Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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bilden ‘ verbesserte Wege und Strassen und die Heranziehung voll- 
kommener Verkehrsmittel. Mit der Geschichte der Volkswirtschaft 
geht deshalb auch die Geschichte der Kommunikationsmittel Hand in 
Hand, und die erstere kann ohne die letztere nicht verstanden werden. 
Auch hier war es das letzte halbe Jahrhundert, in welchem nach beiden 
Richtungen eine Entwicklung vor sich ging, wie sie die Geschichte 
noch niemals aufzuweisen hatte, und die enormen Fortschritte der 
Volkswirtschaft waren nur möglich auf Grund der Entwicklung der 
modernen Kommunikationsmittel, 
Auf primitivster Stufe der Kultur ist es der Mensch allein, der Transport 
wirtschaftliche Bewegung und Transport vorzunehmen vermag und siedurch mensch- 
durchführt ohne weitere Hilfsmittel. Der Mensch fungiert als Träger, der !iche Träger. 
auf ungebahnten Wegen den Transport bewerkstelligt, wie noch heutigen 
Tages in dem Innern von Afrika. Ein sehr charakteristisches Beispiel 
hierfür giebt Gustav Cohn am angegebenen Ort S. 704. „Der 
Dampfer „von Wissmann“, der für den Viktoria-Nyanza bestimmt war, 
kostete in Hamburg herzustellen 77000 Mk., der Transport desselben 
inkl. des Personals bis zur afrikanischen Küste 16000 Mk. Die Träger 
kosteten von Saadani bis zum Viktoria-Nyanza 180000 Mk., das Ge- 
wicht des Dampfers betrug 100000 kg; gegen 4000 Träger, die meist 
im Gänsemarsch die Last von 30 kg auf dem Kopfe hintereinander 
her auf den schmalen Fusspfaden in 120 Tagen den Weg zurückzulegen 
hatten, verursachten die gewaltigen Kosten trotz des geringen Tage- 
lohnes von 40 Pfennig“. 
Ein wesentlicher Fortschritt liegt vor, wenn Tiere zur Hilfe hinzu- 
gezogen werden, die zunächst auf den völlig ungeebneten Wegen allein 
als Lasttiere zur Anwendung kommen können, Erst viel später tritt 
die Anwendung von Wagen mit Rädern hinzu, die vermutlich ebenso 
wie die Reitpferde zunächst nur für Kriegszwecke Anwendung fanden. 
So zeigen Abbildungen auf den assyrischen Baudenkmälern in Stein 
gehauen Räderfuhrwerke, die also etwa 3000 Jahre vor unserer Zeit- 
rechnung zur Anwendung kamen. Als allgemeineres Zugtier für Lasten 
sind wohl, wie noch heutigen Tages in Afrika, zunächst die Ochsen 
zur Anwendung gekommen, erst später die Pferde. Daneben entwickelt 
sich an den Meeresküsten und auf den Binnengewässern der Boots- 
verkehr, der auf dem Meere schon früher als auf den Flüssen eine Be- 
deutung gewinnt, die den Menschen längere Zeit unüberwindliche Schwie- 
rigkeiten durch Strömungen und Untiefen verursachen. Ströme hemmen 
ausserdem den Landverkehr im höchsten Masse, da die Ueberschreitung 
zunächst nur an seichten Stellen, oder durch Schwimmen, resp. auf 
Flössen möglich ist. Der Landverkehr wird besonders durch die Un- 
wegsamkeit des Bodens erschwert, und es setzt bereits eine grosse 
Volksdichtigkeit und verhältnismässig hohe Kultur voraus, wenn der 
Mensch sich daran wagt, künstliche Strassen herzustellen. Ernst 
Curtius nimmt an, dass die Ausbildung bestimmter Landstrassen in 
Griechenland durch den Gottesdienst hervorgerufen ist, und da der 
Kultus den Handel unwillkürlich mit sich zieht, so dienten diese Strassen 
auch zugleich sofort dem Warenverkehr. Er behauptet ferner, dass 
die grosse Zahl der Fuhrwege, die er auf den alten Strassen konsta- 
tierte, künstlich angelegte Spuren für die Benutzung durch den Wagen 
sel. Nicht mit Unrecht macht Launhardt (Am sausenden Webstuhl
	        
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