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bilden ‘ verbesserte Wege und Strassen und die Heranziehung voll-
kommener Verkehrsmittel. Mit der Geschichte der Volkswirtschaft
geht deshalb auch die Geschichte der Kommunikationsmittel Hand in
Hand, und die erstere kann ohne die letztere nicht verstanden werden.
Auch hier war es das letzte halbe Jahrhundert, in welchem nach beiden
Richtungen eine Entwicklung vor sich ging, wie sie die Geschichte
noch niemals aufzuweisen hatte, und die enormen Fortschritte der
Volkswirtschaft waren nur möglich auf Grund der Entwicklung der
modernen Kommunikationsmittel,
Auf primitivster Stufe der Kultur ist es der Mensch allein, der Transport
wirtschaftliche Bewegung und Transport vorzunehmen vermag und siedurch mensch-
durchführt ohne weitere Hilfsmittel. Der Mensch fungiert als Träger, der !iche Träger.
auf ungebahnten Wegen den Transport bewerkstelligt, wie noch heutigen
Tages in dem Innern von Afrika. Ein sehr charakteristisches Beispiel
hierfür giebt Gustav Cohn am angegebenen Ort S. 704. „Der
Dampfer „von Wissmann“, der für den Viktoria-Nyanza bestimmt war,
kostete in Hamburg herzustellen 77000 Mk., der Transport desselben
inkl. des Personals bis zur afrikanischen Küste 16000 Mk. Die Träger
kosteten von Saadani bis zum Viktoria-Nyanza 180000 Mk., das Ge-
wicht des Dampfers betrug 100000 kg; gegen 4000 Träger, die meist
im Gänsemarsch die Last von 30 kg auf dem Kopfe hintereinander
her auf den schmalen Fusspfaden in 120 Tagen den Weg zurückzulegen
hatten, verursachten die gewaltigen Kosten trotz des geringen Tage-
lohnes von 40 Pfennig“.
Ein wesentlicher Fortschritt liegt vor, wenn Tiere zur Hilfe hinzu-
gezogen werden, die zunächst auf den völlig ungeebneten Wegen allein
als Lasttiere zur Anwendung kommen können, Erst viel später tritt
die Anwendung von Wagen mit Rädern hinzu, die vermutlich ebenso
wie die Reitpferde zunächst nur für Kriegszwecke Anwendung fanden.
So zeigen Abbildungen auf den assyrischen Baudenkmälern in Stein
gehauen Räderfuhrwerke, die also etwa 3000 Jahre vor unserer Zeit-
rechnung zur Anwendung kamen. Als allgemeineres Zugtier für Lasten
sind wohl, wie noch heutigen Tages in Afrika, zunächst die Ochsen
zur Anwendung gekommen, erst später die Pferde. Daneben entwickelt
sich an den Meeresküsten und auf den Binnengewässern der Boots-
verkehr, der auf dem Meere schon früher als auf den Flüssen eine Be-
deutung gewinnt, die den Menschen längere Zeit unüberwindliche Schwie-
rigkeiten durch Strömungen und Untiefen verursachen. Ströme hemmen
ausserdem den Landverkehr im höchsten Masse, da die Ueberschreitung
zunächst nur an seichten Stellen, oder durch Schwimmen, resp. auf
Flössen möglich ist. Der Landverkehr wird besonders durch die Un-
wegsamkeit des Bodens erschwert, und es setzt bereits eine grosse
Volksdichtigkeit und verhältnismässig hohe Kultur voraus, wenn der
Mensch sich daran wagt, künstliche Strassen herzustellen. Ernst
Curtius nimmt an, dass die Ausbildung bestimmter Landstrassen in
Griechenland durch den Gottesdienst hervorgerufen ist, und da der
Kultus den Handel unwillkürlich mit sich zieht, so dienten diese Strassen
auch zugleich sofort dem Warenverkehr. Er behauptet ferner, dass
die grosse Zahl der Fuhrwege, die er auf den alten Strassen konsta-
tierte, künstlich angelegte Spuren für die Benutzung durch den Wagen
sel. Nicht mit Unrecht macht Launhardt (Am sausenden Webstuhl