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konnten aus dem gleichen Grunde aus Russland und Oesterreich so
oillig exportiert werden, dass dadurch die Weltmarktpreise erheblich
gedrückt wurden. In den Vereinigten Staaten beruht die wachsende
Ausfuhr von Eisenwaren gerade auf den unverhältnismässig hohen
Preisen im Inlande. durch welche die Produktion einseitig gesteigert
wird.
Spezifische Man hat bei den Zöllen zu unterscheiden zwischen spezifischen
and Wertzölle.nnd Wertzöllen. Die Wirkung derselben als schützende Massregel
wird natürlich eine sehr verschiedene sein, und es ist die eigentümliche
Erscheinung, dass in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, wo
Wertzölle überwiegen, die Schutzzöllner für einen Ersatz derselben
durch spezifische Zölle eintreten, während umgekehrt die deutschen
Schutzzöllner die allgemeinere Kinführung von Wertzöllen befürworten,
um damit eine grössere Wirkung des Schutzes zu erreichen. Unzweifel-
haft werden die Zölle, welche mit dem Werte der Gegenstände steigen
und sinken, den Schutz gleichmässiger zu verteilen vermögen. Wird
bei den spezifischen Zöllen der Zentner wollener Strickwaren mit
(00 Mk. belegt, so wird dieses für die geringere Qualität geradezu
prohibitiv wirken, während es für feinere Modewaren kaum ins Gewicht
fällt. Die gröbere Massenware wird intensiv geschützt und verteuert,
lie feineren teureren Fabrikate entbehren des Schutzes. Man ist des-
1alb so weit gegangen zu meinen, dass gerade die frühere Kinbürge-
rung der spezifischen Zölle in Deutschland die Produktion von „billig
und schlecht“ übermässig gefördert hat. Indessen erscheint dies als
sine wesentliche Ueberschätzung des Einflusses derartiger Massregeln.
Ueberall kann man verfolgen, dass die natürlichen Kräfte der Produktion
sinen grösseren Einfluss ausüben als jene künstlichen Ergänzungsmass-
‚egeln; dass aber diese Richtung durch die spezifischen Zölle begün-
stigt worden ist, während Wertzölle dieselbe bekämpft hätten, wird nicht
zu leugnen sein. Denn die Abstufung der Zölle nach gewissen äusseren
Merkmalen, um sie danach dem Werte in höherem Masse anzupassen,
aat bei den fertigen Waren entschieden weniger Erfolg, als bei den
Halbfabrikaten. Ein Vorteil der spezifischen Zölle liegt darin, dass
sie um so wirksamer werden, wenn die Preise heruntergehen, also ge-
rade dann am wirkungsvollsten sind, wenn der Schutz am nöütigsten
ist, weil derselbe Zollsatz dann einen grösseren Prozentsatz des Wertes
des Objektes ausmacht, also mehr ins Gewicht fällt. Demgegenüber
liegt der grosse Nachteil der Wertzölle darin, dass sich ihre Wirkung
ıbschwächt, wenn sie am wichtigsten ist, bei niedrigen Preisen; sich da-
zegen in unnützer, oft geradezu schädlicher Weise steigert, wenn die
Preise schon ohnehin sehr hoch und eventuell übermässige geworden
ind. Beide Arten haben daher in der untersuchten Richtung ihre
Vorzüge und Nachteile. Es kommen die besonderen Schwierigkeiten resp.
Erleichterungen hinzu, welche bei ihnen bei der Erhebung zu Tage
‚reten, die wir indess nicht hier, sondern in der Finanzwissenschaft
aäher zu beleuchten haben. Wo es sich um sehr hohe Zölle handelt
and bei Waren, bei denen die Wertverschiedenheit sehr erheblich ins
Gewicht fällt, werden die Wertzölle für Schutzzwecke in höherem
Masse am Platze sein; wo man sich dagegen mit einem mässigen
Zolle begnügt, werden die spezifischen ausreichen und dann vorzuziehen
sein. Sehr begreiflich daher, dass die letzteren in Deutschland bevor-