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im deutschen Reiche dieselbe Einrichtung ohne die Postsparkassen
3inzuführen, ist einstweilen gescheitert. Als Gegenstück zu den An-
weisungen kann die schon ältere Einrichtung der Postnachnahme auf
Packetsendungen gelten. Seit 1880 übernimmt die Post auch die Ein-
ziehung von Geldern auf Rechnungen, Wechsel, Zinsscheinen ete., ja
nan ist noch einen Schritt weiter gegangen und lässt auf Verlangen
des Absenders bei Nichthonorierung des Wechsels denselben zur Pro-
testierung einem Notar übergeben. In Belgien kann sogar der
Briefbote selbst Protest erheben. Wie sich der Geldverkehr der Post
in Deutschland gehoben hat, geht aus folgender kleinen Uebersicht
(H. W.B.) hervor:
Postwert-
sendungen
tückzahl | Wert in
= ana | artianer
1871 °
1880 9
1890 110.2
1898 | 12567
Als)
17 655
Postanweisungen
tückzahl
in 10006
Wert in
Millianer
.“[r
7
R
4
129131 6b
Postnachnahme-
sendungen
Tem
Wert in
WR
Sm
Postaufträge
Stückzahl | Wert in
"1000 | Millionen
* 548
?70
465
328
521
. 572
Packet- Schon in ältester Zeit haben die Posten auch die Beförderung
>eförderung. von Packeten übernommen. Unter Friedrich Wilhelm I. wurde
der Postzwang auf auf Packete bis 20 Pfund zur Anwendung ge-
bracht, unter Friedrich dem Grossen bis auf 40 Pfund erweitert,
1852 wieder auf 20 herabgesetzt, 1860 gänzlich aufgehoben. In Eng-
land, Frankreich, Italien sind schon früh Packete völlig der Pri-
vatbeförderung überlassen, wodurch ihr Postbetrieb wesentlich verein-
facht wurde und grössere Ueberschüsse zu erzielen vermochte. Es ist
aber nicht zu leugnen, dass sich das Publikum durch die Uebernahme
der Packetpost auf den Staat erheblich besser steht. Durch den
Weltpostvertrag von 1880 wurden Päckereien im Gewichte bis zu 3 kg
dem internationalen Verkehre überwiesen, und dieses 1885 auf 5 kg
erhöht. Infolgedessen haben auch Grossbritannien, Frankreich
und Italien überhaupt den Postverkehr mit Packeten in den erwähn-
ten Grenzen auch im Inlande aufgenommen. Deutschland geht aber
darüber hinaus, indem es Postpackete bis zu 50 kg befördert; ausser-
dem werden auch lebende Tiere, wenigstens Vögel, Fische, dann frische
Blumen u. s. w. in besonderer Weise zur Beförderung übernommen.
In Deutschland hat der Einheitstarif von 50 Pf. für Packete bis
zu 5 kg den Postpacketverkehr in der Aausserordentlichsten Weise
erweitert und für die Produktion, dann für die Konzentrierung des
Handels in einzelnen grossen Geschäften eine hohe Bedeutung erlangt.
Es war dies nur durchzuführen auf Grund besonders günstiger Be-
dingungen, welche der Post von den Eisenbahnen, so lange dieselben
noch in Privathänden waren, in der Konzession ausbedungen waren,
die dann auch von den Staatsbahnen weiter übernommen wurden.
Trotzdem vermindert die Packetpost den Reinertrag der Reichspost in
der Gesamtheit in nicht unerheblicher Weise. Das ist ausser in
Deutschland auch in Oesterreich-Ungarn, der Schweiz, Russ-
land der Fall.