Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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yegenüber begünstigt, stets haben Konsumenten mehr zu zahlen, als 
unter Freigebung der Konkurrenz nötig wäre. Der Staat hat aber 
unzweifelhaft nicht nur ein Recht, sondern eventuell die Pflicht, einem 
Teile der Bevölkerung besondere Opfer aufzuerlegen, wenn es für die 
Entwicklung der Gesamtheit förderlich ist. Nun liegt es, wie ins- 
besondere Friedrich List mit Recht ausgeführt hat, im Interesse des 
Landes, möglichst den Bedarf durch heimische Produktion zu decken, 
und dies geschieht wiederum am besten, wenn alle Produktionsmittel 
des Landes zu thunlichst allseitiger Verwertung gelangt sind. Nicht 
nur, dass die Frachtkosten vom Auslande erspart werden, und die 
Unabhängigkeit von demselben, damit die eigene Selbständigkeit ge- 
wahrt wird, sondern es wird auch eine grössere Volksdichtigkeit gleich- 
mässige und lohnendere Beschäftigung des Volkes ermöglichen. Das ganze 
Staatswesen wird wirtschaftlich fester gefügt und auf gesicherter Grund- 
lage stehen, wenn der Hauptumsatz sich innerhalb des eigenen Landes 
bewegt und von allen Zufälligkeiten weniger berührt wird, von denen 
das Ausland betroffen ist. Aus diesem Grunde wird heutigen Tages 
viel von dem „Schutz der nationalen Arbeit“ und der Notwendigkeit 
der Abgrenzung der nationalen Volkswirtschaft geschrieben. Ebenso 
sicher aber ist es, dass die Selbstgenügsamkeit und die Abgrenzung des 
Landes gegen das Ausland leicht über das richtige Mass hinausgehen 
und zum Schaden der gesamten Entwicklung ausschlagen kann. Denn 
dass der Adam Smithsche, resp. der physiokratische Freihandelsgedanke Ad. Smith- 
gleichfalls eine Grundwahrheit in sich schliesst, wird heutigen Tages scher Grund- 
kein Nationalökonom zu bestreiten wagen. Die Ausbildung der inter- SE 
nationalen Arbeitsteilung trägt wesentlich dazu bei, die Verwertung der 
heimischen Arbeitskräfte wie des Kapitals zu steigern. Die ver- 
schiedenen Länder sind einmal sowohl durch ihre Naturanlage ausser- 
ordentlich verschieden für die volkswirtschaftliche Thätigkeit prädesti- 
niert, wie die menschliche Schaffenskraft nach Rasseneigentümlichketi 
und Kulturzustand eine ungleiche ist. Es wird deshalb ein Unding 
sein, auch dann die Produktion im Inlande künstlich erhalten oder gar 
steigern zu wollen, wenn das Ausland weit billiger produzieren kann und 
deshalb mit Hingabe anderer heimischer Produkte der Bedarf mit weit 
weniger Arbeitsaufwand gedeckt werden kann. Es ist ein Unding, und 
bedeutet nichts wie thörichte Arbeitsvergeudung, wenn man im Inlande 
gewisse Erze, die sich hier finden, bergmännisch zu gewinnen strebt, 
obwohl die Lagerung so tief, die Adern so dünn sind, dass die doppelte 
Arbeit, die doppelten Produktionkosten erforderlich sind als an ein- 
zelnen Stellen des nicht entfernten Auslandes, von dem man das 
Metall weit billiger beziehen kann, oder wenn man, um das Beispiel 
des Adam Smith heranzuziehen, in TTreibhäusern Weintrauben zieht 
und Wein daraus keltert, anstatt ihn von südlichen Gegenden zu be- 
ziehen, wo die Trauben im Freien ebenso gut gedeihen. 
Zwischen diesen Extremen gilt es die richtige Mitte herauszu- 
finden, und es muss in jedem einzelnen Falle abgewogen werden, ob 
die zu fordernden Opfer auch im Verhältnis zu dem zu erwartenden 
Nutzen stehen. Dabei kommen nicht nur rein wirtschaftliche Momente 
in Frage, sondern auch soziale und politische Verhältnisse, nicht nur 
die Gegenwart, sondern auch die Zukunft. Es wird daher in dem 
einzelnen Falle ausserordentlich schwierig sein, ein richtiges Urteil ab- 
Mittelweg,
	        
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