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späteren römischen Reiche zunächst für Verwaltungszwecke Einrich-
tungen getroffen, um durch Boten und Kouriere mündliche Befehle
und Briefe aus dem Sitze des Herrschers nach den Provinzen und von
dort zurück mit möglichster Schnelligkeit zu befördern. Zur römischen
Kaiserzeit wurden bestimmte Stationen, an denen Pferde zum Wech-
seln gehalten wurden, eingerichtet, mit welchen Kouriere, Eil- und
Lastwagen in laufendem Verkehre weiter befördert werden konnten.
Die Benutzung war aber Staatsbeamten, Soldaten u. s. w. vorbehalten,
später auch den Dienern der Kirche.
In dem Mittelalter entwickelte sich zwischen den Niederlassungen
der einzelnen Orden ein regelmässiger Nachrichten-Verkehr, und die
wandernden Mönche wurden sehr allgemein zur Beförderung von Briefen
benutzt. Besonders ausgebildet war der Nachrichtenverkehr des deut-
schen Ordens zwischen dem Hauptordenshause und den Komptureien.
Aehnliche Berühmtheit haben die Botenanstalten der Universitäten in
der damaligen Zeit erlangt, wo, wie in Heidelberg urkundlich belegt,
vereidigte Boten in dem Jahre 1397 vorhanden waren, um den Ver-
kehr der Studenten mit ihrer Heimat zu erleichtern. Aehnlich wie die
Mönche übernahmen in dem Mittelalter die Metzger die Briefbeför-
derung, die durch ihren Beruf im ganzen Lande umher geführt wurden.
Aus einer grösseren Zahl erhaltener Botenordnungen geht ferner hervor,
Jass in dem 14. und 15. Jahrhundert die grossen Handelsstädte durch
eidlich verpflichtete Boten die Verbindung miteinander hergestellt und
geregelt hatten. Von Ludwig XI. wurde auch in Frankreich ein
Kourierdienst eingerichtet, der ebenso, wie der altrömische nur der
Verwaltung dienen sollte. Aber alle diese Anfänge sind mit den
modernen Einrichtungen der Post nicht zu vergleichen, deren Gründung
ın dem Beginne des 16. Jahrhunderts vor sich ging.
Anfang des Es ist das Verdienst Franz von Taxis, zuerst einen fest organi-
modernen sjerten Nachrichtenverkehr zwischen verschiedenen Ländern und Landes-
7ostverkehrs, £o;]en derartig hergestellt zu haben, dass er nicht nur der Verwaltung,
sondern dem grossen Publikum zugänglich war, und in den Dienst der
zanzen Volkswirtschaft trat, Zunächst wurde nur ein Pferd auf jeder
Station bereit gehalten, dann 1516 zwei, und der Verkehr nach Italien,
die Niederlande und Paris ausgedehnt. In der Mitte des 16, Jahr-
aunderts hatte sich der Dienst der Taxisschen Post nach allen Wind-
richtungen auf die Hauptstädtedes Reiches ausgedehnt, und die Erfin-
dung der Buchdruckerkunst hatte wesentlich dazu beigetragen, ihre
Dienste in Anspruch zu nehmen, um die sich immer mehr häufenden
Flugblätter im Lande zu verbreiten. Die ganze Einrichtung war auf
Kosten und Gefahr der Taxisschen Familie gegründet, aber mit beson-
deren Reichsprivilegien versehen, die indessen nicht ausschlossen, dass
sich neben den Taxisschen Posten Landesposten ausbildeten, wie
sich namentlich die Kurbrandenburgische unter dem grossen Kurfürsten
als vortrefflich auszeichnete. Diese Posten übernahmen zugleich, wenn
auch nur in beschränktem Masse, die Personenbeförderung.
Schon Ende des 16. Jahrhunderts sehen wir in den einzelnen
Ländern sich das Postregal ausbilden, indem die Staatsgewalt sich
die Gründung der Posten ausschliesslich vorbehält, wozu dann in dem
17. Jahrhundert die Durchführung des Postzwanges trat, d. h. das Verbot,
Briefe, kleinere Packete und auch Personen auf bestimmten Landstrassen