Sie waren bereit, um sich den Absatz nach Deutschland zu sichern,
den Zoll zunächst auf sich zu nehmen. Allmählich wurden die Vor-
räte unter starker Mitwirkung der Phyloxera vermindert. Die fran-
zösischen Weinreisenden wurden nicht mehr in Deutschland geschen,
dagegen beteiligten sich die deutschen Weinhändler nach Bedarf an den
Auktionen in Bordeaux und anderen Orten, wo sie natürlich vor den
Bietern aus Frankreich selbst oder aus England und Amerika nichts ‚vor-
aus hatten, und transportierten sie dann den Wein über die deutsche
Grenze, so mussten sie auch den Zoll zahlen. Wer aber direkt noch aus
alten Beziehungen dieselbe Marke zum selben Preise bezog, erhielt haupt-
sächlich griechischen, portugiesischen, spanischen Wein minderer Qualität
mit echtem Bordeaux verschnitten. Der Preis war derselbe, aber die
Qualität eine andere. So fand allmählich eine Abwälzung des Zolles auf
Neinzoll.