Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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die Wirkung des Auslandpreises keine erhebliche auf das Inland sein 
könne. Auch dies ist sehr irrig. Es kommt vielmehr nicht auf die 
Quantitäten an, die thatsächlich vom Auslande bezogen oder an dasselbe 
abgegeben werden, sondern allein auf die Möglichkeit, erhebliche 
Quantitäten zu kaufen und zu verkaufen. Auch zur Zeit als Frankreich 
in der Hauptsache den eigenen Bedarf an Weizen deckte, in einzelnen 
Jahren einen Ueberschuss abzugeben vermochte, in anderen einen 
kleinen Zuschuss gebrauchte, gingen die Preise in London und Paris 
in hohem Masse Hand in Hand. Wollten die Landwirte höhere Preise 
haben, als sie in London plus den Frachtkosten nach Paris ausmachten, 
so erklärte der Händler, dass er es vorziehe, seinen Bedarf in London 
zu decken, und war damit im Stande, einen Druck auf die Landwirte 
auszuüben. Wollten die Händler nicht genügend bieten, so dass es 
für den Landwirt vorteilhafter wurde, den Weizen nach London zu 
exportieren, so konnte dieser umgekehrt den Händler zwingen, mit dem 
Preise entsprechend in die Höhe zu gehen, gleichviel, ob thatsächlich 
ein erhebliches Quantum mit England ausgetauscht wurde oder nicht. 
Die Verbesserung unserer Kommunikationsmittel hat nun bekanntlich 
die Möglichkeit solchen Austausches gewaltig erweitert; und daher ist 
auch der Einfluss der Preise des einen Landes auf die des anderen in 
erheblichem Masse gestiegen, und wird hier ein Zoll dazwischen ge- 
schoben, so wird damit auch seine Wirkung immer schärfer und weit- 
verbreiteter zur Geltung kommen, 
Verschiedene Ein Unterschied liegt aber hier nach der Höhe des Zolles vor. 
Wirkung von Je geringer derselbe ist, einen um so geringeren Einfluss wird er aus- 
a üben. Er verschwindet gewissermassen infolge der Reibungen des 
Zöllen. Verkehrs. Gegenüber den sonstigen Unkosten ist er zu gering, um 
eine höhere Beachtung zu finden. Er bleibt in den Zwischenhänden 
hängen und ist wenigstens in seiner Wirkung bis zu den Konsumenten 
nicht nachweisbar. Der Eisenzoll von 50 Pf. pro Doppelzentner, oder 
gar 25 Pf. findet wohl bei Gegenständen besondere Beachtung, deren 
Wert hauptsächlich in der Masse des Rohmaterials besteht, welche 
darin enthalten ist, bei Panzerplatten, Schienen, auch wohl Dampf- 
maschinen einfacher Konstruktion, Dampfkesseln ete., aber nicht bei 
feineren Geräten, Stahlmessern, Nähmaschinen. Selbst bei F ilterpressen 
und komplizierten Maschinen konnten wir bei Firmen, die sich eines 
besonderen Rufes und daher guten Absatzes erfreuten, konstatieren, 
dass die Auflegung des Eisenzolles keine Veränderung in dem Preis- 
verzeichnis herbeigeführt hatte, während uns ein Fabrikant von 
Dampfmaschinen, Pumpen ete. bekannte, dass er die Gelegenheit der 
Zollauflegung benutzt habe, eine erheblich darüber hinausgehende Preis- 
steigerung durchzuführen, die sich die Kunden willig gefallen liessen, 
weil ihnen die Begründung durch den KEisenzoll plausibel erschien, 
Verschleierung Noch viel häufiger aber, als die Zölle wirkungslos für das Pub- 
der Preis- ]Jikum sind, werden sie vom Produzenten und Händler verschleiert 
bewegung. und kommen in den Preisen nicht offen zum Ausdruck, indem durch 
Quantitäts- und Qualitätsveränderungen, wie schon an anderer Stelle an- 
gedeutet, bei gleichen Preissätzen thatsächlich Preisverschiebungen vor- 
liegen. Durch Verminderung des Gewichtes der Spaten, Hacken ete., 
durch Verringerung der Zahl der Nägel, die in einem Paket enthalten 
sind, durch Verschlechterung des Materials werden die alten Preise
	        
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