Full text : Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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neueren Anforderungen gemäss umzugestalten, sonst sind Kapitalverlust,
Arbeitslosigkeit die unvermeidlichen Folgen.
Der Schwerpunkt des Schutzzolles ist nach dem oben Ausgeführten
 möglichst auf fertige Waren zu legen. Halbfabrikate sind
milder zu behandeln. Rohprodukte mit einem Zoll zu belegen, wird
nur ausnahmsweise und vorübergehend zu rechtfertigen sein.
Eine Erweiterung des Zollgebietes vermindert die schädliche, Bedeutung
fördert die günstige Wirkung des Schutzzolles, weil eine bessere HEr- der Erweitegyänzung
 der verschiedenen Landesteile mit ungleichen Produktionsbe-"""£ kn A
dingungen stattfinden kann, und zwar sowohl zur gegenseitigen Unter- BEE
stützung der Produktion, wie zu angemessener Deckung des Bedarfs.
Die Vereinigung von Agrargegenden mit Industriedistrikten, der letzteren
 mit Gegenden ausgedehnten Bergbaues werden eine gegenseitige
Befruchtung ermöglichen. Die Ersteren finden reichlichen Absatz bei
der Industriebevölkerung und werden dadurch zu intensiver Kultur
angeregt, die Letztere erfreut sich billiger Ernährung und arbeitet für
den Bedarf der Landbevölkerung, während sie aus den Bergwerken
ainen Teil ihres Rohmaterials bezieht. Auf der anderen Seite kann in
ainem solchen grossen Territorium, welches durch die Verteilung der
verschiedensten Produktionszweige den Bedarf in mannichfaltiger Weise
selbst zu befriedigen vermag, die Abgrenzung gegen das Ausland weit
intensiver durchgeführt werden. Es kann ohne Schädigung die Verteuerung
 der vom Auslande bezogenen Artikel bewirkt werden. Kin
grösseres Zollgebiet kann leichter eine höhere Selbständigkeit erlangen
und unbeirrt durch das Ausland die Bestimmungen ganz den eigenen
Interessen anpassen. Diese Vorteile haben sich bei Entwicklung des
deutschen Zollvereins allseitig fühlbar gemacht und wesentlich auf seine
allmähliche Erweiterung hingewirkt. Hierauf ist es zurückzuführen,
dass sich in dem britischen Reiche die Bewegung des „Greater Britain“
geltend macht und man: nach einer Zollvereinigung mit den Kolonien
strebt, wie ebenso die Vereinigten Staaten danach trachten, allmählich
ganz Amerika zu. einem grossen Zollbunde zu vereinigen. In der
gleichen Weise treiben die Konkurrenzverhältnisse der überseeischen
Staaten den europäischen Kontinent mehr und mehr dazu, sich zu einem
grossen Zollbunde zu vereinigen, um dadurch einmal dem östlichen
Nachbar Russland, auf der anderen Seite Amerika gegenüber sich
abuschliessen, die Vernichtung heimischer Produktionszweige zu verhindern
 und doch den wachsenden Bedürfnissen genügen zu können.
Und wenn gar China und Japan mit den ihnen aufgezwungenen Eisenbahnen
 und Maschinen zu arbeiten beginnen, so wird nur auf solche
Weise Europa sich davor schützen können, dass die allgemeine Lebenshaltung
 wieder auf ein tieferes Niveau herabgedrückt wird. Aus demselben
 Grunde werden die neuen Bestrebungen zwischen Oesterreich
und Ungarn und zwischen Schweden und Norwegen wieder eine Zollwand
 zu schieben, schwerlich von nachhaltigem Erfolge sein, weil sie
naturwidrig sind.
            
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