Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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die geringeren Wollsorten erheblich im Preise steigen. Es macht sich 
dann eben bezahlt, die abgetragenen Wollzeuge mit der Maschine 
zu zerzupfen und sogenannte Kunstwolle herzustellen, die der natür- 
lichen Woile beigemischt, von Neuem versponnen und verwebt wird. 
Ende der sechziger Jahre wurden in Deutschland mehr als hundert- 
tausend Zentner solcher Kunstwolle hergestellt, die bis zu dreiviertel 
den Bestandteil der damals beliebten dicken Dubbelstoffe ausmachte, 
die sehr gut aussahen, deren Haltbarkeit bei der grossen Brüchigkeit 
der Kunstwolle aber mehr als fragwürdig war. Diese Kunstwolle 
macht dann ihrerseits den geringeren Wollsorten Konkurrenz und ist 
imstande, dadurch die Landwirte wiederum um den erwarteten Gewinn 
zu bringen. 
Zoll auf Ein Zoll auf Halbfabrikate schützt dagegen neben den Ge- 
Halbfabrikate. werben der Rohproduktion noch eine Anzahl Industrien, wie bei dem 
Woll-Garnzoll in erster Linie den Spinner, in zweiter Linie den Land- 
wirt. Ein Zoll auf Maschinenteile, Draht ete. nützt den betreffenden 
Fabrikanten, sowie den Bergwerken. Benachteiligt werden dadurch die 
übrigen Fabrikanten, die das Halbfabrikat übernehmen und weiter ver- 
arbeiten, schliesslich die Konsumenten. 
Zoll auf Kin Zoll auf Maschinen, fertige Zeuge, oder gar Mäntel und 
ertige Waren. Kleidungsstücke schützt nicht nur die Unternehmungen, die diese 
Gegenstände herstellen, sondern auch die Verfertiger des Halbfabrikats 
und die Produzenten des Rohmaterials, während dagegen nur die 
Konsumenten, resp. die Unternehmungen den Zoll zu tragen haben, 
welche die Gegenstände gebrauchen. Hieraus ergiebt sich, dass je 
mehr der belastete Gegenstand zur unmittelbaren Verwertung fertig 
ist, und nicht noch einer weiteren Umgestaltung bedarf, um so weiter- 
gehend die Wirkung des Schutzes, um so geringer die Zahl der Be- 
nachteiligten ist. Je weitergehend der Gegenstand noch einer Be- 
arbeitung bedarf, je mehr Hände er noch zu passieren hat, umsomehr 
Gewerbszweige und Personen. empfinden die Belastung und werden 
dadurch benachteiligt. Man hat deshalb in der Wissenschaft wie in 
der Praxis schon sehr lange diese Unterscheidung gemacht und für 
diese drei Kategorien verschiedene Zollbehandlung für notwendig er- 
achtet und prinzipiell gesucht, alles Rohmaterial von der Verzollung 
frei zu lassen, — wie es auch die Merkantilisten bekanntlich verlangten 
— um 80 höher dagegen die fertigen Gebrauchsgegenstände zu den 
Zöllen heranzuziehen. Es ist dieser Gesichtspunkt deshalb keineswegs 
ein freihändlerischer, sondern ebensogut ein schutzzöllnerischer und 
unzweifelhaft volkswirtschaftlich berechtigt und einfach vernünftig, 
Wirkung nach Je allgemeiner der verzollte Gegenstand. gebraucht wird, um so 
der Verbrei- tiefergreifend auf die ganze Volkswirtschaft wird seine Wirkung sein, 
rn des Ge- um so höher die pekuniäre Belastung für die Gesamtheit, Ein Zoll 
rauches des sw . s a . 
verzollten auf Kohle, die überall in der Industrie wie in dem Privathause ge- 
Gegenstandes. braucht wird, wie ein Zoll auf Brotgetreide, greift in jeden Haushalt 
ein und wirkt annähernd wie eine Kopfsteuer, aber nicht nur als 
Abgabe an die Staatskasse, sondern zugleich als Abgabe an die be- 
treffenden Produzenten, die Inhaber der Kohlengruben, denen die aus- 
ländische Konkurrenz ferngehalten wird, und an alle Landwirte, 
welche Getreide über den eigenen Bedarf bauen und verkaufen. Denn 
es ist der Zweck der Getreidezölle, den Preis des Getreides zu er-
	        
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